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BMI-Milchwerke
Schock in Ebermannstadt sitzt bis heute tief
Nachdem vor einem Jahr die Pläne bekanntgeworden waren, diskutierten (v. l.) Silke Launert, Laura Schick, Michael Grundl und Michael Prechtel (v. l.) vor Ort über die Zukunft des Milchwerkes Ebermannstadt und der Mitarbeiter.Forchheim & Fränkische Schweiz
Nachdem vor einem Jahr die Pläne bekanntgeworden waren, diskutierten (v. l.) Silke Launert, Laura Schick, Michael Grundl und Michael Prechtel (v. l.) vor Ort über die Zukunft des Milchwerkes Ebermannstadt und der Mitarbeiter. // Carmen Schwind/Archiv
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
Ebermannstadt – Vor einem Jahr erfuhren die Mitarbeiter des BMI-Milchwerks in Ebermannstadt von der Schließung. 80 Prozent haben einen neuen Job gefunden. Aber was passiert mit den anderen und mit dem Gelände?

„Gemeinsam haben wir das Beste für die Mitarbeiter herausgeholt“, sagt Laura Schick, die ehemalige Betriebsratsvorsitzende des Werks der Bayerischen Milchindustrie (BMI) in Ebermannstadt und ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates. Sie und ihr Betriebsratskollege Michael Prechtel erinnern sich noch ganz genau, wann sie von der für sie überraschenden Schließung des Werks erfahren haben.

„Vor einem Jahr saß ich im Auto und war auf dem Weg zur Aufsichtsratssitzung, als ich telefonisch darüber informiert wurde. In dem Augenblick war ich total geschockt“, erinnert sich Schick.

Nächtlicher Anruf schreckt Betriebsrat auf

„Und ich habe nachts einen Anruf erhalten. Zuerst dachte ich, das sei ein böser Scherz, weil ja erst 50 Millionen Euro in den Betrieb investiert worden waren“, verrät Prechtel und erzählt, dass er vorher noch alle Mitarbeiter vertröstet hatte: „Ich hatte jedem gesagt, dass wegen der Investitionen in Ebermannstadt nichts passieren würde. Aber weit gefehlt!“

Vor genau einem Jahr hatten die 84 Mitarbeiter von der geplanten Schließung aus „rein wirtschaftlichen Gründen“ im April 2023 erfahren. „Es hätte sicher keine Schließung gegeben, aber es war keine Milch mehr da“, sagt Michael Prechtel. Er berichtet, dass das Unternehmen den Milchbauern weniger bezahlt hätte und viele abgesprungen seien: „Als dann wieder mehr bezahlt wurde, kamen viele Bauern nicht mehr zurück.“ Vor einem Jahr ging der Stress für Mitarbeiter und Betriebsrat los. „Ich kann nur allen Betriebsräten raten: Haltet zusammen!“

Betriebsrat tritt geschlossen auf

Der Betriebsrat der BMI Ebermannstadt beschloss, geschlossen aufzutreten. „Wir haben alle Entscheidungen gemeinsam vertreten“, sagt Laura Schick, und Michael Prechtel fügt hinzu: „Der Vorstand wollte sich immer einzelne Personen rauspicken, aber wir hatten beschlossen, dass Laura unsere Sprecherin ist.“

Die beiden erzählen von ihren vielen schlaflosen Nächten und Diskussionen. Michael Prechtel organisierte ein Treffen des Betriebsrates mit Politikern: Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE), Landtagsabgeordneter Michael Hofmann (CSU) und Bundestagsabgeordnete Silke Launert (CSU) waren eingeladen worden. „Sie meinten, dass sie das Werk nicht retten, aber Druck machen können. Das hat aber viel geholfen, denn wir wollten eine Transfergesellschaft haben und die wird mit Geld vom Staat bezuschusst“, erklärt Prechtel.

Die Gründung der Transfergesellschaft klappte und Mitarbeiter sind zwischen vier und zwölf Monate beschäftigt. Im Gebäude der Firma Vierling sind Räume angemietet, in denen Bewerbungs- und Weiterbildungsmaßnahmen durchgeführt werden. „Etwa 80 Prozent der Mitarbeiter haben einen neuen Job gefunden“, schätzt Prechtel. Er erzählt, dass er einige Kaufinteressenten durch das Werk geführt hatte: „Aber das Gebäude ist halt alt.“ Ein holländisches Unternehmen verkaufe nun für die BMI die Maschinen. „Unsere neue Mozzarellastraße ist aber noch drin“, fügt Prechtel hinzu.

Er weist darauf hin, dass andere Molkereien Interesse gehabt hätten, wenn sie früher informiert worden wären. Bürgermeisterin Christiane Meyer berichtet, dass die Stadt Ebermannstadt gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises Forchheim die BMI unterstütze und nach einem Unternehmen suche, das sich in den Gebäuden niederlassen könne. Sie weist aber deutlich darauf hin, dass die Stadt hier keinem Wohnbau zustimmen werde. Laura Schick bildet sich gerade weiter und Michael Prechtel arbeitet bei einem Unternehmen in Ebermannstadt. Für beide war die Schließung vor einem Jahr und der Kampf für die Mitarbeiter ein Trauma, das sie erst verarbeiten müssen. Auf die Frage „Wollen Sie sich noch einmal woanders zu Betriebsräten wählen lassen?“ kommt ein deutliches „Nein, bloß nicht!“

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