Auf der Langen Meile bei Tiefenstürmig könnten bereits im Jahr 2026 zehn Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils sechs bis sieben Megawatt stehen. Die Marktgemeinde Eggolsheim und die möglichen Projektpartner setzen dafür auf eine maximale Bürgerbeteiligung, interessierte Investoren sowie günstige und stabile Strompreise für Bezieher in der Region.
„Wir werden ein vernünftiges Energiekonzept anbieten – versprochen“, resümierte der Geschäftsführer von Natur Energy Thomas Banning die Vorstellung ihres Konzeptes vor dem Marktgemeinderat Eggolsheim. In der Vorauswahl von vier möglichen Projektpartnern bekam die Arbeitsgemeinschaft Natur Strom Projekte GmbH aus dem Zusammenschluss von Natur Energy und Dornauer Windkraft UG die Gelegenheit, ihre Vision dem Gremium vorzustellen.
Als möglicher Projektpartner blickte die Arbeitsgemeinschaft mit Sitz in Eggolsheim-Neuses auf 20 Jahre bundesweite Erfahrung und viele erfolgreich umgesetzte Projekte im fränkischen Raum zurück. „Wir bringen Wertschöpfung in die Regionen“, zeigte Markus Dornauer an einem Beispiel in Betzenstein auf.
250 Meter hohe Anlagen
Im Bereich der beiden Gemeinden Eggolsheim und Ebermannstadt gehe es um die zwei Gebiete „Lange Meile Nord und Süd“ bei Tiefenstürmig. Auf den Flächen könnten bis zu zehn Anlagen mit einer Höhe von bis zu 250 Metern und einem Rotordurchmesser von bis zu 164 Metern entstehen. Wie viele Anlagen es letztendlich werden und wo der genaue Standort sein wird, sei abhängig von verschiedenen noch ausstehenden Gutachten.
Dornauer versprach den „größtmöglichen Abstand“ von Bebauung zu berücksichtigen und die Standorte „landwirtschaftsverträglich“ zu wählen. „Es wird eine Veränderung in der Ansicht der Landschaft geben“, stimmte der Planer eingehenden Bedenken zu. Aber es werde die neuste Technik verwendet, um einen maximalen Ertrag zu erzielen.
Inbetriebnahme 2026 möglich
„Wenn wir starten, dann wollen wir es sofort beginnen“, erklärte Projektentwickler Alexander Roll den Projektverlauf. Sofern der Marktgemeinderat zustimmt, könnte noch im vierten Quartal diesen Jahres mit der Grobplanung und Flächensicherung begonnen werden. Im Jahr 2024 plant Roll mit dem Beginn der aufwendigen Genehmigungsplanung und der Erstellung der Fachgutachten.
Mitte 2025 könnte die Detailplanung und die Bauausschreibung beginnen. Ende 2026 würde nach seinem Zeitplan die Inbetriebnahme der Anlagen erfolgen. Für den Anschluss an das Stromnetz werde allerdings auch noch der Bau eines Umspannwerkes notwendig sein.
Vorteile für Eggolsheim
Thomas Banning versicherte dem Marktgemeinderat, dass Wertschöpfung und Gewinn vor Ort bleiben würden. Er prognostizierte Gewerbesteuereinnahmen und bei einer Förderung laut EEG von 0,2 Cent zusätzliche Einnahmen von 200.000 Euro pro Jahr für die Gemeindekasse. Zusätzlich sei eine Beteiligung der Kommune an der Betreibergesellschaft vorgesehen, die nochmals Einnahmen generieren würden.
Die Beteiligung gelte aber auch für alle Bürger, die als Privatpersonen Kommanditanteile an der Betreibergesellschaft ab beispielsweise 10.000 Euro erwerben könnten. Ein weiteres Modell für Kleinanleger wäre ein Nachrangdarlehen ab 500 Euro über Crowdinvesting.
„Wir empfehlen eine Kombination“, ähnlich wie bei anderen Windparks, schlug Banning vor. Die Bürger im Gemeindebereich könnten zudem einen günstigen regionalen Stromtarif beziehen, der nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt sei.
Intensive Auswahl des Partners
Bürgermeister Claus Schwarzmann sicherte den Räten zu, dass die Verwaltung im Vorfeld eine intensive Betrachtung aller vier möglichen Projektentwickler durchgeführt habe. Bei der noch aufzubauenden Betreibergesellschaft würden 80 Prozent in der Gemeinde verbleiben. Ungefähr 40 Prozent könnten direkt von der Marktgemeinde gehalten werden, 35 Prozent bei der Bürgerschaft und 5 Prozent bei den Grundstückseigentümern.
Als Anfangsinvestition müsste die Marktgemeinde 25 Prozent Eigenkapital aufbringen, erklärte Schwarzmann. „Wer trägt das unternehmerische Risiko?“, wollte Martin Albert (JB) daraufhin wissen. „Die Kosten werden nicht unerheblich sein“, bestätigte der Bürgermeister. Er rechne mit etwa 500.000 Euro für die Gemeinde, die später allerdings als Investition gelten würden.
2000 Einwendungen
„Es sind 2000 Einwendungen eingegangen“, informierte Claus Schwarzmann. Diese Widersprüche würden alle noch vorher „sauber“ abgearbeitet werden. Unter den Einwendungen lägen aber auch ein Widerspruch der Denkmalpflege aus München wegen der Nähe zum Walberla vor. Des Weiteren fehle noch die Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde.
„Es wird kein Geld ausgegeben, bevor nicht klar ist, dass wir starten können“, versicherte Schwarzmann. Die Entscheidung, wie der Marktgemeinderat weiter verfahren wird, wurde im nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung besprochen.
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