Ein Ticket haben die Söhne von Gabriel und Anna Nsah geschickt. Für einen Besuch in Deutschland, wo beide studieren. Der Zwischenstopp in Gräfenberg war Gabriel Nsahs Wunsch. „Wie könnte ich Gräfenberg und Alfons Trautner vergessen“, sagt Nsah, dessen gesamtes berufliches Leben vor 49 Jahren mit einem Praktikum unter Trautner in der damaligen Raiffeisen- und heutigen VR Bank begann. Zur Begrüßung der Gäste aus Kamerun sind auch Filialleiter Lars Schrettenbrunner und Alexander Brehm, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der VR Bank, dabei und hören sich Gabriels Lebenslauf an.
Ein junger Jurastudent aus Nkong Abok, einem Dorf 50 Kilometer von Kamaruns Hauptstadt Jaunde entfernt, war er gewesen, als er über die Gesellschaft für Zusammenarbeit von den Praktika erfuhr. „Es waren Praktika für die Entwicklungsländer“, sagt Nsah. „Mich hat das Bankwesen interessiert“, erklärt er, warum er sich beworben hatte.
Bankdirektor entscheidet sich sofort: Vom Juristen zum Banker
Alfons Trautner, damaliger Bankdirektor und Ehrenvorsitzender der Raiffeisenbank, hatte sich sofort für Gabriel als Praktikant entschieden.
Auch wenn Nsahs Vater bis zum Ende des Ersten Weltkriegs – Kamerun war bis dahin deutsche Kolonie – als Deutschlehrer unterrichtet hatte, beschloss Gabriel, vor seinem Praktikum in Saarbrücken die deutsche Sprache zu lernen. „Ein Praktikum in Deutschland ohne deutsche Sprache geht nicht“, erklärt Nsah. Er spricht aber auch Englisch und Französisch, die beiden Amtssprachen in Kamerun, die alle erlernen mussten. Und dazu noch die Sprache seines Landes.
„Gabriel Nsah arbeitete in der Buchhaltung, aber auch am Schalter“, erzählt Trautner. Ein Plakat hatten sie damals gefertigt und neben den Schalter gestellt, mit dem Hinweis, dass hier ein Praktikant aus Kamerun arbeite.
Prägend fürs ganze Leben: "Die Leute waren sehr nett."
„Die Leute waren sehr nett. Sie wollten entdecken“, schildert Nsah seine vielen positiven Erlebnisse und Erfahrungen in Gräfenberg. „Einige Leute haben gesagt, dass sie seit dem Krieg keinen schwarzen Mann mehr gesehen haben“, sagt Nsah und lacht bei der Erinnerung, denn die Zeit in der Bank war das, was für ihn das Beste in Deutschland war, was er am meisten an Deutschland schätzt und es hat wohl seine berufliche Laufbahn und das Leben seiner Familie geprägt.
„Die Ausbildung war streng“, erinnert sich Nsah und meint damit, dass die Ausbildung klar strukturiert, geregelt und geordnet ist. Zu Hause konnte jeder arbeiten, wie er wollte.
Nsah war 1976 zunächst für sechs Monate in der Raiffeisenbank in Gräfenberg – und dann noch einmal acht Monate, was mit seiner Abschlussprüfung zum Bankkaufmann 1982 endete. Bei der Fonader Bank, der staatlichen Bank in der Hauptstadt Jaunde, hat Nsah dann gleich die Kreditabteilung übernehmen dürfen. Als diese Bank geschlossen wurde, arbeitete er bei der Crédit Agricole, die ebenfalls geschlossen wurde, weshalb er bis zu seinem Renteneintritt 2009 bei der Commerzbank angestellt war.
Hohe Wertschätzung für Bildungs- und Ausbildungswesen: Drei Kinder studieren in Deutschland
Er konnte ein Haus bauen und bewirtschaftet fünf Hektar Land mit Palmenanbau. Dass Nsah das deutsche Bildungs- und Ausbildungswesen so hoch schätzt, zeigt sich auch an seinen Kindern. Von den sechs Kindern studieren drei in Deutschland. Die Tochter hatte in Nürnberg Ingenieurwesen studiert und arbeitet nun in Kanada, von den beiden Söhnen studiert einer in Wiesbaden Betriebswirtschaftslehre und der andere in Stuttgart Geologie.
Als seine Tochter in Deutschland studieren wollte, hat er bei Alfons Trautner angerufen, der für den Kameruner zum Freund gewordenen war und bei der Uni- und Unterkunftssuche half. So wie damals, als Gabriel als Praktikant in Gräfenberg war.
Gabriel Nsah erinnert sich: Schöne Erlebnisse in Deutschland
Gewohnt hat er damals im Hotel „Alte Post“, gleich gegenüber der Bank. Trautner und seine Familie haben mit Nsah Ausflüge nach Nürnberg, Bayreuth oder Erlangen gemacht, die zu seinen schönen Erlebnissen in Deutschland zählen. „Wir haben in Kamerun Löwen, Elefanten und Giraffen. Doch im Nürnberger Tiergarten habe ich diese Tiere das erste Mal gesehen“, sagt Nsah lachend.
Einen Kulturschock hat er nicht erfahren. Nsah sieht das ganz pragmatisch: „Jedes Land hat eine eigene Kultur. Man muss die andere Kultur akzeptieren.“ Freilich gebe es Unterschiede. „Bei uns zu Hause leben viele zusammen.“ Hier würde jeder ein Haus oder eine Wohnung haben, zu zweit oder mit der Familie leben.
Ehemaliger Bank-Praktikant: Rückkehr nach 43 Jahren
Nun ist der inzwischen 76-Jährige das erste Mal seit 1982 wieder in Gräfenberg. Dieses Mal mit seiner Ehefrau Anna. Ob sich Gräfenberg verändert hat? Nsah verneint. „Der Zug ist ein anderer“, sagt er. Und es seien andere Mitarbeiter in der Bank.
Ein Schulprogramm gibt es, aber internationale Praktikanten seien die Ausnahme, sagt Brehm, der mit Schrettenbrunner ein Präsent überreichte.
Dann sind Anna und Gabriel Nsah zu den Söhnen gefahren – die den Besuch in Gräfenberg überhaupt erst möglich gemacht haben.














