In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung ist es erneut um den Schutz vor Starkregenereignissen im Markt Gößweinstein gegangen – insbesondere um die Frage der weiteren Vorgehensweise, nachdem Bernd Müller vom Sachverständigenbüro Schneeberg und Kraus während der Maisitzung seine Analyse zum Starkregenereignis vom 17. August vergangenen Jahres in der Petzoldstraße und an der Martinswand vorgestellt hatte.
Glauber eingeschaltet
Dabei kam es nun zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Georg Lang (CSU/JuF) und Daniela Drummer sowie Markus Neuner (beide FW/BMG). Und zwar während einer Sitzungspause, die Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW/BMG) während der hitzigen Debatte angeordnet hatte.
Inzwischen soll auch der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) von der Marktverwaltung eingeschaltet worden sein, der dazu Stellungnahmen vom Wasserwirtschaftsamt Kronach und des Landratsamtes Forchheim angefordert hat. Was dabei herausgekommen ist, wurde bislang nicht bekannt.
Experte: Überschwemmungen an der Martinswand nicht zu verhindern
Experte Müller kam damals (wir berichteten) zu dem Ergebnis, dass auch eine noch vollkommen intakte Doline „Ranickelsloch“ und die Nichtbebauung durch ein Mehrfamilienhaus am Dolinenrand die Überschwemmungen an der Martinswand bei dem Starkregenereignis nicht verhindert hätten.
Die Beschlussempfehlung der Verwaltung sah nun vor, dass bei einem 50- bis 100-jährigem Starkregenereignis, deren Sturzfluten durch den Klimawandel geschuldet sein dürften, für wirksame Maßnahmen dagegen mehrere Millionen Euro investiert werden müssten. Deshalb werde von der Durchführung solcher Maßnahmen Abstand genommen und den betroffenen Bürgern empfohlen, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen sowie eigene Schutzmaßnahmen durchzuführen.
Diesen Beschlussvorschlag hielt Lang für unzureichend, da damit vorgeschlagen würde, gar nichts zu machen. „Ich halte das für die Anwohner, die dort leben, für nicht gerechtfertigt“, betonte Lang. Denn bei künftigen Baugenehmigungen in diesem Bereich könne man besser darauf schauen und Kanaldimensionen könnten künftig ebenfalls ausgebaut werden.
Zu viel versiegelte Fläche
Dem hielt Zimmermann entgegen, dass Müller erläutert habe, dass die Gemeinde in Sachen Kanal alles Notwendige gemacht habe. Theoretisch könne man zwar mehr machen, dies würde aber mehrere Millionen Euro kosten. „Wenn einer einen Vorschlag hat, dann bitte konkret“, sagte der Bürgermeister. „Zumindest sollte man in Zukunft die Situation an der Martinswand im Auge behalten“, meinte Dritter Bürgermeister Manfred Hänchen (CSU/JuF).
Für Vizebürgermeister Georg Bauernschmidt (SPD) gibt es einfach zu viele versiegelte Flächen. Lang will, dass in Zukunft darauf geachtet wird, dass die Situation nicht noch verschärft wird. „Halb Etzdorf ist da auch abgesoffen und keiner hat sich beschwert, dass sein Keller abgesoffen ist. Das sind doch nur die Gößweinsteiner Stürer, weil dort ein Neubau hingekommen ist“, konterte Reinhold Huitzler (FW/BMG).
Streit in der Sitzungspause
Zimmermann unterbrach nun die Sitzung für zehn Minuten. In der Pause kam es zu einem Disput zwischen Drummer, Neuner und Lang. Neuner warf Lang zunächst vor, dass er bei dem Vortrag von Müller gar nicht dabei war. Dem entgegnete Lang, dass es doch gar nicht um den Vortrag gehe.
„Natürlich geht es um den Vortrag“, sagte Drummer, die betonte, dass dies kein faires Miteinander sei. „So geht es nicht und ich finde es immer richtig, dass man sachlich und fair miteinander umgeht“, sagte Drummer weiter, die sich in Richtung der Pressevertreter verbat, über diesen Disput während der Sitzungspause zu berichten.
Investition von mehreren Millionen nötig
„Darf ich vielleicht einen Zwischenruf starten“, mischte sich nun Zuhörerin Irene Donaubauer ein. „Nein, dürfen Sie nicht“, entgegnete ihr Zimmermann. „Andere hoch angesehene Gemeinderäte, die viel zu früh verstorben sind, hätten diesen Beschlussvorschlag auseinandergenommen“, sagte nun Lang.
Zimmermann entschuldigte sich, dass es doch etwas länger dauerte und präsentierte nun einen neuen Beschlussvorschlag. Da für wirksame Maßnahmen für größer als zwei- bis fünfjährige Starkregenereignisse wohl Investition von mehreren Millionen Euro getätigt werden müssten, wird von der Durchführung solcher Maßnahmen abgesehen. Hierzu müssten an allen betroffenen Straßen Bordsteine mit 15 Zentimeter Höhe angebracht werden.
Versicherung gegen Elementarschaden angeraten
Insgesamt hält Bernd Müller Maßnahmen nur für sinnvoll, wenn mehrere Millionen Euro investiert werden. Daher wird davon Abstand genommen. Den betroffenen Bürgern wird der Abschluss von Elementarschadenversicherungen sowie die Durchführung von eigenen Schutzmaßnahmen empfohlen.
Als einziger stimmte Lang gegen diesen Beschlussvorschlag.
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