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Experte klärt Wettermythen auf
Vorboten des Frühlings? Wie die Natur uns jetzt täuscht
Schneeglöckchen sind die ersten Vorboten des Frühlings. Das Ende des Winters verkünden sie aber nicht.Forchheim & Fränkische Schweiz
Schneeglöckchen sind die ersten Vorboten des Frühlings. Das Ende des Winters verkünden sie aber nicht. // Christian König
LKR Forchheim – Die Vorboten des Frühlings zeigen sich aufgrund der vorangegangenen Witterung. Als Signal für den Frühling taugen sie nur bedingt. Der Forchheimer FT-Meteorologe klärt Wettermythen auf.

Folgende These braucht keine offizielle Umfrage zur Untermauerung: Dieser Winter hinterlässt bei der absoluten Mehrheit der Bevölkerung entweder gar keinen Eindruck oder allenfalls einen eher ernüchternden zur Kenntnisnahme.

Grob zusammengefasst überwiegen in unserer Region seit der Adventszeit eher zaghafte Versuche, standesgemäßen Winter herzustellen. Wie zuletzt ausführlich abgehandelt, scheint das Phänomen Schnee in der Versenkung verschwunden.

Wetter-Mythen: Schneeglöckchen sind keine Wahrsager

Doch mittlerweile kommt Bewegung auf. Zwar nicht in die Wetteratmosphäre, aber schon eher in die winterschläfrige Natur. Speziell die Pflanzenwelt wird durch zwei elementare Stellschrauben getriggert: Tageslänge und Umgebungstemperaturen. Das Zusammenwirken dieser beiden elementaren Umweltfaktoren fasst man auch unter dem Begriff Foto-Thermoperiode zusammen.

Weiserpflanzen deuten auf Vorfrühling hin

Wer sich um frühzeitige Aussaat kümmert, weiß um den speziellen Begriff der Kaltkeimer. Und in der Tat gibt es bestimmte Pflanzenarten, die zur Anregung der physiologischen Prozesse Kälte und nicht Wärme benötigen. Die ersten Vorboten des Frühlings tauchen auf – Schneeglöckchen zum Beispiel. Sie sind sogenannte Weiserpflanzen im phänologischen Jahreskalender und deuten auf den beginnenden Vorfrühling hin. Es ist aber kein wahrsagerischer Hinweis darauf, dass der Frühling schon nah ist, sondern die Folge der vorangegangenen Witterung, die für Schneeglöckchen bereits ausreichend Licht und phasenweise etwas Wärme für den oberflächennahen Wurzelbereich geliefert hat.

Manche Blumen benötigen ähnlich wie bestimmte Saaten als „Kaltkeimer“ eine mehrwöchige Kälteperiode, in der keimhemmende Substanzen abgebaut werden. Erst dann können deren Samen oder Blumenzwiebelchen bei steigenden Temperaturen und mehr Sonnenstunden keimen und austreiben.

Zugleich ist es nur allzu menschlich, dass wir nach den vielen düsteren und oft nasskalten Wochen jedes nur erdenkliche Zeichen aus der Natur als Signal für den bevorstehenden Frühling beim Schopf packen wollen. Allerdings ist dieses grundlegende Bedürfnis nach mehr Klarheit, was uns die Zukunft bringt, trügerisch und nicht selten irreführend.

Ausnahmen bestätigen Regel

Wer also glaubt, dass austreibende Schneeglöckchen mitten im Februar einen nahen Frühlingsdurchbruch verkünden, muss die Möglichkeit baldiger Ernüchterung mit einkalkulieren.

Wie es aber bei der Statistik so ist, gibt es zwar eindeutige Trends, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eintreten können, aber bekanntlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Wir dürfen uns daher durchaus auch auf die Variante einstellen, dass tatsächlich anstatt Spätwintereinlagen der Frühling vielleicht schon gegen Ende Februar oder Anfang März bei uns anklopft.

Immer mehr Sonnenschein ist allein schon aufgrund der rasch anwachsenden Tageslänge astronomisch möglich. Fortlaufend mehr Wärme wird in jedem Fall auch bereits in südlicheren Breiten im Mittelmeerraum produziert. Es muss nur der Wind aus der entsprechenden Richtung großräumig zu uns wehen. Dann hätten wir möglicherweise Märzfrühling, obwohl im Jahreszeitenkalender steht, dass im ersten Märzdrittel häufiger der sogenannte Märzwinter eintreten kann.

Wie gesagt: Er kann, aber er muss nicht. Die längerfristigen Vorausberechnungen der Wettermodelle haben zumindest theoretisch – quasi vorsorglich – eine derartige Version mit eingepreist. Ob sich allerdings das Wetter nach den Computervorgaben ausrichtet, bleibt doch sehr zweifelhaft. Tröstlich mag da eher sein, dass die nächsten Frühlingsboten schon in den Startlöchern stehen: die Märzenbecher. Und die blühen mit Sicherheit auch bald.

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