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Pilotprojekt
So macht Baiersdorf Bio-Diesel aus Fritteusenfett
Der Baiersdorfer „Automatenpate“ Mathias Starick brachte für den Testlauf extra gesammeltes Distelöl aus seiner heimischen Fritteuse mit.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Baiersdorfer „Automatenpate“ Mathias Starick brachte für den Testlauf extra gesammeltes Distelöl aus seiner heimischen Fritteuse mit. // Vera Schiller
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Baiersdorf – Fettsammeln in Automaten: Baiersdorf startet ein Pilotprojekt zum Umweltschutz. So könnte aus Fritteusenöl grüner Antriebsstoff entstehen.

Zwei grüne Automaten befinden sich seit Kurzem auf den Parkplätzen der Baiersdorfer Rewe- und Edeka-Märkte. Sie sind Teil des Modellprojekts „Jeder Tropfen zählt“. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Altspeisefetten und -ölen aus Privathaushalten.

Jeder Baiersdorfer Haushalt erhält künftig einen 1,2 Liter fassenden Sammelbehälter. Gefüllt mit anfallenden Fett- und Ölresten können diese hitzeresistenten Behälter an den dauerhaft zugänglichen Sammelautomaten abgegeben und gegen einen leeren Behälter getauscht werden. Die gesammelten Öl- und Fettreste sollen dann zu Bio-Diesel verarbeitet werden.

Trotz des Regens erklärte Hubert Zenk, Geschäftsführer der Jeder Tropfen zählt GmbH, allen Anwesenden (hier Landrat Tritthart) die Funktionsweise „seiner“ AutomatenForchheim & Fränkische Schweiz
Trotz des Regens erklärte Hubert Zenk, Geschäftsführer der Jeder Tropfen zählt GmbH, allen Anwesenden (hier Landrat Tritthart) die Funktionsweise „seiner“ Automaten // Vera Schiller

„Eine gute Idee“, findet Mathias Starick. Für den Baiersdorfer, der zuhause selbst eine Fritteuse besitzt, ist das Thema Altspeisefette schon lange relevant. Denn: Bei einem Ölwechsel „fallen schnell mal bis zu sechs Liter Distelöl an“, verrät er. Zum Wiederverwenden in der Küche sei das Öl nach der ersten Benutzung jedoch nicht mehr gut genug. Es in die Toilette zu schütten, komme aus Umweltschutzgründen allerdings nicht infrage.

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Daher entschied sich Starick bisher für die Sondermüllsammlung oder für die aufwendigere Entsorgung des Öls in einem extra dafür vorhergesehenen Kanister in der Restmülltonne. Diese Lösungen stimmten den Baiersdorfer jedoch nicht wirklich zufrieden. Schließlich sei das Öl eigentlich „zu schade für den Müll“, könnte es doch noch als Ressource genutzt werden.

Ökologische Argumente für Sammlung

Den Erlanger Vorläufer des Projekts verfolgte Starick schon seit dem Herbst 2018. Umso mehr freut er sich nun, dass sich nach einigen Anfragen auch die Stadt Baiersdorf für die Teilnahme am auf zwei Jahre ausgelegten Pilotprojekt entschieden hat. Hubert Zenk von der verantwortlichen „Jeder Tropfen Zählt GmbH“ setzt bei „seinen“ Sammelautomaten auf die gleichen ökologischen Argumente wie Starick.

Martina Stamm-Fibich testete den neuen Sammelautomaten mit Unterstützung von Alexander Tritthart sofort.Forchheim & Fränkische Schweiz
Martina Stamm-Fibich testete den neuen Sammelautomaten mit Unterstützung von Alexander Tritthart sofort. // Vera Schiller

Zum einen sollen durch die Installation fester Sammelmöglichkeiten die Abwasser- und Kanalsysteme geschont werden. Werden Öle und Speisefette vom Braten und Frittieren in den Abfluss oder die Toilette geschüttet, kann das zu Verstopfungen der Abwasserleitungen führen.

Die Reinigung der Rohre ist nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig. Zum anderen spricht die Umwandlung des Altfetts in Biodiesel für die Sammlung. Der entstehende Bio-Kraftstoff verfügt über eine um 90 Prozent bessere CO2-Bilanz als herkömmlicher Diesel.

Gut erreichbarer Standort

Um möglichst viel Bio-Diesel herstellen zu können, soll den Bürgern die Teilnahme am Projekt durch die Positionierung direkt neben den Supermärkten erleichtert werden. Außerdem verfügen die Automaten über einen durchdachten Aufbau. In der oberen Hälfte werden 200 leere, wiederverwendbare Behältnisse gelagert. Der untere Teil der Automaten beinhaltet eine auslaufsichere Wanne.

Durch ein Monitoring-System ist es Zenk möglich, den Automaten zu überwachen. Sollte es zwischenzeitlich zu kleineren Problemen kommen, sind vor Ort jeweils „Automatenpaten“ (wie in Baiersdorf Starick) stationiert.

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Ist der Automat zu 80 Prozent voll, erhält der Geschäftsführer eine Meldung und kann sich auf die Leerung vorbereiten. Im Durchschnitt erreichen die 21 in Bayern aufgestellten Automaten der Firma aus Thalmässing diesen Status nach 19 bis 45 Tagen. Nach der Abholung werden sowohl die Behältnisse als auch die gesammelten Öle und Fette gereinigt. Letztere werden anschließend an Biodieselproduzenten weitergeleitet.

30 Tonnen statt halbes Kilogramm

Wie das von ansässigen Unternehmen und Privatpersonen gesponserte Projekt in Baiersdorf angenommen wird, bleibt abzuwarten. Starick kennt in seinem Umfeld aber bereits einige Interessenten. Zenk zeigt sich aus seiner Erfahrung mit Pilotprojekten in Erlangen, Fürth und Roth ebenso optimistisch. Mit durchschnittlich einem halben Kilogramm Speisefett pro Teilnehmer konnten in den vergangenen Jahren insgesamt schon rund 30 Tonnen Speiseöle und -fette gesammelt werden.

Sechs Liter Distelöl füllte Starick insgesamt in die neuen, grünen Behältnisse.Forchheim & Fränkische Schweiz
Sechs Liter Distelöl füllte Starick insgesamt in die neuen, grünen Behältnisse. // Vera Schiller

Martina Stamm-Fibich (MdB), die das Projekt schon länger kennt, zeigte sich darüber nicht verwundert. Die Menschen seien bereit, sich an derartigen nachhaltigen Projekten zu beteiligen. Baiersdorfs zweite Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer bedankte sich daher schon bei der Inbetriebnahme bei allen zukünftigen Sammlern. Und auch Landrat Alexander Tritthart zeigte sich optimistisch. Je nach Annahme des Projekts könne er sich vorstellen, ähnliche Modelle auf Landkreisebene zu diskutieren.

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