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Blick hinter die Kulissen
Wie Oberfrankens Windkümmerer die Energiewende mitgestaltet
Sogenannte Windkümmerer helfen dabei, die Energiewende vor Ort umzusetzen. Auch im Landkreis Forchheim sind sie aktiv.
Sogenannte Windkümmerer helfen dabei, die Energiewende vor Ort umzusetzen. Auch im Landkreis Forchheim sind sie aktiv. // Illustration: Maximilian Arnold
Landkreis Forchheim – Wind heißt das Geschäft von Hubert Treml-Franz. Oder eher, wie sich aus Wind Energie gewinnen lässt. Was seinen Job Windkümmerer ausmacht, wie er Gegenwind aushält und warum er den Landkreis Forchheim im Aufwind sieht.

Leicht lässt er sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Hubert Treml-Franz ist lange genug im Geschäft und weiß, dass die Mühlen oft langsam mahlen. Vor allem die mit Wind betriebenen. Um das zu ändern, tourt er seit Jahren durch Oberfranken, um vom Frankenwald bis zur Fränkischen Schweiz der Energiewende Aufwind zu verleihen. Der 56-Jährige ist Windkümmerer für die Region – und nimmt seinen Job ernst.

Hubert Treml-Franz ist als Windkümmerer für die Energieagentur Nordbayern unter anderem im Landkreis Forchheim unterwegs.
Hubert Treml-Franz ist als Windkümmerer für die Energieagentur Nordbayern unter anderem im Landkreis Forchheim unterwegs. // Thomas Riese

Windkümmerer Hubert Treml-Franz: „Dicke Bretter für Windkraft"

Das muss er auch, denn beim Thema „Windkraft müssen wir dicke Bretter bohren“, sagt er. Das liegt nicht nur an dem meist jahrelangen Planungs- und Verwaltungspingpong. Zuvorderst gelte es, ausreichend Akzeptanz zu schaffen. In den Rathäusern und bei den Bürgern. Als Windkümmerer steht er jenen Kommunen als Unterstützer zur Seite, die sich auf diesen Marathon einlassen wollen.

Rückblende: Montag, 26. Februar, Rathaus Ebermannstadt. Hubert Treml-Franz fährt in die Fränkische Schweiz, um den Stadträten und Bürgern den aktuellen Stand der Pläne zu erklären. Empfangen wird er von genervten Anwohnern, die den Plänen an der „Langen Meile“ die rote Karte zeigen. „Hier entsteht kein Windrad“ steht darauf geschrieben. Friedlich, aber angespannt verfolgen sie die Ausführungen des Windkümmerers.

Er erzählt ihnen, dass der Energiebedarf ohne ausreichend Windkraftanlagen nicht gedeckt werden könne. Dass die Gegend zwischen Ebermannstadt und Eggolsheim sehr gut geeignet sei. Dass auch die Kommunen – und damit letztlich die Menschen - selbst finanziell profitieren könnten.

Mit seinen Argumenten dringt er bei den Schilderträgern nicht durch. Sie verwehren sich nicht gegen erneuerbare Energien; 250 Meter hohe Windräder im Sichtfeld ihrer Gärten aber lehnen sie ab.

Ablehnung. Vorbehalte. Befindlichkeiten. All das gehört zu Hubert-Tremls Geschäft dazu. Je nach Region etwas mehr oder weniger. Am Rennsteig (Landkreis Kronach) etwa, wo derzeit 800 Hektar Vorranggebiet ausgewiesen worden sind, habe es keine einzige private Einwendung gegeben. Für die Lange Meile waren rund 2000 Stellungnahmen mit gut 100 unterschiedlichen Einwendungen eingegangen.

Und doch muss Hubert Treml-Franz bislang nicht auf negative Erfahrungen. Das liegt zum einen daran, dass er meistens mit Vertretern der Kommunen zu tun hat. Und zwar mit denen, die sich bereits den Ausbau der Windenergieerzeugung vorstellen könnten. Dort betritt er offene Türen.

10H-Regel, Erneuere-Energien-Gesetz: „Wechsel in Grundstimmung"

Zweitens erkennt der studierte Wirtschaftsingenieur einen Wechsel in der Grundstimmung. Der Wind scheint sich für viele zu drehen, in Richtung Windkraft.

Das liegt auch am Einlenken der Politik. So hat die Bayerische Staatsregierung die umstrittene 10H-Regel gelockert, laut derer früher ein Windrad mindestens das Zehnfache der Höhe von der nächsten Wohnsiedlung entfernt sein musste. Nun sind es 1000 Meter. „Auch das 2022 von der Ampel-Koalition novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz hat die Ausbauziele vorangebracht“, sagt Treml-Franz.

Zeit wird es, bemängeln die Windkraft-Befürworter. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Energieatlas Bayern sind im Landkreis Forchheim im Jahr 2021 gerade einmal 1829 Megawattstunden an Windstrom erzeugt worden – aufgeteilt auf zwei Kleinwindanlagen in Forchheim und Ebermannstadt sowie das einzige Windrad im Landkreis, das vor 24 Jahren in Kasberg in Betrieb genommen worden ist. Zwar machten im Landkreis erzeugte erneuerbare Energien im Jahr 2021 35 Prozent des landkreisweiten Stromverbrauchs aus. Davon entfielen aber lediglich 0,38 Prozent auf die Windenergie. Spitzenreiter waren Biomasseanlagen und Photovoltaik auf Dachflächen.

Neue Vorranggebiete in Oberfranken: Ziel bald übererfüllt?

Nun tut sich etwas in Sachen Windenergie. Hubert Treml-Franz, der Windkümmerer, nennt das „einen guten Weg“. Seine neue Hoffnung hat viel mit der gesetzlichen Öffnung der Landschaftsschutzgebiete für Windenergieanlagen zu tun. So mehren sich die Flächen in der Region, auf denen als sogenannte Vorranggebiete vielleicht einmal Windräder stehen könnten. Waren es vorher in Oberfranken 0,6 Prozent der Fläche, sind es jetzt schon 1,1 Prozent. Bis Ende des Jahres wolle man diesen Wert auf 1,8 Prozent schrauben – und damit der Zielsetzung bis zum Jahr 2032 weit voraus sein.

Spiegelbild eines bundesweiten Trends. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Stromeinspeisung aus Windkraft in Deutschland im Jahr 2023 gegenüber dem Jahr 2022 um 13,8 Prozent. Windkraft war damit mit einem Anteil von 31 Prozent der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung - und löste die Kohle erstmals ab.

Auf der Langen Meile zwischen Ebermannstadt und Eggolsheim könnten einmal knapp zehn Windräder stehen, je nachdem wie die weiteren Planungsschritte laufen. Insgesamt sieht Treml-Franz im Landkreis Forchheim ein maximales Potenzial für 20 bis 25 Maschinen. Doch bis dahin wäre es – selbst mit umfassendem Wohlwollen, ein weiter Weg.

Das Windrad in Kasberg ist seit 20 Jahren in Betrieb. Viele weitere könnten auf der „Langen Meile“ folgen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das Windrad in Kasberg ist seit 20 Jahren in Betrieb. Viele weitere könnten auf der „Langen Meile“ folgen. // Barbara Herbst

Von null auf Windrad: Der lange Weg durch die Bürokratie

Zuerst müssten laut Treml-Franz Vorranggebiete ausgewiesen, anschließend die Regionalplanung erstellt werden. Es müssten Grundstücksflächen gesichert, das Genehmigungsverfahren durchlaufen, an EEG-Ausschreibungen teilgenommen, Investitionen kalkuliert, Finanzierungen gesichert und Anlagen bestellt werden. „Das dauert Jahre“, sagt er. Selbst wenn alles erledigt sei; die Lieferzeit für die Windradbauteile betrage im Moment um die 18 Monate.

Und doch betont Windkümmerer Hubert Treml-Franz stets die Vorteile wie den verhältnismäßig geringen Flächenverbrauch und die Effizienz. „Saisonal ist Windkraft unsere einzige Chance, die Deckungslücke zwischen Erzeugung und Verbrauch zu schließen.“ Den gesellschaftlichen Aufwind – abgesehen von lokalem Gegenwind Einzelner – nimmt er gerne wahr. Bauchschmerzen bereite ihm eher der nächste Schritt, die erzeugte Windenergie verlässlich in die Haushalte zu bringen. „Das Thema Netzausbau bleibt das Nadelöhr. Hier ist unter anderem die Bayerische Staatsregierung gefragt“, sagt er.

Entmutigen lassen wolle er sich davon aber nicht. Die Zukunft kommt eben nicht von heute auf morgen.

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