Wer seine Wut besonders unflätig ausdrückt, der flucht dem Volksmund nach wie ein Bierkutscher – oder ein Fuhrmann. Diese Redewendung ist in ganz Deutschland bekannt. Einer Sage aus der Fränkischen Schweiz erklärt jedoch, warum Fuhrleute mitunter zu Recht eine derart derbe Ausdrucksweise haben.
Wie die Sage berichtet, kam in der Region einst eine ganz besondere Art an Gespenstern vor. Diese sogenannten „Feuermänner“ hatten die unangenehme Angewohnheit, Wanderern, die spätabends unterwegs waren, auf den Rücken zu springen und so den Weg zu erschweren.
Geister raubten auch Pferden die Kraft
Ganz besonders sollen diese Plagegeister es jedoch auf Fuhrleute abgesehen haben, die bis spätabends unterwegs waren. Statt auf den Rücken des Fahrers selbst sprangen die Unholde hier auf den Rücken der Pferde und raubten ihnen so die Kraft. Im Kampf gegen diese bösen Geister habe es nur ein Mittel gegeben: lautstarkes Fluchen. Folglich hätten sich die fränkischen Fuhrleute dieses Heilmittel mit der Zeit angewöhnt.
„Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, kann ich mich sehr gut daran erinnern, wie üblich das Fluchen unter den Bierfahrern war“, berichtet Georg Meister, Inhaber der Brauerei Meisterbräu in Unterzaunsbach. Grund hierfür sei in Wirklichkeit aber vermutlich die harte Arbeit gewesen, der die Männer nachgegangen seien.
Freibier für Lieferanten
„Außerdem war es, noch als ich meine Ausbildung gemacht habe, durchaus üblich, dass Fuhrleute bei jeder Gastwirtschaft, die sie beliefert haben, ein Bier ausgegeben bekamen“, erzählt der Braumeister. Folglich seien gerade zum Abend, wenn der Rücken besonders schmerzte, manch einer bereits ganz gut beieinander gewesen. Dies habe dann zur Enthemmung und manch einem derben Spruch geführt.
Kreisheimatpfleger Edmund Dippacher hat eine etwas andere Erklärung. „Früher funktionierte Erziehung oft über Angst“, erläutert er. So etwa galt unerwünschtes Verhalten wie Fluchen als Sünde und wurde in Familien streng sanktioniert.
Fluchen als Tabu
„Auch Märchen und Sagen hatten oft einen warnenden Hintergrund“, berichtet Dippacher. Dies gelte vermutlich auch für die Feuermänner, ähnlich zu Irrlichtern, die jenen übel mitspielten, die sich nachts im Freien aufhielten. Gleichsam sei es jedoch gerade unter der hart arbeitenden Bevölkerung auf dem Lande mitunter nicht unüblich gewesen, dass ab und an doch ein „Herrgott Sakrament“ oder „Kreiz Dunnerkeil“ entfleuchte. Um dies grad, wenn es spät wurde und die Nerven blank lagen, zu rechtfertigen, boten sich die Feuermänner als Erklärung vermutlich geradezu an.
Dass die Redewendung heute deutschlandweit verbreitet sei, hänge seiner Ansicht mach möglicherweise damit zusammen, dass die Fränkische Schweiz ein klassisches Durchzugsgebiet für Fuhrleute gewesen sei. Diese hätten den Aberglauben an die Feuermänner möglicherweise aufgeschnappt und in andere Teile Deutschlands gebracht. So sei dann in der Bevölkerung die Redewendung entstanden.
Unterhaltsame Legende
„Ich kann mir schon vorstellen, dass manche früher wirklich daran geglaubt haben, dass es so etwas wie Feuermänner gibt“, erklärt Georg Meister. Heute seien die Menschen jedoch aufgeklärter – und wüssten, dass es so etwas wie böse Geister nicht gebe. „Lustig ist diese Erklärung für das Sprichwort dennoch“, findet er.
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