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Schock sitzt tief
BMI-Aus: Wie geht’s weiter für die Mitarbeiter?
Das Milchwerk in Ebermannstadt soll im April geschlossen werden.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das Milchwerk in Ebermannstadt soll im April geschlossen werden. // Ronald Rinklef
Silke Launert, Laura Schick, Michael Grundl und Michael Prechtel (v. l.) diskutieren vor Ort über die Zukunft des Milchwerkes und der Mitarbeiter.Forchheim & Fränkische Schweiz
Silke Launert, Laura Schick, Michael Grundl und Michael Prechtel (v. l.) diskutieren vor Ort über die Zukunft des Milchwerkes und der Mitarbeiter. // Carmen Schwind
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
Ebermannstadt – Das modernisierte Milchwerk in Ebermannstadt wird im April geschlossen. Sind die Milchbauern verprellt worden?

„Ich war geschockt“, beschreibt Laura Schick den Augenblick, als sie von der geplanten Schließung des Werks Ebermannstadt der Bayerischen Milchindustrie (BMI) hörte. Sie ist die Betriebsratsvorsitzende des Werks und stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates.

Schick erzählt, dass sie von der geplanten Schließung während der Autofahrt zur Aufsichtsratssitzung erfuhr: „Ich wurde telefonisch informiert, dass es einen weiteren Tagesordnungspunkt gibt.“

Die Mitarbeiter hatten nicht damit gerechnet. „Es war ja erst viel Geld in das Werk investiert worden. Wir dachten, es geht voran“, bestätigt Betriebsrat Michael Grundl.

84 Mitarbeiter betroffen

Doch stattdessen hatten die 84 Mitarbeiter Ende September von der Schließung aus „rein wirtschaftlichen Gründen“ im kommenden April erfahren. In einer Pressemitteilung waren pauschal die sinkende Menge an Milchlieferungen, das Klima und Krisen angegeben.

„Man könnte das besser verarbeiten, wenn man wüsste, warum genau geschlossen werden muss“, meint Laura Schick.

Sie berichtet, dass der Betriebsrat wohl mit einer Betriebsänderung, aber nicht mit der Schließung gerechnet habe. Die Mitarbeiter hätten sich in den letzten Jahren sehr für das Unternehmen engagiert und seien in jeder Hinsicht flexibel gewesen.

„Vor Corona sind insgesamt über 10.000 Überstunden aufgelaufen, die wir dann abbauen konnten und weshalb wir keine Kurzarbeit anmelden mussten“, erläutert die Betriebsratsvorsitzende. Deshalb müsse man den Mitarbeitern jetzt eine gewisse Wertschätzung entgegenbringen und eine sichere Zukunft anbieten.

Launert fordert Transfergesellschaft

Das sieht auch die CSU-Bundestagsabgeordnete Silke Launert so, zu deren Wahlkreis Bayreuth/Forchheim Ebermannstadt gehört: „Im Interesse der Mitarbeiter sollte eine Transfergesellschaft gegründet werden. Ich finde, das ist das Mindeste, was man für die Menschen tun kann.“

Mitarbeiter der BMI hätten sich an sie gewandt und um Hilfe und Unterstützung gebeten.

Bei ihrem Besuch im BMI-Werk Ebermannstadt erklärt sie, dass Transfergesellschaften vom Bund bezuschusst werden. Der Betriebsrat findet das eine gute Idee. „Dann könnten sich die Mitarbeiter in Ruhe nach einer neuen Arbeitsstelle umschauen oder sich weiterbilden“, meint auch Laura Schick.

Silke Launert erzählt, dass sie von Mitarbeitern erfahren habe, dass diese Angst hätten, weil sie nach langer Betriebszugehörigkeit nun irgendwo anders bei null anfangen müssten. Auch hätten sie Sorge vor langen Wegen zur Arbeit und hohen Fahrtkosten.

Das Problem kennt auch Laura Schick, die in Teilzeit arbeitet und nur fünf Kilometer zur Arbeit hat: „Die steigenden Energiekosten haben nicht nur die Firma, sondern auch mich privat erreicht.“ Es sei wohl im Gespräch, dass Mitarbeiter in anderen Niederlassungen unterkommen können. „Doch die sind weit weg. Näher ist Zapfendorf. Aber da bangen die Leute auch. Es gibt keine ehrliche Option“, ergänzt Michael Grundl.

Silke Launert findet die Schließung besonders ärgerlich, weil in den letzten acht Jahren etwa 40 Millionen Euro investiert worden sind.

Meyer besichtigte den Betrieb

„Bei meiner Betriebsbesichtigung vorletzte Woche konnte ich sehen, dass der Betrieb in vielen Bereichen hochmodern ist“, berichtet Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE).

Weiter erklärt sie, dass der Stadt die Mitarbeiter am wichtigsten seien und dass das Gelände als Gewerbe- und Mischgebiet erhalten werden soll. „Der BMI-Vorstandsvorsitzende Thomas Obersojer hat in Gesprächen mir gegenüber signalisiert, dass Unternehmen für das Gelände gesucht werden und für die Mitarbeiter bestmöglich gesorgt werden soll“, so Meyer.

Auch der Forchheimer Landtagsabgeordnete Michael Hofmann (CSU) weiß von den Investitionen: „Das Management hat sich aber vor einiger Zeit verkalkuliert und die Preisspirale gegenüber den Milchlandwirten in die falsche Richtung gedreht. Ich höre aus deren Kreisen, dass dadurch viele verprellt wurden und sich andere Abnehmer gesucht haben.“

Für ihn sei es absehbar gewesen, dass die Landwirte sich ein solches Vorgehen nicht gefallen lassen. „Ich stehe da zu 100 Prozent hinter unseren Milchbäuerinnen und Milchbauern. Meiner Meinung nach kann es nicht sein, dass dafür nun die Beschäftigten die Zeche bezahlen. Das Management ist jetzt am Zug und sollte deutlich mehr tun als nur gesetzliche Vorgaben erfüllen“, fasst Michael Hofmann zusammen.

 

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