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Zukunft gestalten
Wald bei Ebermannstadt trotzt dem Klimawandel
Sibylle Appoldt und Christian König begutachten gemeinsam den neu angepflanzten Speierling im Zukunftswald.
Sibylle Appoldt und Christian König begutachten gemeinsam den neu angepflanzten Speierling im Zukunftswald. // Carmen Schwind
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
Ebermannstadt – Die heimischen Fichten halten den Veränderungen durch die Klimakrise nicht stand. Ein Projekt bei Burg Feuerstein zeigt, welche Bäume künftig in der Region gedeihen könnten.

„Hier haben wir die Zukunft schon vor Augen“, sagt die Diplom-Ökologin und Waldpädagogin Sibylle Appoldt von „Raus in den Wald“ und zeigt auf den Zukunftswald neben der Burg Feuerstein. „Und dieser Wald wurde bereits vor 110 Jahren angelegt“, fügt Diplom-Forstwirt und Meteorologe Christian König von der Agentur „Wetter-Klima-Umwelt“ hinzu.

Appoldt erzählt, dass Pfarrer Georg Fröhlich damals bei einem Urlaub an der Adria Schwarzkiefern entdeckt hatte und der Ansicht war, dass diese auch auf dem kargen Boden bei Ebermannstadt gedeihen könnten. „Wäre er damals nicht so mutig und kreativ gewesen, gäbe es den Zukunftswald hier nicht“, fügt sie hinzu und berichtet weiter, dass hier über 40 Baumarten angepflanzt wurden.

Bäume aus anderen Ländern in der Fränkischen

„Mittlerweile schaut man ja in andere Länder, um herauszufinden, was bei uns hier angepflanzt werden könnte. Pfarrer Fröhlich und seine Mitstreiter haben schon damals einige Kuriositäten hierher mitgebracht“, stellt Appoldt fest und König fügt hinzu: „Naja, da nahm man halt, was es so gab.“ Sibylle Appoldt erklärt weiter, dass es im Zukunftswald ein breites Spektrum an Baumarten gebe. Zum Beispiel die Korsische Krüppelkiefer.

Gegen alle Widerstände habe Pfarrer Fröhlich damals den Zukunftswald angelegt. Die Grundstücke habe er sich schenken lassen, denn die Landwirte konnten mit dem kargen Boden wenig anfangen. „Die wollten die eigentlich loswerden. Dann wurde was auf dem Land gemacht und plötzlich war es wieder was wert und kostete Geld. Wie das im Leben so ist“, meint die Ökologin und lacht.

Hitze und Trockenheit schaden dem Wald

Dann zeigt sie Richtung Fichtenwald und sagt sehr ernst: „Diesen Wald wird es wegen des Klimawandels bald nicht mehr geben.“ Sybille Appoldt hat Unterlagen der bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft dabei und zeigt Prognosen einiger Baumarten. Beim Speierling heißt es zum Beispiel: „Die Prognose für den Speierling im Klimawandel ist positiv, er ist eine Baumart für die trocken-wärmsten Standorte, die nur wenige andere heimische Arten wie Elsbeere oder Feldahorn ertragen.“

Sibylle Appoldt und Christian König zeigen, wo am neuen Bereich des Zukunftswaldes der Waldklimapfad läuft.
Sibylle Appoldt und Christian König zeigen, wo am neuen Bereich des Zukunftswaldes der Waldklimapfad läuft. // Carmen Schwind

Sie erklärt, dass die Douglasie auch ganz gut in einigen Bereichen sei und dass es im Zukunftswald eine sehr gut angepasste „Feuerstein-Douglasie“ gebe. „Da sind die Samen mittlerweile sogar zertifiziert“, wirft Christian König ein und sagt weiter: „Die Buche allerdings hat durch den Klimawandel weiche Knie bekommen.“

Er vergleicht die Bäume mit Menschen: Auch ein Baum kann bei Stress wie Hitze und zu wenig Wasser seine Abwehrkraft verlieren. Bei den Fichten führe Wassermangel dazu, dass sie kein Harz bilden und dann den Borkenkäfer nicht mehr abwehren können.

„Lebewesen brauchen nun mal Wasser und die richtige Ernährung, um gesund zu bleiben. Daran sollten wir denken. Und dass wir alle ein Teil eines großen Ökosystems namens Erde sind“, zeigt König auf und erinnert daran, dass wir hier in Deutschland nachweisbar Auswirkungen von Problemen in fernen Ländern mitbekommen: „Man denke nur an die Rauchfahnen von den Bränden in Kanada, die wir bei richtigem Wind hier bemerken.“

Seminare über den Wald

Damit Menschen dieses Ökosystem selbst entdecken können, bieten Appoldt und König auch Seminare an. Zum Beispiel im Seminar „Wald und Du“ können sich Teilnehmer im Jugendhaus Burg Feuerstein zum Waldmediator ausbilden lassen. „Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger Vorschriften machen. Jeder soll Natur und Wald selbst erkennen und erleben“, sagt Christian König. Im Kurs geht es auch in den Zukunftswald und der Waldklimapfad wird besucht.

„Wir hatten eine Teilnehmerin, die total gegen Jäger war. Hier hat sie sich mit einem ausgetauscht und erkannt, dass wir verantwortungsvolle Jäger brauchen für einen gesunden Wald. Sie ist wohl noch gegen Jagd, respektiert aber Jäger. Und darum geht es doch: gegenseitigen Respekt“, stellt Appoldt fest.

Ausbildung: Waldmediator werden

Informationen und Anmeldung zur Ausbildung zum Waldmediator gibt es unter www.rausindenwald.de. 

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