Sie bleibt in Ebermannstadt ein heikles Thema: die Windkraft. Egal ob Lautstärke, Infraschall oder Schatten, viele Themen rund um den geplanten Windpark im Süden der Langen Meile bereiten einigen Bürgern weiterhin Sorgen. Sogar so sehr, dass es bei einer hitzigen Bürgerversammlung im April zu gleich zwei Anträgen kam, in denen der Stadtrat um eine erneute Behandlung des Themas gebeten wurde. Hier sollten nun erneut viele Fragen der Stadträte und auch offene Fragen aus der Bürgerversammlung beantwortet werden.
Gesagt und getan: Der Stadtrat nutzt die Gelegenheit nun, um möglichst reinen Tisch zu machen und um möglichst viele Ängste, Mythen und Vorurteile aus dem Weg zu schaffen.
Wie laut darf der Windpark sein?
Von Beginn an energisch geht Referent Dr. Stefan Holzheu gegen diverse Mythen vor, wie sich Windparks auf die Gesundheit der Menschen auswirken können. Dabei geht es dem Wissenschaftler der Uni Bayreuth besonders um die Lautstärke und den sogenannten Infraschall. „Als Wissenschaftler reibt man sich bei manchen Aussagen wirklich die Augen“, sagt Holzheu.
„In Deutschland gibt es für alle unsere Windanlagen natürlich gewisse Grenzwerte, was den Lärm der Windräder betrifft“, erklärt Holzheu. Am Tag dürfte ein Windpark in einem allgemeinen Wohngebiet mit nicht mehr als 55 Dezibel (dB) zu hören sein. In einem Mischgebiet dürfen es nicht mehr als 60 dB sein. „Zum Vergleich: Man sagt, dass eine ruhige Wohnung einen Wert von rund 45 dB hat“, so Holzheu. Eine Lautstärke von 55 dB erreicht etwa ein leises Gespräch oder ein das Summen eines Kühlschranks. Wichtig zu beachten dabei sei auch, dass die Grenzwerte in der Nacht nochmals rund 15 dB niedriger sind. „Ja, die Anlagen machen einen gewissen Lärm, der aber vor Ort komplett zu vernachlässigen ist“, sagt Holzheu.
„Infraschall stellt keine Gefahr dar“
Weitaus weniger berechtigt, so Stefan Holzheu, sei die Angst vor sogenanntem Infraschall. „Zum Infraschall werden schon sehr viele Falschinformationen verbreitet“, erklärt der Wissenschaftler. Unter anderem würde Infraschall von manchen Gruppen schon genauso gefährlich eingeschätzt werden wie radioaktive Strahlung. Die Tatsache sei aber, dass sehr viele alltägliche Geräte und Aktionen Infraschall verursachen und dieser absolut ungefährlich für den Menschen ist.
Mit der Aufklärung zum Thema Infraschall ist Holzheu bereits bestens vertraut. 2021 entdeckte er gemeinsam mit einem Kollegen einen gravierenden Rechenfehler in einer Infraschall-Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2005. Hier wurden um ein Vielfaches höhere Infraschallwerte errechnet als tatsächlich der Fall war, ein Fehler für den sich sogar der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier entschuldigen musste.
Als Infraschall klassifiziert werden Töne mit einer Frequenz von unter 20 Hertz. „Bis zu einer Lautstärke von rund 120 dB ist Infraschall, für den Menschen gar nicht hörbar“, erklärt Holzheu. Und damit auch nicht spürbar. Denn obwohl das menschliche Ohr den Infraschall kaum wahrnehmen könne, sei es gleichzeitig das empfindlichste Organ für diesen. „Es gibt keine seriösen Belege dafür, dass Infraschall irgendwelche negativen Auswirkungen auf den Menschen haben könnte“, so Holzheu.
Dazu kommt noch, dass alltägliche Aktivitäten, wie zum Beispiel eine Autofahrt schon deutlich mehr Infraschall verursachen könnten. „Wenn der Infraschall tatsächlich ein Problem wäre, müssten wir auch alle Autos verbieten, denn hier ist der Infraschall um ein Vielfaches höher“, sagt der Wissenschaftler. „Was statt des Infraschalls tatsächlich krank macht, ist eine unbegründete Angst vor Infraschall. Es braucht einfach richtige und ordentliche Aufklärung, denn die Fakten sind schon lange eindeutig“, sagt Stefan Holzheu.
Schatten intelligent vermeiden
Besonders bei Anwohnern in direkter Nähe zum zukünftigen Windpark wird sich sicher bereits die Frage gestellt haben, ob das neue Windrad in Zukunft einen Schatten auf das eigene Grundstück werfen könnte. „Ähnlich wie auch bei der Lautstärke wird der Schattenwurf vor dem tatsächlichen Bau ausgiebig geprüft“, erklärt Referentin Mariella Schubert von der PLAN BC GmbH, dem beauftragten Planungsbüro.
Bei dem Mindestabstand von einem Kilometer zum nächsten Wohngebäude sei ein Schatten meist sowieso schon recht selten, sollte ein Gebäude aber dennoch im Schattenbereich eines Windrads liegen, gibt es Wege den Schatten bestmöglich zu vermeiden. „Die Windräder sind so intelligent programmiert und mit den Sonnendaten gefüttert, dass wenn das Windrad einen Schatten über ein Gebäude wirft, sich das Windrad automatisch abschaltet. Dadurch gibt es dann keinen Schatten durch die Rotorblätter“, erklärt Schubert.
Wirtschaftlichkeit des Windparks geprüft
Eine weitere Sorge vieler Ebermannstädter, die aus der Bürgerversammlung hervorging, war die Wirtschaftlichkeit des neuen Windparks. „Vorweg ist schon mal festzustellen, dass wir hier sehr gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Windpark haben“, erklärt Mariella Schubert. Denn: selbst in einer Rechnung mit absoluten Worstcase-Zahlen sei der Windpark für die Stadt wirtschaftlich.
In diesem schlechtesten aller anzunehmenden Szenarien wäre die Stadt dann auch Betreiber der Anlage, ein sehr unwahrscheinliches Szenario, findet auch Bürgermeisterin Christiane Meyer: „Wer am Ende Betreiber wird, gilt es noch herauszufinden, was aber allen klar sein sollte, ist, dass wir als Ebermannstadt die Anlage nicht allein betreiben können.“
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