Die Eiche ist zwar nicht der älteste einheimische Baum, aber der mit der höchsten Lebenserwartung. Sie ist auch keine Baumart, die von Natur aus flächenmäßig vorkommen würde. Sie ist spezialisiert. „Die Eiche ist ein Hotspot für Artenvielfalt und einer der vogelreichsten Bäume“, sagt Henry Preuß, Forstrevierleiter in Egloffstein.
Rund 1000 Käferarten, 179 Großschmetterlinge und Vogelarten wie der Halsbandschnepper und der Eichelhäher, der ebenso wie das Eichhörnchen für die Verbreitung der Eiche verantwortlich ist, finden in und an dem Baum ihre Lebensgrundlagen – vom Baumstamm unten angefangen bis hinauf zur lichten Krone. An und in der Eiche leben viele Insekten, teils auch Schädlinge und holzbewohnende Käferarten, ebenso der seltene Hirschkäfer.
„Die Rinde der Eiche ist rau und durchzogen mit Furchen, eine riesige Oberfläche. Das spielt den Insekten und Vögeln in die Karten. Sie haben überall Möglichkeiten, sich einzunisten“, sagt Preuß. Wichtig sei deshalb, alte Eichenbestände zu erhalten, um die Lebensgrundlagen der Arten zu sichern.
Eicheln fürs Wildschwein
Heiß begehrt sind die Eicheln vor allem beim Wildschwein. Aber nicht jedes Jahr sind viele Eicheln zu finden, und die mageren Jahre erklären auch, warum die Eiche von Natur aus nur seltener im Wald zu finden wäre. Denn nur in manchen Jahren produziert die Eiche einen Überschuss und wirft die Eicheln ab. Eine Regelmäßigkeit gibt es nicht. Die Eiche wartet gleichsam ab, horcht in sich hinein und überdenkt die vergangenen Jahre. Wann gab es ein feuchtes Frühjahr? Nur wenn sie ein gutes Jahr erwartet, produziert sie und wirft die Eicheln ab.
„Für die Eiche ist das eine Entscheidung über Leben und Tod, ob sie ihre Energie für das Überleben braucht oder ob sie sich fortpflanzen möchte“, erklärt Preuß. Wenn die Fortpflanzung mit Ja beantwortet wird, liegen überall Eicheln am Boden. Das freut nicht nur die Sauen und andere Tiere, die sich davon ernähren, auch Kinder können aus den Früchten mit harten Schalen lustige Eichelmännchen basteln.
Traubeneiche und Stieleiche
Doch wenn von der Eiche die Rede ist, meint das die Gattung. Die wiederum hat zwei Arten: die Traubeneiche und die Stieleiche. „Am Blatt lassen sich die beiden Arten gut unterscheiden“, erläutert Forstrevierleiter Preuß. Anders als der Name vermuten lässt, hat das Blatt der Stieleiche keinen oder nur einen kurzen Stiel. Die Eicheln hängen an einem langen Stiel, deshalb der Name.
Die Blätter der Traubeneiche haben längere Stiele, aber die Eichel hängt nicht dort dran, sondern direkt an den kleinen Ästchen. Viel Hoffnung macht gerade die Traubeneiche den Förstern hinsichtlich des Klimawandels.
Ein langer Prozess
Im Vergleich zur Eiche wird die Buche, genannt „Mutter des Waldes“, ins Hintertreffen gelangen. „Es ist ein langer Prozess, aber es ist der Eiche zuzutrauen, die Konkurrenz zu gewinnen“, sagt Preuß.
Die Traubeneiche komme gut mit hohen Temperaturen zurecht und sei die Eiche, die eher in der Region anzutreffen sei. 25 bis 30 Meter hoch sind die Eichen in der Fränkischen Schweiz. Sie können etwa tausend Jahre alt werden, wenn sie nicht vorher gefällt werden.
Qualitativ hochwertiges Holz
Denn die Eiche hat auch einen Wirtschaftsaspekt, ist ein qualitativ hochwertiges und starkes Holz. Für Parkettböden wird sie verwendet, um Hopfenstangen zu fertigen, für Treppen, Möbel, als Verkleidung in hochwertigen Autos oder um edle Furniere zu fertigen. Doch anders als Bäume, die – gerade gepflanzt – beim Wachsen geradezu einen Sprint hinlegen, hat die Eiche einen langen Atem. „Sie ist eher Dauerläufer und leistet über ihr Leben konstant viel“, sagt Preuß.
Der Produktionszeitraum der Eiche beträgt 250 Jahre. Erst dann sei sie „wirtschaftlich“, heißt, könne verarbeitet werden.
Der Eichenprozessionsspinner
Doch auch durch die Natur kann der Eiche zugesetzt werden. Wer Eiche hört, denkt etwa an den Eichenprozessionsspinner. Diese Raupe allein ist eher für den Menschen gefährlich, da sie starke allergische Beschwerden und Atemnot auslösen kann, sollten die feinen Härchen eingeatmet werden. Für die Eiche wird es nur ein Problem, wenn sie von allen ihren Feinden befallen wird.
Tiere fressen an dem Baum
Diese Tiere fressen an der Eiche der Reihenfolge nach von oben nach unten: der grüne Eichenwickler, der Frostspinner, der Schwammspinner und der Prozessionsspinner. „Dann frisst immer ein Tier an der Eiche und sie kann keine Energie mehr sammeln“, sagt Preuß.
Die Traubeneiche, vor der Förster Preuß steht, ist jedenfalls gesund. Es ist eine Huteiche, die einfach schön ist. Es ist keine weitere Gattung. „Die Bezeichnung Huteiche zielt auf die Art der Behandlung ab. Hutungen waren damals Wälder, in denen Schweine gemästet wurden. Heute sind diese Flächen Naturschutzhotspots in der Region“, berichtet Preuß.













