Uwe Kirschstein ist aufgebracht. Fast drei Stunden lang tagt er zu diesem Zeitpunkt bereits mit Vertretern des Stadtrats im Planungs- und Umweltausschuss über die Themen Bauunterhalt an städtischen Liegenschaften und Klimaschutzprojekte. Dann, versteckt unter dem Punkt „Sonstiges“ verkündet Forchheims sonst stets gefasst wirkender Oberbürgermeister eine Nachricht, die das Zeug zum echten Knaller hat: Steht etwa der lange geplante Hochwasserschutz in Kersbach wieder einmal auf der Kippe?
Der Stein des Anstoßes erreichte die Stadtverwaltung in Person Kirschsteins erst kurz vor der Sitzung. Eine harmlos wirkende Mail vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt Kronach, in der die Stadt noch einmal auf organisatorische Besonderheiten ihrer beantragten Förderung hingewiesen wird. Darin formuliert sind genaue Vorgaben, wie der Stadtrat seine Beschlüsse zu formulieren hat, wolle er Zuwendungen erhalten.
So weit, so gängige Praxis.
Sieben Millionen Euro kostet das Regenrückhaltebecken in Kersbach
Das große Problem sei darin nicht etwa der Punkt, laut dem die Stadt als Geldgeber einspringen müsste, sollten die zugesagten Fördergelder für das sieben Millionen Euro teure Großprojekt – die Errichtung eines 51.000 Kubikmeter großen Regenrückhaltebeckens an der Staatsstraße zwischen Kersbach und Effeltrich– nicht schnell genug oder ausreichend gedeckt fließen. Auch da gilt: gängige Praxis.
Auch treibe das Stadtoberhaupt zwar der Punkt um, dass bereits getätigte Vorleistungen nicht mehr zu bereits zugesagten Fördergeldern gerechnet werden dürften. Das entspräche nämlich streng genommen einer Kürzung der Förderung. „Was uns aber nicht davon abhält, dieses Projekt unbedingt umsetzen zu wollen“, ergänzte Kirschstein schnell.
Am meisten ärgerte ihn eine andere Nachricht: Dass das Münchner Umweltministerium die komplette Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage wohl noch einmal analysieren wolle. Auslöser für dieses Projekt waren die fatalen Hochwasser in der Region aus dem Jahr 2007, dann folgten lange politische Entscheidungswege. Von Beginn an schielten die Förderstellen mit einem großen Auge auf die Finanzierbarkeit. „Sicher kann eine Behörde einen Überschwemmungsschaden wirtschaftlich betrachten“, so Kirschstein. „Wer einen nassen Keller hat, sieht das aber sicherlich anders.“
Diese Wirtschaftlichkeitsüberprüfung sei schon damals nicht richtig gewesen und wäre es heute erst recht nicht, so Kirschstein. Mit ernster Miene appellierte er nun daher an seine zahlreichen gut vernetzten Lokalpolitiker, sich des erneut leidig gewordenen Themas anzunehmen.
Das sagt Umweltminister Thorsten Glauber zu der Ärger-Mail
Nachgefragt bei Thorsten Glauber, seines Zeichens nicht nur Bayerns Umweltminister (Freie Wähler), sondern auch Pinzberger Bürger. Über einen Sprecher lässt er auf Anfrage folgendes verlauten: „Umweltminister Thorsten Glauber steht hinter dem Projekt und hat es von Anfang an unterstützt. Hochwasserschutz ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. Das Rückhaltebecken Kersbach kommt ohne weitere Verzögerung. Der Freistaat steht zu seinen Zusagen.“
Von einer entsprechenden Mail des Wasserwirtschaftsamtes über eine erneute Wirtschaftlichkeitsprüfung an die Stadt wolle der Ministeriumssprecher nichts gewusst haben, er stellt klar: Das Becken komme, ebenso die vom Freistaat versprochene Finanzspritze in Höhe von 4,5 Millionen Euro.
In internen politischen Kreisen spricht man einige Stunden nach der Sitzung von einem Versehen, eine „inhaltlich fehlerhafte Mail“ sei aus dem Wasserwirtschaftsamt versendet worden. Die Anfrage unserer Redaktion, wie es dort zu dieser fast fatalen Fehlermeldung kommen konnte, hat die Kronacher Wasserbehörde bis zum Redaktionsschluss noch unbeantwortet gelassen.
Stadtrat Forchheim: Große Aufregung und ein Happy End
Die schlechte Nachricht: Kurzzeitig herrschte zumindest im engen politischen Radius rund um den Stadtrat und bei den über Whatsapp-Gruppen und anderen Kanälen schnellst informierten Kersbachern große Aufregung. Zu tief sitzt der Schrecken der Hochwasser von 2007 und 2021 den Menschen in der Region noch in den Knochen.
Die gute: Das Projekt steht. Laut aktuellem Zeitplan vom September 2023 wolle man in diesem Sommer mit der zweijährigen Bauphase beginnen, mit einer Fertigstellung rechnet die Stadt bis Ende 2026.
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