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Waldumbau in Forchheim
Förster machen Stadtwald klimatauglich
Rot markierte Bäume im Kellerwald müssen gefällt werden.
Rot markierte Bäume im Kellerwald müssen gefällt werden. // Andreas Wolfger
Forchheim – Ein robuster Mischwald soll der Forchheimer Stadtwald werden. Damit das gelingt, hilft das Forstamt nach. Wie, das erklären Amtsleiter Leonard Hümmer und sein Mitarbeiter vor Ort.

Obwohl Erich Daum erst seit kurzem zur Stadtförsterei Forchheim gehört, kennt er sich im Stadtwald der Königsstadt bereits gut aus. Und auch die Probleme des Waldes sind ihm gut bekannt. Grund hierfür ist, dass er in der Region kein Fremder ist. Knapp 32 Jahre leitete er des Forstreviers Oesdorf der Staatsforste bei Heroldsbach. Statt seinen wohlverdienten Ruhestand zu genießen, will er nun jedoch dem Team um Amtsleiter Leonard Hümmer helfen, den Forchheimer Stadtwald zukunftssicher zu machen.

570 Hektar Stadtwald

„Wir müssen dahin kommen, dass der Stadtwald so stabilisiert wird, dass er sich gesund entwickeln kann“, erklärte Daum im Rahmen einer Exkursion durch den Stadtwald am vergangenen Freitag. Zusammen mit Amtsleiter Hümmer präsentierte er anschaulich, welche Herausforderungen dem Wald derzeit bevorstehen. Gleichsam zeigten die beiden aber auch Chancen für die Zukunft auf.

Rund 570 Hektar ist Forchheims Stadtwald groß. Etwa 40 Prozent der Bäume sind laut Schätzung der Stadtförsterei Kiefern – eine der Leibspeisen von Borkenkäfern. Nadelbäume sind jedoch nicht die einzigen, bei denen es aktuell kriselt. Auch die Traubeneichen im Osten des Kellerwalds haben gleich in mehrfacher Hinsicht Probleme, wie Daum berichtete. In diesem Bereich sei lange kaum etwas gemacht worden. Nun hätten er und Hümmer aber durch den Wald geben und Bäume zur Fällung markieren müssen. Welcher Baum weichen müsse, erkenne man an einem roten Ring am Stamm.

Eichen durch Käfer bedroht

„Auch bei der Eiche gibt es Käferarten, die den Bäumen schaden“, erklärte Daum. So sei bereits der Zweipunktige Eichenprachtkäfer entdeckt worden, der sich bis zu fünf Zentimeter in das Holz bohrt. Schlimmer sei aber der Eichenkernkäfer, der auch bereits nachgewiesen sei und sich bis in die Mitte des Stamms vorarbeite. „Ist ein Baum von diesem Käfer befallen, stirbt er nicht gleich, aber kein Sägewerk will ihn mehr kaufen“, erläutert Daum. Bislang gebe es nämlich kein Verfahren, um sich des Käfers zu entledigen, der auch im verarbeiteten Holz fleißig seiner Arbeit nachgehe. Das Problem sei zwar noch lange nicht si schlimm wie bei Kiefern und Fichten - man müsse es aber im Auge behalten.

Die Löcher des Eichenkernkäfers sind nur klitzeklein, aber wirtschaftlich für Waldbesitzer eine Katastrophe.
Die Löcher des Eichenkernkäfers sind nur klitzeklein, aber wirtschaftlich für Waldbesitzer eine Katastrophe. // Andreas Wolfger

Ein Problem sei zudem der Verbiss junger Bäume durch Rehe. „Obwohl es im Kellerwald mehr als genug große Eichen gibt, kommen kaum junge Bäume durch“, berichtete der Experte. Finde man einen jungen Sprößling, könne man sich nahezu sicher sein, dass dieser bereits Opfer der gefräßigen Tiere geworden sei, wie er vor Ort gleich demonstriert.

Verbiss durch Rehe

„Damit junge Bäume nachkommen können, muss die Bejagung angepasst werden“, betonte Daum, der neben der Rolle als Betriebsleiter künftig auch die Rolle des Jagdleiters im Stadtwald übernehmen wird. Sprich, die Abschusszahlen müssten deutlich erhöht werden. Dies sei auch wichtig für die Bemühungen, den Stadtwald rasch zu einem klimastabilen Mischwald umzubauen.

Jagdleiter Ernst Daum zeigt an einem jungen Baum, wie Verbiss aussieht.
Jagdleiter Ernst Daum zeigt an einem jungen Baum, wie Verbiss aussieht. // Andreas Wolfger

Bei diesem Umbau lassen sich die Mitarbeiter der Stadtförsterei auch gerne von Mutter Natur unter die Arme greifen. „Man muss immer sehen, was schon steht, was kommt, und was die Natur einem schenkt“, erklärte Leonard Hümmer auf der anderen Seite der Stadt im Forchheimer Sommerrangen unweit des Stadtteils Burk. So würden manche Baumarten von Tieren wie Füchsen oder Eichelhähern verbreitet, andere wie etwa Buchen oder Ahorn kämen mit dem Wind.

Elsbeere als Hoffnungsträger

Ergänzt würden diese Mischung durch Arten, die bewusst gepflanzt würden, weil man sich erhoffe, dass sie gut mit dem Klimawandel klarkämen. Etwa der sogenannten Elsbeere, eine Art, die bislang eher als Nischenbaum gegolten habe, aber schon seit langem in der Fränkischen Schweiz heimisch sei. Zwar wachse sie sehr langsam, liefere dafür aber sehr hartes und hochwertiges Holz. „500 bis 1000 Euro kostet der Festmeter derzeit“, erklärte der Forstamtsleiter. Bei Buchenholz seien es im Vergleich lediglich rund 75 Euro. Bis es zur Ernte kommen könne, liefere die Elsbeere aber Früchte, die man beispielsweise zu Marmelade verarbeiten könne.

Auf dieser einstigen Schadfläche wachsen jetzt Elsbeeren.
Auf dieser einstigen Schadfläche wachsen jetzt Elsbeeren. // Andreas Wolfger

 Rund 70 dieser Bäume hat die Stadtförsterei auf einem etwa zwei Hektar großen Schadgebiet im vergangenen Jahr angepflanzt. „Bis die forstwirtschaftlich relevant werden, dauert es etwa 120 Jahre“, betonte Hümmer. Es handle sich bei ihnen also wortwörtlich um eine Investition in die Zukunft des Stadtwaldes.

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