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Ortsnamen
Das sagenhafte Rothenbühl
Die Wegkapelle aus dem 18. Jahrhundert in RothenbühlForchheim & Fränkische Schweiz
Die Wegkapelle aus dem 18. Jahrhundert in Rothenbühl // Manfred Franze
Die Rothenbühler Wegkapelle beherbergt ein Dreifaltigkeits-Altarbild mit der Krönung Marias.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Rothenbühler Wegkapelle beherbergt ein Dreifaltigkeits-Altarbild mit der Krönung Marias. // Manfred Franze
Das Ortsschild des WeilersForchheim & Fränkische Schweiz
Das Ortsschild des Weilers // Manfred Franze
Signet des Fränkischen Tags von Manfred Franze
Rothenbühl – Den Namen Rothenbühl gibt es in Deutschland außer in Ebermannstadt noch mehrmals, ebenso das Traummotiv mit der Sage vom „goldenen Fuchs“. Das Rothenbühl in der Fränkischen Schweiz ist damit eng verbunden.

„Weniger bekannt“ dürfte sein, schreibt Karl Brückner 1921 in seinem „Sagenborn der Fränkischen Schweiz“, dass „unser Rothenbühl ein historisch merkwürdiger Ort mit bewegter Vergangenheit ist“. Der kleine Weiler, der kaum mehr als 20 Personen und nur wenige kleine Anwesen, wohl aber ein „Schloss“ hatte, gehörte schon immer zu Ebermannstadt. Seinen Namen aber hatte er von dem Rittergut, das einst auf dem Hang oberhalb der heutigen Häuser stand.

Das Grundwort „-bühl“ geht auf das mittelhochdeutsche „bühel“ zurück, was so viel wie Hügel bedeutet. Und „Roth“ weist natürlich auf die Farbe Rot hin und bezieht sich auf die Färbung vom verwitterten Gestein. Der Ortsname des Weilers leitet sich also von dem auf dem Hügel erbauten Rittergut ab und bedeutet so viel wie „Siedlung am roten Hang“.

Das verschwundene Schloss

Aber, so der Burgenforscher Kunstmann: „Das Schloss Rothenbühl hatte keine glückliche Geschichte. Es ist nicht bekannt, wann es von wem errichtet wurde. Wir wissen nur, dass im 12. Jahrhundert in der Fränkischen Schweiz ein intensiver Burgenbau einsetzte und in der abgelegenen Region bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts sage und schreibe 170 Burgen und Schlösser gebaut wurden.“ Das lag daran, dass in diesem Gebiet 70 Adelsgeschlechter ansässig waren, die sich standesgemäße Wohnsitze leisten konnten.

„Die mittelalterlichen Burgen“, meint Gustav Voit in einem Aufsatz über das „Land der Burgen“, „dienten nur zum Schutz gegen streifende feindliche Horden. Einem stärkeren Gegner, der Zeit zur Belagerung hatte, konnten sie nicht widerstehen.“

In Urkunde von 1348 erwähnt

Der kleine Ansitz Rothenbühl taucht zum ersten Mal schriftlich in einer Urkunde von 1348 aus. Darin setzte der Bamberger Fürstbischof einen Dienstmann (Ministerialen) zur Verwaltung und Bewachung seiner Burg ein. 1430 wurde die Burg von den Hussiten zerstört, von den Aufseßern aber wieder aufgebaut, verfiel dann aber im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte.

1992 listete sie Gustav Voit in seiner Burgentabelle neben 22 anderen als „aufgelassen“ und mit „ungesicherten Standort“ auf. Viele wissen gar nicht mehr, dass hier einmal ein „Schloss“ stand. Dabei war der ehemalige Adelssitz durchaus von Bedeutung. Er lag an der wichtigsten Verkehrsverbindung in die Fränkische Schweiz, der sogenannten Geleitstraße, die die Markgrafschaft Ansbach mit der in Bayreuth verband. Ihre Sicherung oblag den drei Territorialherrschaften, durch deren Gebiet die Straße führte: den hohenzollerischen Markgrafen, dem Fürstbischof von Bamberg und der Reichsstadt Nürnberg.

Das war aber keine Straße im heutigen Sinn, sondern eine unbefestigte, dem Gelände angepasste Trasse, auf der es auch kaum Brücken gab. Flüsse überquerte man an ihren flachsten Stellen durch eine Furt. So eine führte nach Verlassen der Geleitstraße bei Rothenbühl durch die Wiesent nach Gasseldorf und von da weiter Richtung Heiligenstadt und Hollfeld.

Weniger Gulden als Kinder

„Dieser Weiler ist merkwürdig“, schreibt Joseph Heller in seinem erstmals 1929 erschienen Handbuch für Wanderer, die in „Muggendorf und seinen Umgebungen“ unterwegs sind, „weil hier die Sage vom Goldenen Fuchs entstanden ist.“ Nach der ältesten Fassung dieser Sage soll hier „in einer kleinen einsamen Hütte“ neben einem völlig ruinierten „Gotteshaus“ ein „Bäuerlein“ gehaust haben, „der viel weniger Gulden in seiner Truhe als gesunde Kinder mit dem gesundesten Appetit hatte“. Diesem „Bäuerlein“ träumte drei Mal hintereinander von „einem silberhaarigen Greis“, der ihm den Rat gab, „er möge nach Regensburg wandern“: Dort werde auf der Steinernen Brücke „das Glück und der Reichthum seiner warten und er dürfe nur zugreifen, um ihrer habhaft zu werden“.

Der Traum und Regensburg

Erst nahmen er und seine Frau den Traum nicht ernst. Doch dann, als ihm in der dritten Nacht der Greis den Tag weissagte, an dem das passieren werde, machte er sich auf den Weg, kam nach mehreren Tagen in Regensburg an und wartete pünktlich auf der Brücke. Stundenlang saß er hier, hoffte und hoffte.

Als der Dom zum Abendgebet läutete, blieb ein Bürger stehen und fragte ihn, auf was er denn hier warte. Als ihm darauf der Bauer seinen Traum erzählte, lachte ihn der Bürger aus und sagte ihm, Träume seien Schäume. Ihm selbst habe erst letzte Nacht von einem Ort Rothenbühl geträumt, an dem in einer verfallenen Kapelle ein goldener Fuchs vergraben sei. „Aber ich weiß ja gar nicht, wo dieser Ort liegen soll.“ Der Bauer verschwieg ihm natürlich, was er wusste, und machte sich auf den Heimweg.

Mit Schaufel und Hacke

Ohne viel zu erzählen, griff er sich zu Hause Schaufel und Hacke und grub an der ihm genannten Stelle den Boden auf. „Und nicht lange, so glänzte ihm etwas Goldenes entgegen und das war wirklich ein schwer in Gold gearbeiteter Fuchs.“ Ehrlich, wie er war, lieferte er einen Teil seines Fundes bei seinem Landesherrn ab. Der Rest reichte aus, um sich ein „neues stattliches Wohnhaus“ zu bauen, umliegende „Felder und Wiesen“ zu kaufen und fortan „in Ruhe und Frieden“ zu leben.

Das Motiv der Sage ist nicht neu: Dass Träume wahr werden können, wenn man nur fest darauf vertraut, gottesfürchtig und ehrlich ist, taucht als Motiv wiederholt auf. Neu ist, dass das auf einer Brücke passiert und ein Fremder unwissend verrät, wo der Traum zu Hause in Erfüllung geht.

Sage aus dem 17. Jahrhundert

Angeblich ist die Sage erstmals im 17. Jahrhundert in Österreich aufgetaucht, mit einer Brücke über die Drau in Villach. Ein Jahrhundert später spielt sie sich auf der Weser-Brücke in Bremen ab. In dieser Version nahm sie 1817 der viel schreibende Schriftsteller August von Kotzebue auf und machte daraus ein Schauspiel in vier Akten mit dem Titel „Der Rothmantel“.

Zwölf Jahre später schreibt der Bamberger Privatgelehrte und Heimatforscher Joseph Heller 1829 in seinem Wanderführer für Muggendorf und die Fränkische Schweiz, dass die Sage in Rothenbühl entstanden sei. Er weiß sogar, dass einer der „Vorfahren der dort lebenden Familie Wunder“ es war, der nach Regensburg auf die Steinerne Brücke gewandert sei und dann den Schatz in der Rothenbühler Kapellenruine gehoben habe.

In dieser Form wurde sie 1858 in das „Sagenbuch der Bayerischen Lande“ aufgenommen – aber ohne den von Heller genannten Namen. Auch Karl Brückner nannte 1921 in seinem „Sagenborn der Fränkischen Schweiz“ keinen Namen. Erst Heinz Büttner gab dem Fuchs-Finder in seinen Sammlungen von 1965 und 1988 wieder einen Namen: Melchior Glück, vielleicht weil der Namen Omen sein soll.

Die Wegkapelle am Ortseingang

In allen Rothenbühl-Sagen wird der goldene Fuchs in der Ruine einer „alten Ortskapelle“ ausgehoben. Ob das da war, wo heute rechts am Ortseingang auf privatem Grund eine Wegkapelle steht? Sie gehört gemäß dem langjährigen Ebermannstadter Kreisheimatpfleger Otto Voit zu dem dahinterliegenden Anwesen und wurde „Mitte des 18. Jahrhunderts“ errichtet.

Das ist die Zeit, in der ein verheerender Brand die neu gebaute Gößweinsteiner „Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit“ beschädigte (1746) und in Streitberg die evangelische Dreieinigkeitskirche (1753-57) errichtet wurde. Auch die Rothenbühler Kapelle ist der Dreifaltigkeit gewidmet.

Beliebtes Ziel für Wallfahrten

Wie das Gnadenbild in Gößweinstein zeigt der Altar Gottvater und Jesus, die Maria krönen, sowie darüber schwebend den Heiligen Geist eingerahmt von zwei Engelköpfen. Auf dem Sockel steht: „Ehr sei dem Vatter und dem Sohn und dem H. Geist.“ Ob die Kapelle errichtet wurde, als die alte Kirche in Niederfellendorf abgerissen und in Streitberg eine neue evangelische gebaut wurde? Oder weil sie wie die „Weiße Marter“ bei Köttweinsdorf an einem alten Wallfahrtsweg nach Gößweinstein liegt?

Sie zeigt ebenso wie das Altarbild die gleiche Dreifaltigkeitsszene mit Maria und wurde 1778 aus Dankbarkeit für eine Heilung nach einem Bittgang zur Gößweinsteiner Basilika errichtet.

Mitte des 18. Jahrhunderts, als der Strom der Wallfahrten nach Gößweinstein seinen Höhepunkt erreichte, ist auch die Wegkapelle in Rothenbühl entstanden – mit einem Altarbild, das wie in Gößweinstein die Krönung Marias durch die Heilige Dreifaltigkeit zeigt.

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