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Autozulieferer unter Druck
Stellen halbiert: Deshalb musste Forchheimer Firma entlassen
Der Pretzfelder Automobilzulieferer Geiger hat  in den vergangenen Monaten fast die Hälfte seiner Belegschaft abgebaut. Welche Gründe es gibt und wie es weitergeht.
Der Pretzfelder Automobilzulieferer Geiger hat in den vergangenen Monaten fast die Hälfte seiner Belegschaft abgebaut. Welche Gründe es gibt und wie es weitergeht. // Foto: Geiger GmbH
Pretzfeld – Großer Stellenabbau bei der Geiger GmbH: Der Pretzfelder Automobilzulieferer kämpft wie viele in der Branche um seine Zukunft und muss Jobs streichen. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Die gute Nachricht zuerst: Ein weiterer Stellenabbau ist derzeit nicht geplant. Die schlechte: Binnen zwei Jahren hat die Geiger GmbH, ein Automobilzulieferer aus Pretzfeld in der Fränkischen Schweiz, ihre Belegschaft nahezu halbieren müssen. Zählte der traditionsreiche Betrieb offiziellen Angaben zufolge Ende 2023 noch 209 Angestellte, sind es aktuell nur noch 112.

Geiger GmbH: Geschäftsführung bestätigt Stellenabbau

Wie Geschäftsführer Dieter Neller auf Anfrage von fraenkischertag.de bestätigt, habe es in den vergangenen Monaten zwei größere Entlassungen gegeben. „2025 ist ein Jahr der notwendig gewordenen Konsolidierung“, sagt er. Man habe handeln müssen, um die Firma zu retten. „Dieser Schritt, so viele Stellen abbauen zu müssen, ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Neller. Zuerst hatte man auf Freiwilligenprogramme mit Abfindungen gesetzt. Erst danach habe man weitere Stellen gemäß dem mit Betriebsrat und Belegschaft erarbeiteten Sozialplan abgebaut.

Immerhin, so Neller weiter, könne man nun nach vorne blicken und arbeite bereits an einer nachhaltigen Zukunftsstrategie. 1960 ist das Unternehmen in Pretzfeld von Ernst Ludwig Geiger gegründet worden. 2003 gab es eine große Erweiterung der Produktions- und Lagerfläche auf fast 15.000 Quadratmeter. 2018 hat das chinesische Unternehmen Zhejiang Tieliu Clutch Co., Ltd. die Pretzfelder Firma übernommen. Im Rahmen der Restrukturierung hat Dieter Neller die Geschäftsführung im Mai 2025 übernommen.

Geschäftsführer Dieter Neller, hier gemeinsam mit der kommissarischen Produktionsleiterin Katharina Wölfel im Gespräch mit einem Kunden.
Geschäftsführer Dieter Neller, hier gemeinsam mit der kommissarischen Produktionsleiterin Katharina Wölfel im Gespräch mit einem Kunden. // Foto: Rene Flindt/Geiger GmbH

Geiger-Geschäftsführer nennt drei Gründe für Jobabbau

Dieter Neller nennt nun im Wesentlichen drei Gründe für den Personalabbau. Zum einen spüre die Geiger GmbH wie viele andere Zulieferbetriebe der Automobilindustrie die aktuellen Probleme am Markt. Zumal der Betrieb seinen Kundenkreis nur innerhalb Europas pflege und somit stark an den innereuropäischen Rahmenbedingungen hänge.

Zweitens nennt Neller die wachsenden Unsicherheiten durch weltmarktpolitische Veränderungen. Entwicklungen wie den zunehmenden Protektionismus etwa oder die aggressive US-Zollpolitik. „Davon sind wir indirekt betroffen. Brechen unseren Kunden die Aufträge weg oder müssen sie diese anpassen, schlägt sich das auch auf unser Geschäft nieder“, sagt Neller.

IHK-Präsident Waasner: „Probleme kein Einzelfall“ 

„99 Prozent unserer Kunden arbeiten im Automotive-Bereich“, sagt er. So ist es kein Wunder, dass die Umsätze der Geiger GmbH nach einem generell schwachen Corona-Jahr im Zuge der Automobilkrise seit 2021 gesunken sind. Von 46 Millionen Euro (2021) auf zuletzt nur noch 22,9 Millionen Euro im Jahr 2024. Das wirkte sich stark auf die Gewinne aus. Den Abgaben zufolge schrieb das Unternehmen nach einem Rekordgewinn von fast fünf Millionen Euro im Jahr 2021 danach rote Zahlen. Ideen zum Sparen mussten her, Personalabbau war eine der Folgen.

99 Prozent der Kunden der Geiger GmbH stammen aus dem Automobil-Sektor. Das versucht die Firma derzeit zu ändern.
99 Prozent der Kunden der Geiger GmbH stammen aus dem Automobil-Sektor. Das versucht die Firma derzeit zu ändern. // Foto: Martin Landeck

Kein Einzelfall in der Branche, im Gegenteil. Wie Michael Waasner, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth und selbst Zulieferunternehmer, auf Nachfrage erklärt, laufe derzeit die „Verlagerungswelle“ weiter. „Diese wird noch beschleunigt durch eine Politik, die Kostenfaktoren am Standort eher verteuert.“ Bei der letzten IHK-Konjunkturumfrage in Bayern unter allen Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sahen laut Waasner 62 Prozent das größte Risiko bei der Inlandsnachfrage, 60 Prozent bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und 53 Prozent bei den Arbeitskosten.

Insolvenz des US-Unternehmens Nikola macht Geiger zu schaffen

Diese Sorgen kennt auch Dieter Neller für seine Geiger GmbH. Doch ein drittes, ganz konkretes Problem habe die Geschäftsführung in diesem Jahr akut handeln lassen müssen: die Insolvenz des US-amerikanischen Elektrolastwagenentwicklers Nikola. Deren Ziel lautete, dass ihre batterie- und brennstoffzellenbetriebenen Lastwagen die Straßen erobern sollen.

„Wir haben für diese Brennstoffzellen 16 wesentliche Komponenten gefertigt“, sagt Neller. Eine innovative Zusammenarbeit, von der man sich erhoffte, die schwierige Lage auf dem europäischen Verbrenner-Markt kompensieren zu können. Und es hätte tatsächlich das große Geschäft und der dringend benötigte Aufschwung für die Geiger GmbH bedeuten können.

Doch es kam anders, die Firma Nikola meldete im Februar dieses Jahres Insolvenz an. Vorher war deren Gründer Trevor Milton wegen Betrugs verurteilt worden (mittlerweile begnadigt). Geschworene befanden Milton damals schuldig, Investoren falsche Angaben über den Stand der Nikola-Technologie gemacht zu haben. Das Unternehmen, das 2020 an die Börse gegangen war, erholte sich nie wirklich von diesem Skandal.

Leidtragende dieser Insolvenz sind Gläubiger wie der Autozulieferer-Riese Bosch. Und die Firma Geiger GmbH, die von Pretzfeld aus Teil der Brennstoffzellentechnik-Zukunft sein wollte.  

Was Pretzfelds Bürgermeister zum Jobabbau sagt

In der Region wird die Nachricht eines weiteren von Jobabbau geplagten Unternehmens sorgenvoll aufgenommen. Pretzfelds Bürgermeister Steffen Lipfert (FW) betont die Bedeutung der Geiger GmbH als wichtiger Arbeitgeber und Partner der Gemeinde. Immerhin kann ihn die positive Nachricht aus dem Unternehmen etwas beruhigen, dass aktuell keine weiteren Stellen abgebaut werden sollen.

„Nach der Konsolidierung wollen wir nun nach vorne blicken“, sagt Geiger-Geschäftsführer Dieter Neller. So setze die Geiger GmbH noch verstärkter auf das Thema Elektromobilität und arbeite derzeit aktiv am Einstieg in alternative Industriefelder. Weg vom Automotive-Bereich. Und, sagt der Chef, erste Erfolge könne man bereits vermelden.

 

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