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Ehrenamtlicher Einsatz
Kampf dem Müll: Wie diese Forchheimer ihre Umwelt retten
Nicht nur zum World Cleanup Day zieht Karin Hof-Schüßler von Forchheim for Future los, um Müll zu sammeln.   Denn Müll gibt es das ganze Jahr über genug.
Nicht nur zum World CleanUp Day zieht Karin Hof-Schüßler von Forchheim for Future los, um Müll zu sammeln. Denn Müll gibt es das ganze Jahr über genug. // Stephan Großmann
Forchheim – Freiwillige trotzen der Müllplage in einigen Forchheimer Ecken und räumen regelmäßig auf. Zum World Cleanup Day 2024 haben wir die Ehrenamtlichen von Forchheim for Future bei ihrer Tour begleitet.

Der Geruch beißt in der Nase. Was genau diesen Gestank absondert, will Stefanie Heine-Müller gar nicht herausfinden. Sie schüttet die stinkende Müllpampe in ihren Müllbeutel, schüttelt immer wieder den Kopf und macht weiter. Es gibt noch genug zu tun für sie an diesem sommerlichen Septembersamstag, noch gleicht der Parkplatz in der Forchheimer Konrad-Ott-Straße einer heimlichen Müllkippe. Genau deswegen sind Heine-Müller und die anderen Ehrenamtlichen heute hier.

Mit dabei ist auch Stefanie Heine-Müller: „Jedes Stück, das ich sammle, ist ein bisschen weniger Mikroplastik in der Erde"
Mit dabei ist auch Stefanie Heine-Müller: „Jedes Stück, das ich sammle, ist ein bisschen weniger Mikroplastik in der Erde" // Stephan Großmann

CleanUp: Forchheim for Future organisiert Treffen

Ein gutes Dutzend Menschen unterschiedlichen Alters finden sich am Vormittag auf dem Parkplatz ein, eingeladen hatte Karin Hof-Schüssler, die sich für den Verein Forchheim for Future um die Organisation der CleanUp-Treffen kümmert. „Einmal im Monat treffen wir uns und gehen gemeinsam Müll sammeln“, erzählt die 64-jährige Ärztin. Immer wieder suchen sie andere Ecken in Forchheim auf, doch in der Regel entpuppe sich die Region zwischen Bahnhof und Krankenhaus als äußerst ergiebig.

Mit ergiebig meint sie, dass sie dort regelmäßig viel Müll finden. Man könnte es auch erfolgreich nennen. Doch Hof-Schüssler sträubt sich etwas gegen den Begriff. Erfolgreich seien sie dann, wenn sie irgendwann kein einziges Stück Plastik mehr finden sollten. Sie lacht gequält, wohl wissend, dass dieser Tag wohl nicht eintreten wird.

Ehrenamtliche: „Nicht achtlos durch die Umwelt gehen"

Etwas aber ist doch erfolgreich an diesem Tag. Wieder haben sich einige Menschen zusammengefunden, die nicht achtlos durch ihre Umwelt gehen wollen, sondern diese aktiv schützen möchten. Die ihre knalligen Warnwesen überziehen, Handschuhe überstreifen, sich ihren Greifer schnappen und einfach machen. Die auf dem Gehweg Müllsammeln, ganz gleich, ob unwissende Passanten die Nase rümpfen. Weil sie wissen, dass ihr Handeln etwas bewirkt, selbst wenn es für gleichgültigere Außenstehende kaum so anmuten mag.

Wer aber sind die Menschen, die ihre Freizeit als müllsammelnde Umweltschützer verbringen? Rund um die Kerngruppe, allesamt Mitglieder im Verein Forchheim for Future, versammeln sich immer neue Gesichter, aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Am heutigen Samstag ist beispielsweise wieder Felix Noack dabei, der ansonsten unter anderem die Forchheimer Gruppe der Naturschutzjugend (Naju) leitet. Gleich mitgebracht hat er wieder seine Frau Jana, ohne langes Zögern legen die beiden los. „Wir wollen mit diesen Aktionen ein Bewusstsein schaffen, dass man die Umwelt auch vor unserer Haustür schützen muss“, sagt er.

Müll lauert an jeder Ecke.
Müll lauert an jeder Ecke. // Stephan Großmann

Da ist aber auch Anneliese, die heute zum ersten Mal dabei ist. Sie leiht sich Handschuhe und Greifzange bei Karin Hof-Schüssler aus, bekommt eine kurze Anleitung und legt los. Auch sie schüttelt immer wieder den Kopf, kann nicht fassen, was sie auf dem Parkplatz alles finden. Autoreifen, Schnapsflaschen, PVC-Böden, Porno-DvDs, volle Windeln, Kleidung, Essensreste, Fast-Food-Verpackungen. Diese Liste ließe lange fortsetzen.

Bauhof Forchheim: CleanUp sammelt bis zu 60 Kilogramm Müll

„Etwa 50 bis 60 Kilogramm Müll sammeln die Ehrenamtlichen pro Einsatz“, sagt Christian Höhn, Chef des städtischen Bauhofs. „Wir freuen uns, dass sie uns bei unserer Arbeit unterstützen.“ Sein Bauhof-Team ist für die Stadtreinigung zuständig, seine Leute leeren die vielen Mülleimer in der Stadt, lenken die vier Kehrmaschinen, die beinahe täglich in der Stadt unterwegs sind. „Aber vor allem an neuralgischen Punkten rund um Fast-Food-Läden und beliebten Treffpunkten kommen wir gar nicht hinterher“, sagt er.

Alle Hände voll zu tun für die Ehrenamtlichen: Um die 60 Kilogramm Müll sammeln die Freiwilligen von Forchheim for Future bei ihren Einsätzen auf.
Alle Hände voll zu tun für die Ehrenamtlichen: Um die 60 Kilogramm Müll sammeln die Freiwilligen von Forchheim for Future bei ihren Einsätzen auf. // Stephan Großmann

Fast-Food-Verpackungen können gefährlich sein

Das Problem: Vor allem Fast-Food-Verpackungen enthalten einer aktuellen Studie zufolge bedenkliche Schadstoffe, wie die Verbraucherzentralen mitteilen. Sie zitieren eine Untersuchung des Instituts für Bedarfsgegenstände in Lüneburg, das kürzlich etwa 40 Einwegverpackungen aus Papier, Pappe und Bagasse (Reste der Zuckerrohrproduktion, ähnlich wie Papier verarbeitet) untersucht hatte. Das Ergebnis: Die Hälfte der Proben enthielten Fluorchemikalien, darunter auch namhafte Fast-Food-Ketten wie McDonalds, KFC und Subway, wie die Verbraucherzentrale berichtet.

Manche Proben enthielten sogar derart viel, dass sie in die Lebensmittel übergehen können. Diese Fluorchemikalien können krebserregend wirken, das Immun- und Hormonsystem sowie die Funktion der Schilddrüse stören. Hinweise zur Kompostierbarkeit sieht die Verbraucherzentrale besonders kritisch, weil die Fluorchemikalien direkt in Böden und von dort zum Beispiel ins Gemüse gelangen könnten.

Ob es nicht einer Sisyphusarbeit gleiche, einzelne Verpackungen aufzuheben? „Nein“, sagt Stefanie Heine-Müller. „Jedes Stück, das ich sammle, ist ein bisschen weniger Mikroplastik in der Erde.“ Positiv sei auch, dass man ein ganz anderes Bewusstsein entwickle, auch im normalen Alltag achte sie viel mehr auf Abfall und Abfallvermeidung. „Es würde sicher nicht schaden, wenn das noch mehr Menschen tun würden.“

Einmal im Monat treffen sich die Ehrenamtlichen zum Müllsammeln, organisiert vom Verein Forchheim for Future.
Einmal im Monat treffen sich die Ehrenamtlichen zum Müllsammeln, organisiert vom Verein Forchheim for Future. // Stephan Großmann

World CleanUp Day am 20. September: Millionen weltweit

Immerhin sind sie und ihre Mitsammlerinnen und Mitsammler sind nicht allein. Am 20. September trafen sich Menschen rund um den Globus, um am World CleanUp Day (Weltaufräumtag) gemeinsam Müll zu sammeln. Laut den Veranstaltern haben allein in Deutschland mehr als 630.000 Menschen in mehr als 2400 Städten und Gemeinden mitgemacht. Weltweit hätten sich erneut Millionen Menschen in über 190 Ländern an der größten Bürgerbewegung zur Beseitigung von Umweltverschmutzung beteiligt. Dieser Aktionstag ist ein Projekt der Bürgerbewegung „Let’s Do It World“, die 2008 in Estland entstanden ist, als 50.000 an einem Tag gemeinsam das gesamte Land von illegal entsorgtem Müll befreiten.

Nach ungefähr einer Stunde kehren die CleanUp-Helfer zurück zum Sammelpunkt. Der Haufen ist beachtlich, wieder einmal. Karin Hof-Schüssler klebt noch einen Zettel ran, eine Art Übergabeprotokoll für den Bauhof. Der wird die Müllsäcke in seiner nächsten Schicht mitnehmen. Für die CleanUp-Gruppe ist der heutige Einsatz beendet. Doch der nächste wartet nicht lange – achtlos entsorgten Müll gibt es noch genug.

CleanUp Forchheim - die nächsten Termine

Donnerstag, 17. Oktober, 15 bis 17 Uhr: Im Rahmen der Bayerischen Klimawoche gibt es zusammen mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern eine große gemeinsame Müllsammelaktion. Treffpunkt ist der Parkplatz des Ehrenbürg-Gymnasiums. Zur Beteiligung aufgerufen sind sowohl Vereine und Gruppen als auch Privatpersonen. Zur besseren Organisation wird um Anmeldung gebeten unter cleanup@forchheim-for-future.de.

Donnerstag, 21. November, 15 Uhr, am Streckerplatz beim Landratsamt

Donnerstag, 5. Dezember, 15 Uhr in der Siedlergemeinschaft Augraben, Imkerstraße 18 in Forchheim

Donnerstag, 16. Januar 2025, 15 Uhr in der Luitpoldstraße am Herdergymnasium

Donnerstag, 13. Februar 2025, 15 Uhr in der Nürnberger Str. 75 in Forchheim

Kontakt und Infos unter www.forchheim-for-future.de.

 

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