0
Kommentar
CSU verbietet Gendern: Das ist altbacken und gefährlich
Es kommentiert Stephan Großmann, Chefreporter Digital bei fraenkischertag.deForchheim & Fränkische Schweiz
Es kommentiert Stephan Großmann, Chefreporter Digital bei fraenkischertag.de // Matthias Hoch
Forchheim – Die CSU verbietet Behörden in Bayern das Gendern, nicht alle wollen diesen Weg mitgehen. Warum ein solches Verbot unsinnig ist und wie es von wahren Problemen ablenkt, kommentiert Stephan Großmann.

Update vom 19. März, 15 Uhr:

Bayern beschließt Verbot der Gendersprache

In Behörden in Bayern ist die Gendersprache mit Sonderzeichen zur Geschlechterumschreibung unzulässig. Der Ministerrat hat laut einer Mitteilung des Innenministeriums am 19. März auf Vorschlag von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine entsprechende Änderung der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern (AGO) beschlossen. Herrmann: „Mehrgeschlechtliche Schreibweisen durch Wortbinnenzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt, Gender-Gap oder Mediopunkt sind nun ausdrücklich unzulässig.“

Damit ist nun amtlich, was seit Monaten diskutiert wird. Dass auch einige Gemeinden Bayerns, darunter Forchheim, über Gendersprache in der öffentlichen Kommunikation diskutiert hatten, kommentierte FT-Digitalredakteur Stephan Großmann bereits am 13. Januar. Dieser Text wurde nun um die aktuellsten Entwicklungen ergänzt.

Lesen Sie hier den Kommentar von Stephan Großmann

 Sag mir, wie du sprichst, und ich verrate dir, wer du bist.

Derzeit spannen sich viele Gräben durch unsere Gesellschaft, von links nach rechts, für oder gegen „Klimakleber", Sympathie oder Hass für die Ampelregierung.

Genderdebatte bekräftigt erzkonservative Gesinnung Bayerns

Ein weiteres Debattenfeld ist die gendergerechte Sprache. Hierbei wird Bayern seinem erzkonservativen Ruf wieder einmal gerecht, indem es seinem Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zujubelt, wenn er sich selbstgerecht in die vorderste Front eines Kampfes stellte, den es überhaupt nicht braucht.

Schon kurz nach der Landtagswahl ließ Söder verlauten, das Gendern an Behörden und Schulen verbieten zu wollen. Dankend folgen Forchheims konservative Parteien diesem Aufruf und fordern für die Stadt auch das Erlöschen des Gendersterns.

Dies ist aus zwei Gründen unsinnig und offenbart die Doppelmoral der Konservativen in Bayern.

Deutsche Sprache lässt sich nicht durch Verbote verbiegen

Erstens ließ sich Sprache noch nie durch Verbote verbiegen. Daran wird auch die sprachgesellschaftliche Haltung einer reaktionären Polit-Mehrheit nichts ändern. Zumal es nichts gibt, wofür so vehement gekämpft werden müsste - kein einziges Gesetz schreibt den Menschen das Gendern vor. Die Freiheit der Sprechenden solle per Verbot verteidigt werden. Das Gegenteil ist der Fall, wenn die Menschen dank der CSU jetzt nicht mehr selbst über ihren Ausdruck entscheiden dürfen.

Zweitens müssen die Kritiker einer schriftsprachlich inklusiven Ausdrucksweise (über Sinn und Praktikabilität einzelner Zeichen ließe sich hingegen streiten) anerkennen, dass Sprache das Spiegelbild unserer Gesellschaft ist. Und die wird bunter, auch wenn es vielen in diesem Land nicht passt. Sprache muss verbinden, nicht ausgrenzen.

Wenn nun die selbst ernannte Verbotspartei-Jäger der CSU selbst zum Rotstift greift, entzaubert das nicht nur ihren ständigen ideologischen Kampf gegen die Grünen als populistische Nebelkerze. Es führt zudem die so bemüht christliche Ausrichtung der Partei ad absurdum.

Nächstenliebe beginnt bereits bei der Sprache.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!