0
Hochwasser-Risiko nimmt zu
Wie gut ist Forchheim vor weiteren Fluten gewappnet?
Junge Maispflanzen stehen auf einem vom Hochwasser überfluteten Feld.Forchheim & Fränkische Schweiz
Junge Maispflanzen stehen auf einem vom Hochwasser überfluteten Feld. // Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Signet des Fränkischen Tags von Redaktion
Forchheim – Die Stadt Forchheim hat sich in einer Expertenrunde mit den Gefahren eines Jahrhunderthochwassers beschäftigt. Die Kommune ist vergleichsweise gut gerüstet, doch die eigentliche Arbeit beginnt erst.

Warum brauchen wir Hochwasservorsorge? Unwetter werden häufiger und heftiger, Hochwasser- und Starkregenereignisse nehmen allerorts zu, begleitet von exorbitant hohen Schäden nicht nur monetärer Art, sondern auch für Leib und Leben, so die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA).

Eine neue Regionalstudie des Deutschen Wetterdienstes bestätigt Beobachtungen von Klimaforschern: Die Abstände zwischen extremen Niederschlagsereignissen in Bayern werden immer kürzer, berichtete jüngst der Bayerische Rundfunk. Aber wie können wir uns hier vor Ort vor Schäden schützen, vor Ereignissen, die nur selten auftreten, sich aber häufen können?

Um diesen Fragen nachzugehen, hatte die Stadt Forchheim als erste Kommune in Oberfranken zum DWA-Audit „Überflutungsvorsorge – Hochwasser und Starkregen“ einberufen: Die durch den Freistaat Bayern zu 75 Prozent geförderte Veranstaltung diente dem Informations- und Erfahrungsaustausch und der Aussprache zwischen verschiedenen öffentlichen Akteuren der Stadt sowie Fachleuten, die im Falle eines solchen Katastrophenereignisses zuständig sind.

Zu Gast in Forchheim war Prof. Dr.-Ing. Thomas Ackermann von der Hochschule München mit den Fach- und Aufgabenbereichen Umwelttechnik (Schwerpunkte: Klimawandelfolgen und Adaptation, regenerative Energien, Nachhaltigkeit) und Wasserbau (Schwerpunkte: Hydrologie, Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, konstruktiver Wasserbau). Der Umweltgutachter und Diplomgeologe Daniel Müller von der R+V Allgemeine Versicherung AG aus Wiesbaden, Experte für Risikoeinschätzung im operativen Geschäft, war der zweite Fachmann der DWA im Audit.

Hohe Bereitschaft, anzupacken

Zwei Tage lang führten die beiden Auditoren vor Ort eine Anhörung und Befragung zur Vorsorge bei Hochwasser und Starkregen durch. Julia Schrade, Wassermanagerin der Stadt Forchheim, hatte diesen Erfahrungsaustausch angestoßen: „Ich freue mich über die große Bereitschaft und das Engagement aller Beteiligten, den Hochwasserschutz der Stadt Forchheim gemeinsam anzupacken und mit ihrem Wissen und ihrer Expertise aktiv beizutragen.“

Am Audit nahm Oberbürgermeister Dr. Kirschstein zusammen mit seinen Referats- und Amtsleitungen aus der Stadtverwaltung aus allen Fachbereichen teil. Der Einladung zum Austausch von Expertenwissen folgten zudem Vertretungen aus den Stadtratsfraktionen der CSU, der SPD und der FGL, der Ortsbeauftragte des THW, Christian Wilfling, Kreisbrandrat Oliver Flake, Abgesandte der Feuerwehr Forchheim und zahlreiche Fachleute aus dem Gesundheitsamt Forchheim, von den Stadtwerken Forchheim und vom Wasserwirtschaftsamt Kronach sowie ein Vertreter des Schwedenkraftwerks.

Leuchtturmcharakter beim Hochwasserschutz

Aus den vielen verschiedenen Blickwinkeln ergab sich ein Gesamtbild zum aktuellen Stand der Vorsorge im Stadtbereich. OB Kirschstein resümierte: „Unser zweitägiges Audit mit den Experten des DWA hat auf jeden Fall Leuchtturmcharakter für andere Kommunen in Oberfranken: Wir wollten uns in diesem ersten Schritt darüber klar werden, wie unser aktueller Status aussieht und was noch zu tun ist. Wir haben in diesen zwei Tagen viel gelernt und sogenanntes Schwarmwissen ausgetauscht. Vor dem Thema Hochwasser und Starkregen wollen wir nicht die Augen verschließen, nun wissen wir ein Stück mehr, was wir zur Vorbereitung auf Extremereignisse tun können.“

Einige Ergebnisse der Tagung zum Status Quo in der Stadt stimmen hoffnungsvoll: „In Forchheim haben wir ein Starkregenthema, kein Flusshochwasserthema: Die Risiken sind ganz gut bekannt, die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht. Es herrscht ein guter Standard und es gibt erfolgreiche Ansätze“, fassten die DWA-Experten als erstes Ergebnis des Audits zufrieden zusammen.

Jahrhunderthochwasser im Blick

Anhand der Daten der Teilnehmenden ergab sich, dass die Stadt auf ein sogenanntes „hundertjähriges Hochwasser“ schon jetzt sehr gut vorbereitet ist - z.B. im Bereich der Wasserableitungssysteme, im baulichen Bereich, mit der Trinkwasser- und Energieversorgung im Notfall, mit Rückhalteflächen und mit einer vorsorglichen Bauleitplanung.

Das Augenmerk, so die DWA-Fachleute, müsse nun auf der Vorsorge von Sturzfluten liegen, die noch extremer ausfallen können – wenn auch möglicherweise erst in 200 Jahren oder auch gar nicht. Tatsache sei, „die Risiken sind da und werden statistisch gesehen auch zunehmen“. Das bedeutet, es sind für Starkregenereignisse Maßnahmen zu ergreifen und es ist Vorsorge zu treffen – immerhin liegt nach Aussagen der Auditoren die Wahrscheinlichkeit, ein Extremhochwasser zu Lebzeiten zu erleben, inzwischen bei 55 Prozent.

Die Stadt Forchheim befindet sich, was nach Meinung der DWA-Experten selten ist, schon aktiv in den Vorbereitungen für Extremereignisse: Die Vergaben für den Hochwasserschutz Kersbach werden im aktuellen Planungs- und Umweltausschuss beraten, sodass schon nach der Sommerpause die ersten sichtbaren Bauarbeiten zum Schutz des Stadtteils vor extremem Starkregen starten können.

Hochwasserschutz greift bereits

In anderen Stadtteilen greifen die Vorsorgemaßnahmen schon: Etwa in Burk, wo das Abflusssystem über den Schlehenbach und seine Teichketten seine Schutzwirkung bei Starkregen entfalten kann. Dazu kommt die Verrohrung aus dem Eselsberg in das Regenrückhaltebecken Dorfäcker.

Grundsätzlich werden im baulichen Bestand der Stadt die Themen „Flächenentsiegelung“ und „Schwammstadt“, „Stadtklima“ und die Auflagen in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten vom Stadtrat und den städtischen Fachplanern genau unter die Lupe genommen.

In der Planung für neue Baugebiete (z.B. in Buckenhofen, Reuth und Kersbach) werden regelmäßig z.B. Überschwemmungsgefahren, Hanglagen und die Fließwasser-Richtung berücksichtigt.

Ein sehr wichtiger Aspekt bleibt laut Mitteilung der Stadt die freiwillige Vorsorge jedes einzelnen Haushaltes, die der Gesetzgeber vorsieht. Julia Schrade betont: „Vorsorge ist freiwillig, und dennoch ein wichtiges Thema. Wir möchten all die mit wichtigen Informationen unterstützen, die Eigeninitiative ergreifen und ihr Hab und Gut in Eigenverantwortung schützen möchten. Mit zusätzlichen Informationen helfen wir gerne bei der wichtigen Überlegung, wie Eigenvorsorge sinnvoll und individuell getroffen werden kann. Entsprechende Unterlagen werden veröffentlicht.“

Sichere Versorgung

OB Kirschstein dankte den Teilnehmern des Audits: „Das ist der erste wichtige Schritt zur sicheren Vorsorge für unsere Stadt: Mit der Befragung über Organisationsstrukturen, Verantwortlichkeiten, Fach- und Entscheidungskompetenzen werden Verfahren, Prozesse und erforderliche Mittel für die verschiedenen Felder der Hochwasservorsorge sowie für den Katastrophenschutz geklärt.“

Die abschließende Bewertung mit Handlungsstrategien für die Stadt werde von der DWA in schriftlicher Form noch folgen.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!