Die Überraschung ist gelungen. Statt Sandförmchen und Eimerchen liegen fürs Erste uralte Fundstücke auf dem zukünftigen Kita-Gelände.
Ein Kindergarten, eine Kegelbahn und ein Park sollen beim Sportzentrum Eggolsheim entstehen, die Bauarbeiter waren schon hier. Dann aber hat sich die Vorgeschichte gemeldet, und zwar eindringlich.
Komplette Siedlung mit einem „Handwerkerviertel“
Irgendwann zwischen 500 und 380 v. Chr. ist hier eine komplette Siedlung entstanden, mit Häusern, Vorratsgruben und einem „Handwerkerviertel“. Das üppige Fundmaterial lässt die Herzen der Archäologen höher schlagen.
Die Hauptattraktion ist ein Ofen (eventuell ein Töpferofen), weil er am besten erhalten ist und daher am meisten über die Vergangenheit erzählt.
Auf der untersten Lage, der Aufstellfläche für das Brenngut, sind Scherben erhalten geblieben, die angebrannt, verglast aussehen – ein Zeichen dafür, dass sie zu nah am Feuer platziert wurden.
War der Brennmeister nicht geschickt?
Offenbar „war der Lehrling hier am Werk“ oder der Brennmeister nicht geschickt, so Ivonne Weiler-Rahnfeld, zuständige Referentin vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. „Das Brenngut hätte nicht so nah am Feuer stehen dürfen und ist deswegen angebrannt.“
Waren die Siedler und Händler?
Produziert hat der Brennmeister wahrscheinlich mehr, als die Siedler benötigt haben. Das lässt den Schluss zu, dass Handel betrieben wurde.
Ein „Fingerabdruck“ des Tons wird laut Grabungsleiter Michael Jaschek genauere Auskünfte darüber geben: Würde dessen Zusammensetzung mit jener von Scherben aus anderen Fundstellen in der Gegend übereinstimmen, wäre das ein klarer Beweis für Handel – und ein aussagekräftiger Befund für die Handelsgeschichte der Region.
Mühevolle Grabungsarbeiten
Diese Scherben zeugen aber auch von der mühevollen Arbeit des Teams um Archäologe Andreas Pross bei der Freilegung. „Der Boden ist hart wie Beton“, so Pross. Die Fundstellen mussten nachts gewässert werden, um sie freilegen zu können. Zwei Wochen hat das Team allein für den Ofen gebraucht.
„Kühlschränke der Vorgeschichte“
Ein gutes Stück von ihm entfernt (und somit weit genug vom feuergefährlichen Handwerk) wurden zwei „Kühlschränke der Vorgeschichte“ gefunden.
Sanduhrförmige, zwischen Wohngebiet und Handwerksecke gegrabene Kühlgräben dienten zur Lagerung von Lebensmitteln. Sie wurden mühevoll durch Gestein gegraben, weil dies für Kühlung sorgte, und mit Lehm ausgelegt, um die Feuchtigkeit fernzuhalten.
Holz diente als Schutz
Holz auf der Grubenöffnung diente als Schutz – vor Sonne und Regen, aber auch als Sichtschutz, Vorräte waren kostbar. In die Grube gelangte man mithilfe einer Leiter oder eines Baumstamms.
Gerade werden Erdproben genommen, um zu untersuchen, was hier gelagert wurde; unter anderem wahrscheinlich Getreide, vielleicht auch Hopfen für Bier, so Jaschek.
Kunstvoll verzierte Pfeilspitzen
Beeindruckend sind auch Kleinigkeiten, die in minuziöser Arbeit gefunden wurden und ebenfalls Geschichten erzählen. So bestätigen kunstvoll verzierte Pfeilspitzen den Wohlstand der Siedlung; ansonsten hätte man sich nicht die Mühe gemacht, sie zu verzieren.
Von Wohlstand erzählt auch eine Bronzenadel, vielleicht ein Schmuckstück; Metall war nämlich äußerst kostbar. Dank eines gefundenen Webgewichts und eines Spinnwirtels wissen wir, dass die Menschen hier gewebt haben.
Der letzte Augenblick der Siedlung
Diese Siedlung wurde wahrscheinlich freiwillig verlassen. Nichts deutet in dem freigelegten Teil auf Schadfeuer oder auf einen Kampf hin.
Wenn die Umgebung abgeholzt, ein wichtiger Rohstoff somit nicht mehr vorhanden war, zog man weiter. „Wir können hier den letzten Augenblick einer Siedlung erkennen“, sagt Ivonne Weiler-Rahnfeld und sorgt damit noch einmal für einen Gänsehautmoment.
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