Corona hat die Situation verschärft. Waren rund um das Walberla und auch andernorts im Naherholungsgebiet Fränkische Schweiz menschliche Exkremente hier und da ein Ärgernis, so setzten die Besuchermassen während der Pandemie noch eins drauf. „Wildscheißerei“ und „Scheißhaufen vor der Bergwachthütte“ lauteten die Schlagzeilen.
In Schlaifhausen (Gemeinde Wiesenthau), einem Ort des Geschehens, tut sich nun etwas. Und nicht nur da. „Unser Umweltminister hat sich dafür eingesetzt, dass der Freistaat uns hier unterstützt“, sagt Anja Gebhardt (SPD), Bürgermeisterin der Gemeinde Kirchehrenbach.
Autarke Systeme
Was Thorsten Glauber (Freie Wähler) da mithilfe des Naturparks Fränkische Schweiz - Frankenjura gerade auf den Weg bringt, ist ein Pilotprojekt für autarke Toilettensysteme im Naturparkgebiet. Dabei werden an zwölf Standorten verschiedene wasserlose Toilettensysteme errichtet und miteinander verglichen. Mit Kirchehrenbach, Schlaifhausen, Streitberg, Reifenberg, Egloffstein und Obertrubach liegt die Hälfte der Standorte im Landkreis Forchheim.
Der Ärger mit Hinterlassenschaften in der freien Landschaft ist kein fränkisches Problem. Er hat mancherorts dazu geführt, dass gemietete Chemietoiletten favorisiert wurden. Die bekannten Dixi-Klos sind zwar günstig im Unterhalt, aber ökologisch umstritten. Bei den Benutzern hält sich die Begeisterung erfahrungsgemäß auch in Grenzen. „Ökologische Alternativen sind im Naturpark noch recht unbekannt, teuer und daher wenig verwendet“, berichtet Naturpark-Ranger Martin Kreisel.
Vergleichen wird möglich
Das Pilotprojekt ermöglicht es nun, solche Ökotoiletten in der Region bekannt und salonfähig zu machen. Bewusst würden für die einzelnen Standorte unterschiedliche Modelle installiert, so dass ein Vergleich möglich werde, sagt Kreisel. Interessenten aus anderen Kommunen bundesweit könnten so im Naturpark Fränkische Schweiz die Arten dieser umweltbewussten WCs im überschaubaren Umkreis im Praxisgebrauch besichtigen.
Kein Wasser- oder Kanalanschluss nötig
Gemein ist allen Standorten, dass sie vollständig autark sind und weder einen Wasser- noch einen Kanalanschluss benötigen. Strom, evtl. für Lüfter und Beleuchtung, kann eigenständig über Solar abgedeckt werden. „Gerade an sehr frequentierten Bereichen in der Natur, wo weder Wasser noch ein Kanalanschluss zur Verfügung stehen, ist es sehr wichtig, den Besuchern eine umweltgerechte Toilettenbenutzung zu ermöglichen“, sagt Kreisel.
Urin verdunstet
„Ich finde es gut, dass da nun eine Toilette hinkommt, daher stellen wir unseren Grund gerne zur Verfügung“, sagt Bernd Drummer (BGW), Bürgermeister der Gemeinde Wiesenthau. Am Wanderparkplatz unterhalb des Walberla-Plateaus, wo ganz in der Nähe der besagte „Scheißhaufen“ Anfang vergangenen Jahres für Unmut bei den Mitgliedern der Bergwacht Forchheim gesorgt hat, wird nun bald so ein Öko-WC-Typ in der Sonne stehen und durch den Lüftungskamin Urin verdunsten und Feststoffe trocknen.
„Wir freuen uns darüber“, sagt auch Kirchehrenbachs Bürgermeisterin. Das öffentliche WC am Bahnhof Kirchehrenbach war manchem Besucher des Wanderparkplatzes zu weit. Nun kommt eine wasserlose Anlage, direkt wo die Wanderer parken. „Sehr passend. Man hat hier sowieso keinen Kanal und keinen Wasseranschluss“, sagt Gebhardt.
Anschaffung zahlen Freistaat und Naturpark
Zwischen 10.000 und 30.000 Euro koste so eine Öko-Toilettenanlage, je nach Ausstattung und Modell, sagt Elisabeth Felt, Geschäftsführerin der Firma Nowato, die die Anlagen in Deutschland und Österreich vertreibt. Um die Anschaffungskosten müssen sich die Kommunen aber keine Gedanken machen. 90 Prozent schießt der Freistaat Bayern über die sogenannten Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien (LNPR) zu, den Rest übernimmt der Naturpark – inklusive Installation und Erdbauarbeiten.
Die Kommunen kümmern sich lediglich um die Wartung: Leerung der Behälter und Verkehrssicherung. „Wir rechnen im Jahr mit rund 2000 Euro“, sagt Bernd Drummer. Nach fünf Jahren sollen die Anlagen dann ins Eigentum der Gemeinden übergehen.
Barrierefreiheit statt Klowagen
„Die Notwendigkeit einer zugänglichen Toilette war hier schon länger ein Thema“, beschreibt Marco Trautner (Freie Wähler), Bürgermeister der Gemeinde Wiesenttal, die Situation am geplanten Standort im Ort Streitberg, direkt am Freibad-Parkplatz. Seit 2020 steht hier ein Klowagen. Die öffentlichen Toiletten im Bürgerhaus seien den meisten Wanderern zu weit weg gewesen. Jetzt erhält der Parkplatz eine Öko-Version. „Die Barrierefreiheit war uns wichtig“, betont Trautner, der „stolz ist, dass wir beim Pilotprojekt mitmachen dürfen“. Der Bürgermeister hofft, mit etwas Glück auch noch für den Ort Muggendorf eine solche wasserlose Toilette zu bekommen.
Stinkt nicht
Ökotoiletten-Expertin Felt nennt als Vorteil dieser umweltbewussten Art des Austretens, dass bei einer ordnungsgemäßen Wartung keinerlei Fremdstoffe (Sickerwasser, Urin, Fäkalien) in die Umgebung gelangen könnten und Wasser nicht verschmutzt werden müsse. Und zudem verspricht sie: „Weil der Urin stets von den Feststoffen getrennt wird, entwickelt sich auch kein schlechter Geruch.“
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