Der Klimawandel schreitet unbeirrt weiter voran. Dabei hat er auch massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die man auch in der Region Forchheim zu spüren bekommt. Ein irisches Regierungspapier schlägt nun vor, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, rund 200.000 Rinder auf der Insel innerhalb von drei Jahren zu keulen. Viele Klimaschützer schlagen seit Jahren vor, die Viehhaltung in der Landwirtschaft drastisch zu reduzieren. Hermann Greif, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands in Forchheim, hält davon wenig. Wenngleich auch er der Überzeugung ist, dass die Landwirtschaft sich dem Klimawandel anpassen muss.
Bereits seit längerem gibt es immer wieder Stimmen, die eine drastische Reduzierung der Tierbestände fordern. Bis zu 68 Prozent der Kohlenstoffdioxidemissionen sollen etwa einer aktuellen Studie – an der unter anderem der Begründer des amerikanischen Fleischersatzherstellers Impossible Food als Autor beteiligt ist – dadurch ausgeglichen werden können, würde die Tierhaltung weltweit eingestellt. Laut Hermann Greif sind derartige Ideen jedoch fernab von der Praxis in der Landwirtschaft.
Landwirte Teil der Lösung
„Wir Bauern erleben die Folgen des Klimawandels am eigenen Leibe“, erklärt er. Wer deshalb eine Abschaffung der Tierhaltung fordere und Viehwirten Vorwürfe mache, verstehe offenbar wenig von der Landwirtschaft. „Tiere stellen einen wichtigen Baustein in unserer Lebensmittelversorgung dar“, betont er. Dies gelte gerade in Hinblick auf den Klimawandel. Gerade qualitativ hochwertige Pflanzen wie die Sommergerste litten aktuell nämlich besonders unter dem sich wandelnden Klima.
„Wir Bauern sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems“, erklärt er. Die gesamte Weltbevölkerung zu Veganern umzuerziehen, funktioniere nicht. „Die Debatte Trog oder Teller läuft an der Realität vorbei“, erläutert der Landwirt. Jene Pflanzen, die als Viehfutter angebaut würden – ob Mais, Wintergerste, Soja oder auch Gras – seien oftmals nämlich nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. „Wintergerste hat beispielsweise zu wenig Proteine, um mit ihr vernünftiges Brot zu backen“, berichtet er. Lediglich durch den Einsatz von Tieren wie Kühen sei es möglich diese Pflanzen für den Menschen etwa in Form von Milchprodukten nutzbar zu machen.
Debatte von Ideologie bestimmt
„Jeder soll essen, was er will. Das gilt selbstverständlich auch für diejenigen, die sich gerne vegan ernähren wollen“, erklärt auch Professor Jörg Rühle, Experte für Futtermittelkunde an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Es sei bedenklich, dass tierische Produkte aus ideologischen Gründen in Verruf gebracht würden. Insbesondere da es sich bei ihnen um extrem hochwertige Lebensmittel handle, die im Bestfall dadurch entstehen würden, dass Tieren Pflanzen und Pflanzenteile verfüttert bekämen, die der Mensch selbst nicht essen könne. „Die für den menschlichen Verzehr geeigneten Pflanzenteile stellen beim Getreide beispielsweise lediglich 20 Prozent der Pflanze dar“, erläutert Rühle.
Außerdem seien Menschen vielerorts kaum dazu in der Lage, dort wo sie lebten, Ackerbau zu betreiben. Rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen weltweit seien fast ausschließlich als Weideland nutzbar. Grund hierfür seien unter anderem kalte Temperaturen, kurze Vegetationsperioden sowie nährstoffarme Böden die bestenfalls ausgesprochen ertragsarme Ernten erlaubten. Auch in Deutschland gebe es solche Gegenden. „Sie werden sich beispielsweise schwertun, Ackerbau auf einer Alm in den Alpen zu betreiben“, betont er. Solche Gegenden seien prädestiniert für die Tierhaltung.
Vorbild in Sachen Weidetierhaltung
Dass ausgerechnet Irland sich nun offenbar auf die Fahne geschrieben habe, die Zahl seiner Weidetiere deutlich zu reduzieren, empfinde er als ausgesprochen schade. „Die irische Milchwirtschaft gilt eigentlich als Vorbild dafür, wie man Weideflächen sinnvoll und zugleich ohne großen Kraftfuttereinsatz nutzt“, erklärt er. So würden die Tiere dort nahezu das ganze Jahr auf der Weide verbringen und sich von dem Gras ernähren, das dort wachse. Diese Bemühungen der irischen Landwirte würden nun durch das Regierungspapier leider untergraben.
Abkehr von Hochleistungssorten
„Dass Weidetiere ein Klimakiller sind, ist übrigens ein schräges Bild“, betont er. Immerhin seien Weideflächen wichtige Kohlenstoffdioxidspeicher und dabei deutlich effektiver als Ackerflächen. „Selbstverständlich ist es richtig, dass auch die Viehwirtschaft sich an den Klimawandel anpasst“, berichtet er. Dafür sei es aber nicht nötig, radikal alle Tiere abzuschaffen. Wichtiger sei es, dass in der Haltung noch stärker auf lokale Ressourcen gesetzt und den Import von Futtermitteln vom anderen Ende der Welt verzichtet werde. Sinnvoll sei zudem das Hinterfragen von Hochleistungsrassen und die Zuwendung hin zu Tieren, die besser an die regionale Futterverfügbarkeit angepasst seien. Die nächste Generation an Landwirten, die derzeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ausgebildet wird, sei sehr aufgeschlossen, was viele dieser Konzepte anginge und denke ausgesprochen klimabewusst.
Auch die Landwirte im Landkreis Forchheim sehen die Herausforderungen, die der Klimawandel für sie bringt und sind bereit, sich neu aufzustellen. „Mir ist durchaus klar, dass wir keine Rekordernten wie zu meiner Jugend mehr einfahren können“, berichtet Hermann Greif. Damals seien auch die Feldfrüchte auf Hochleistung gezüchtet worden. Inzwischen setzten Hersteller verstärkt auf Sorten, die resistenter gegen Krankheiten seien. Bereits seit längerem forderten Bauern jedoch auch Sorten, die mit Trockenheit klarkämen. „Bis es die gibt, dauert es aber noch“, erklärt er.
Lesen Sie auch:












