Knallrotschwarze Schilder ziehen in Ebermannstadts Hauptstraße derzeit alle Blicke auf die Hausnummer 16. In dem markanten Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert mit dem blauen Fachwerk befindet sich das Fotofachgeschäft Brinke.
Allerdings nicht mehr lange.
Foto Brinke Ebermannstadt: Filiale schließt nach 38 Jahren
„30 Prozent auf alles.
Totalabverkauf.
Wir schließen.
Danke für Ihre Treue.“
Die Ebermannstadter Filiale des Forchheimer Traditionsgeschäfts wird voraussichtlich Mitte April schließen, wie Inhaber Frank Brinke auf Anfrage des Fränkischen Tags bestätigt. Bis dahin würden er und sein Team versuchen, so viele Waren wie möglich mit Sonderpreisen abzuverkaufen. Danach ist Schluss.
Auf die Frage nach dem Warum versucht Brinke gefasst zu antworten. Der Einzelhandel habe vor allem in kleinen Innenstädten schon bessere Zeiten gesehen, sagt er diplomatisch. Der Online-Handel habe die Flaute in kleinen Geschäften befeuert, so Brinke.
Zudem habe die vor knapp einem Jahr eingeführte Pflicht für elektronische Passfotos einen für kleine Fotogeschäfte wie das Brinkes gefährlichen Trend ausgelöst: In vielen Rathäusern machen sie die biometrischen Aufnahmen gleich selbst.
Frank Brinke: Gründe für Aus in Ebermannstadt vielschichtig
„Das allein ist nicht ausschlaggebend für die Schließung“, sagt Brinke. Aber ein wichtiges Puzzlestück, das es der seit Jahren strauchelnden Branche weiter schwer mache. Seit flächendeckend mit Smartphones fotografiert wird, gehen die Absatzzahlen für Kameras und Zubehör zurück, Fotobücher et cetera erstellen viele im Internet selbst.
Kleinere, inhabergeführte Geschäfte wie Foto Brinke müssen sich mit viel Eigeninitiative und neuen Ideen in diesem Markt behaupten.
Sei es durch die Einführung von sogenannten Beauty-Passfotos in Forchheim. Oder der Spezialisierung auf hochwertige Shootings rund um Glückstage und Firmenevents. Oder dem Öffnen historischer Fotokisten, um die viel beachtete Ausstellung in der Forchheimer Kaiserpfalz zu ermöglichen.
Oder der Trennung einer Filiale.
Brinke konzentriert sich auf Hauptstandort in Forchheim
„Wir konzentrieren uns fortan auf unseren Hauptstandort in Forchheim“, sagt der 58-jährige Frank Brinke, der das Geschäft nunmehr in dritter Generation leitet. Bis vor einigen Jahren hatte es sogar noch in Bamberg eine dritte Filiale gegeben, zuletzt noch die beiden in Forchheim und Ebermannstadt. Zwei bis drei Mitarbeitende kümmerten sich bislang um die Filiale in Ebermannstadt. Auch weil eine Mitarbeiterin nun länger auszufallen droht, zieht Brinke die Reißleine nun schon etwas früher, als er es vielleicht irgendwann ohnehin hätte machen müssen.
Geschichte der Fotofamilie Brinke reicht weit zurück
Das Geschäft in der Ebermannstadter Hauptstraße wurde im Mai 1998 eingeweiht. „Maßstäbe in puncto kreativer Fotografie und fotografischem Warenangebot“ hatte die Reklame einst versprochen und damit nicht nur die Forchheimer Stammkunden für die zweite Filiale in Ebermannstadt begeistert. Zumindest bis zum April 2026.
Der Name Brinke selbst ist schon lange mit Fotografie verbunden. Frank Brinkes Großvater Heinz erstellte ab 1947 Passfotos der Forchheimerinnen und Forchheimer, damals noch wie üblich in der Drogerie. Ab 1950 eröffnete die Familie, bereits mit dem Sohn Günter Brinke, ein eigenes Fotolabor in der Klosterstraße. 1962 übernahm Heinz Brinke das Geschäft „Photo Luthardt“ am Paradeplatz – wo es im Laufe der Zeit von Günter Birke und nun Frank Brinke geführt wird.
Nach Schließung in Ebermannstadt – so geht es in Forchheim weiter
Wichtig ist dem 58-jährigen Frank Brinke zu betonen, dass die mit dem Namen Brinke verbundene Expertise rund um die Fotografie weiterhin erhalten bleibt. Und zwar am Hauptstandort am Paradeplatz in Forchheim. „Unsere Mitarbeiter aus Ebermannstadt werden dort weiterarbeiten, das freut uns natürlich“, sagt Brinke.
Schon jetzt hatte es in Ebermannstadt kein richtiges Fotostudio gegeben. Von den Passbildern abgesehen hätten die Shootings ohnehin in Forchheim stattgefunden. Darum sei die Schließung nun der logische Schritt.
Citymanagement: Ein neuer Leerstand für Ebermannstadt
Für Ebermannstadt indes setzt die Botschaft der Brinke-Schließung eine unrühmliche Liste der vergangenen Monate fort. Am Marktplatz haben Ende des Jahres beispielsweise die Kronen-Apotheke und Textil Winkler nach 48 Jahren ihre Türen für immer geschossen. Gleichzeitig hatte es zwar auch einige Neueröffnungen gegeben, aber die Stadt Ebermannstadt muss sich wie viele Kommunen mit dem Dauerbrenner Leerstandsmanagement auseinandersetzen. Und tut das auch.
So hat die Stadt Ebermannstadt im Februar mit Laura Eismann eine neue Mitarbeiterin bekommen, die die Standortentwicklung vorantreiben soll und als Ansprechpartnerin für Gewerbetreibende fungiert.
Eine moderne Innenstadt müsse mittlerweile auf einen klugen Mix setzen, sagt Bürgermeisterin Christiane Meyer vor Kurzem dem Fränkischen Tag. „Wir brauchen in der Stadt auch zukünftig Einzelhandel, wir wollen aber auch stabile Gastronomie, Dienstleistungsunternehmen und auch weiter städtischen Einrichtungen in der Innenstadt eine Fläche bieten“, sagt sie.
Wie es im ehemaligen Foto Brinke in Ebermannstadt weitergeht
Ob wieder ein Geschäft in die Hauptstraße 16 einziehen oder ob eine andere Unternehmung auf Foto Brinke folgen wird, ist derzeit noch unklar. Das Gebäude gehört Frank Brinkes Vater Günter Brinke. Der sei aktuell auf der Suche nach einem Nachmieter, sagt Brinke. Namen und Zeitpunkte sind zum jetzigen Zeitpunkt aber bislang nicht klar.

















