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Nach ersehnter Entscheidung
Bürgerwindpark Lange Meile: Wann kommen die Windräder?
In Sachen Windpark Lange Meile kommt Bewegung in die Sache - doch noch gibt es einige Hürden.
In Sachen Windpark Lange Meile kommt Bewegung in die Sache - doch noch gibt es einige Hürden. // Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Eggolsheim, Ebermannstadt – Monatelang mussten Befürworter und Gegner warten: Nun ist in Sachen Bürgerwindpark auf der Langen Meile zwischen Eggolsheim und Ebermannstadt eine wichtige Entscheidung gefallen. So geht's jetzt weiter.

Bayern will immer mal mehr Windkraft, dann wieder nicht. Im Moment schon.

Den aktuellen Rückenwind aus dem politischen München nutzt der Landkreis Forchheim daher, um die bisherige Flaute in seiner Windkraft-Bilanz zu beenden.

Die reine Nachricht von dieser Woche liest sich nüchtern: „Der Planungsverband Oberfranken-West weist sechs neue Vorranggebiete für Windkraftanlagen in den Landkreisen Kronach und Forchheim aus". So lautet das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Sitzung des in Bamberg tagenden Gremiums. Konkret geht es um das als Lange Meile betitelte Gebiet zwischen Eggolsheim und Ebermannstadt, wo künftig bis zu einem Dutzend Windkraftanlagen stehen könnten. Weitere sind im Landkreis Kronach geplant.

2000 Stellungnahmen für Lange Meile eingegangen

Die Beschlüsse waren bereits im Herbst 2023 erwartet worden. Doch es hatte so viele Einwendungen gegen das Projekt gegeben, dass die Behörden die Entscheidung hatten verschieben müssen. Für die Lange Meile waren rund 2000 Stellungnahmen mit gut 100 unterschiedlichen Einwendungen eingegangen. Diese, so bestätigt die Regierung von Oberfranken auf Anfrage, seien sorgsam geprüft und bewertet worden. 

Inhaltlich drehten sich diese mehrheitlich um den Schutz des Landschaftsbildes, dem Erholungsfaktor, dem Artenschutz und beispielsweise dem Immissionsschutz. Für den Regionalen Planungsverband Oberfranken-West kommen die Experten nach einzelner Behandlung zu folgendem Schluss: „Aus den vorgebrachten Stellungnahmen sind im Ergebnis der Abwägung keine
Belange zutage getreten, die einer Ausweisung der Gebiete Lange Meile Nord, Lange Meile Süd I und Lange Meile Süd II als Vorranggebiete für Windenergie entgegenstehen."

Heißt: Die Windräder werden kommen.

Beschluss ist da, aber wann kommen die Windräder?

Nachgefragt bei den betreffenden Rathaus-Lenkern in Ebermannstadt und Eggolsheim. Letztere ist Claus Schwarzmann, seit Jahren als Verfechter des Ausbaus erneuerbarer Energien bekannt. Er begrüßt daher die Entscheidung, weist aber zugleich darauf hin, dass die Arbeit jetzt erst losgehe. Etliche Untersuchungen sind noch durchzuführen, Gutachten zu erstellen, Planungen zu konkretisieren. Wann das erste Windrad stehen könne? „Das wage ich nicht zu prognostizieren."

Claus Schwarzmann, Bürgermeister EggolsheimForchheim & Fränkische Schweiz
Claus Schwarzmann, Bürgermeister Eggolsheim // Barbara Herbst

Auch Christiane Meyer, Bürgermeisterin der Stadt Ebermannstadt, möchte nicht in die Glaskugel schauen müssen. Einige Jahre werde es aber schon noch dauern, sagt sie. Gerade weil das Mega-Projekt Stück für Stück angehen, alle Menschen in der Region mitnehmen wolle. Zumal, und das sei allen bewusst, ist die Vorstellung, dass auf der Langen Meile einmal bis zu 250 Meter hohe Windräder stehen, nach wie vor umstritten. Auch und gerade nach dem einstimmigen Votum des Planungsverbands.

Christiane Meyer, Bürgermeisterin EbermannstadtForchheim & Fränkische Schweiz
Christiane Meyer, Bürgermeisterin Ebermannstadt // Tom, Schneider

Kritik von Bürgerinitiative und Verein für Naturpark-Schutz

So zum Beispiel die Bürgerinitiative Pro Naturpark Fränkische Schweiz, die vor und während der Sitzung mit Plakaten auf ihren Unmut aufmerksam machten. Über ihren Sprecher Christian Amende kritisieren die Anlieger, dass ihre Einwände kein Gehör fanden, dass man sie „leichtfertig auf die nächsten Verfahrensschritte" verschiebe.  Erfreut zeigt sich Amende, dass die Gebiete wegen Restriktionen des Luftamtes Nordbayern nur dezimiert ausgewiesen worden seien. Und genau in dieser übrig gebliebenen Fläche engagiere sich ein großer Teil der Eigentümer in der Bürgerinitiative, schiebt er nach. Eine Drohung, weiterhin zu blockieren? Spekulation. Immerhin schiebt er hinterher: „Inwieweit der interkommunale Antrag realisierbar ist, bleibt abzuwarten."

Mitglieder der Bürgerinitiative  machten ihrem Unmut Luft.
Mitglieder der Bürgerinitiative machten ihrem Unmut Luft. // privat/BI

Ebenfalls der Verein für den Schutz des Naturpark Fränkische Schweiz mit seinem Vorsitzenden Helmut Pfefferle meldet wiederholt Bedenken an. „Fast 80 Prozent des Strombedarfs liegt in der stromintensiven Industrie in den Städten, ob in Deutschland oder im Landkreis Forchheim, gebaut werden sollen über 250 Meter hohe Maschinen aber auf der Langen Meile, weit weg von jeglichen Bedarf. Dass dabei Gesetze, die den Naturparke schützen, umgangen, gedehnt oder ignoriert werden, werden die Betroffenen nicht vergessen", schreibt er.

Und doch scheint die Zahl der Befürworter zu überwiegen. „Unser gemeinsames Vorhaben ist bedeutend für die Energieversorgung der Zukunft", sagt Eggolsheims Bürgermeister Schwarzmann. Und erteilt den vehementen Kritikern eine Absage: „Wer bezweifelt, dass das Verfahren ordnungsgemäß abgelaufen ist, bewegt sich im Reich der Verschwörungsmythen."

Planungsverband Oberfranken West:  „Verpflichtung nachkommen"

Im Bereich der beiden Gemeinden Eggolsheim und Ebermannstadt gehe es um die zwei Gebiete Lange Meile Nord und Süd bei Tiefenstürmig. Auf den Flächen könnten bis zu zehn Anlagen mit einer Höhe von bis zu 250 Metern und einem Rotordurchmesser von bis zu 164 Metern entstehen. Wie viele Anlagen es letztendlich werden und wo der genaue Standort sein wird, sei indes nach wie vor unklar. 

Der Anteil der Vorranggebiete an der Fläche des Regionalen Planungsverbandes wächst mit diesen neuen Gebieten von 0,6 im Jahr 2022 auf nun gut 1,0 Prozent der gesamten Fläche. Der Bund hat im „Wind-an-Land-Gesetz“ für den Freistaat Bayern verpflichtende Flächenziele für mögliche Windenergieanlagen festgelegt: 1,1 Prozent bis Ende 2027 und 1,8 Prozent bis Ende 2032. „Wir kommen unserer Verpflichtung konsequent nach“, sagt der Vorsitzende des Regionalen Planungsverbandes Oberfranken-West, Bambergs Landrat Johann Kalb. „Alle Regionen Bayerns stehen gleich in der Pflicht.“ 

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