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Arbeiten bei Hitze
Wer besonders leidet – und wer überhaupt nicht
Asphalt gießen und Steine schleppen. Die Arbeit von Mario Born (links) und Zlatko Semec ist immer schweißtreibend.Forchheim & Fränkische Schweiz
Asphalt gießen und Steine schleppen. Die Arbeit von Mario Born (links) und Zlatko Semec ist immer schweißtreibend. // Andrea Beck
LKR Forchheim – Es gibt Jobs, die sind im Sommer noch anstrengender. Und es gibt Jobs, von denen zurzeit alle träumen. Die heißesten und die coolsten Jobs.

Die Sonne brennt vom Himmel, die Klamotten kleben am Körper und das Thermometer im Büro klettert auf 31 Grad. Wie schön muss es jetzt im Kühllager eines Supermarkts sein. Und wie furchtbar auf einer Baustelle, auf der Asphalt gegossen wird.

Der FT stellt sechs Menschen vor, die im Sommer die Kälte an ihrem Arbeitsplatz genießen oder aber mit der Hitze kämpfen.

Grillen in der Mittagssonne

Die zwei Dönerspieße von Andy’s Grill in Forchheim brutzeln zur Mittagszeit, der Pizzaofen läuft auf Hochtouren und in der Fritteuse braten die Pommes Frites. Und Betreiberin Beate Kugler würde jetzt am liebsten in einen kalten Pool neben ihrem Imbissstand springen. Doch da ist kein kalter Pool.

Dönerspieß und Pizzaofen machen “Andy’s Grill“ in Forchheim zur Sauna. Betreiberin Beate Kugler zählt deswegen zu den Gewitter-Fans.Forchheim & Fränkische Schweiz
Dönerspieß und Pizzaofen machen “Andy’s Grill“ in Forchheim zur Sauna. Betreiberin Beate Kugler zählt deswegen zu den Gewitter-Fans. // Andrea Beck

„Die Hitze macht mich fertig und wir rennen dazu ja noch die ganze Zeit in der Küche hin und her“, sagt Kugler und wischt sich über die glänzende Stirn.

Das zum Test in der Nähe des Grills aufgestellte Thermometer erreicht schnell die 60 Grad – das Maximum des Geräts. Dort, wo Kugler und ihr Mitarbeiter das Dönerfleisch schneiden, herrschen mindestens 70 Grad, im restlichen Raum um die 40 Grad. „Wenn es so heiß ist, wie in dieser Woche, bespritzen wir unseren Kühlschrank und die Kühltheke mit Wasser, sonst geben die irgendwann auf.“

Wenn sie die Hitze kaum noch aushält, stellt sich die 54-Jährige kurz vor den geöffneten Kühlschrank und träumt von ihrer kalten Dusche am Abend. „Wir freuen uns über jedes Gewitter.“

Schweißtreibende Bauarbeiten

Wer an schweißtreibende Jobs denkt, ist schnell beim Bauarbeiter, der mit sonnengebräuntem Oberkörper Pflastersteine verlegt. Einer von ihnen ist der 37-jährige Mario Born, der zurzeit für die Firma Max Bögl den Forchheimer Paradeplatz saniert. Als vor einigen Tagen der Asphalt auf den Platz gegossen wurde, schichtete er bei etwa 32 Grad Außentemperatur Splitt auf den 260 Grad heißen Asphalt.

Wirklich vor dieser Hitze schützen, können sich die Bauarbeiter nicht. „Wir benutzen Sonnencreme und trinken viel“. Ob es draußen 28 oder 32 Grad habe, sei dann auch schon egal. „Vor allem im Sommer ist die Arbeit immer anstrengend, aber sie muss ja gemacht werden.“

Schmiede das Eisen, solange es heiß ist

Den 260 Grad heißen Flüssigasphalt kann Kunstschmied Ortwin Polz aus Hausen noch toppen. Um aus Stahl und Eisen Messer oder Skulpturen zu formen, muss sein Metall erst in 800 bis 1000 Grad heißem Feuer glühen.

Polz’ Werkstatt im Süden von Forchheim ist ein altes Steingebäude ohne Isolierung geschweige denn einer Lüftungsanlage. In der Nähe des Schmiedefeuers ist es rund 70 Grad heiß. „Aber das ist jedem klar, der diesen Beruf lernt“, sagt Polz.

Der 73-jährige Meister ist nach mehr als 50 Jahren immer noch nicht von seinem Amboss wegzubringen. „Es ist eine Kunst, die viel Spaß macht, aber die Hitze muss man aushalten können. Wichtig sind regelmäßige Pausen, um sich abzukühlen.“

Das Feuer des Schmieds Ortwin Polz ist rund 1000 Grad heiß.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das Feuer des Schmieds Ortwin Polz ist rund 1000 Grad heiß. // Andrea Beck

Kalte Teufelshöhle

Um sich abzukühlen, macht Höhlenführer Martin Ashauer keine Pause, sondern er geht zur Arbeit. Der 47-Jährige begleitet Besucher durch die Teufelshöhle in Pottenstein. Diese liegt unter 60 Metern Fels begraben und hält ihre Temperatur im Sommer wie im Winter auf rund neun Grad.

„Ich vertrage zu viel Sonne nicht gut und freue mich an diesen heißen Tagen auf jeden Höhlengang.“

Ein Stab aus Führern teilt die Rundgänge unter sich auf, die täglich stattfinden und vor allem am Wochenende gut besucht sind. „Am Anfang heißt es von vielen Gästen ,Ohweh, ist das kalt’ und am Ende bringt man sie gar nicht mehr aus der Höhle“, sagt Ashauer.

Die Führer selbst kommen mit der Kälte unterschiedlich gut zurecht. „Ich bin in der Höhle im T-Shirt unterwegs, aber eine Kollegin packt sich jedes Mal in mehrere Schichten Kleidung ein.“

Bei neun Grad lässt es sich gut staunen. Höhlenführer und Gäste erwartet in der Pottensteiner Teufelshöhle eine angenehme Kühle.Forchheim & Fränkische Schweiz
Bei neun Grad lässt es sich gut staunen. Höhlenführer und Gäste erwartet in der Pottensteiner Teufelshöhle eine angenehme Kühle. // Tourismusbüro Pottenstein

Kellerbier lagert bei sieben Grad

Unter dem Blätterdach des Forchheimer Kellerwalds lässt es sich an heißen Sommertagen sowieso schon gut aushalten. Und wenn die Luft bei schwülen 32 Grad drückt, steht den Wirten und ihren Mitarbeitern ein weiterer Ort der Abkühlung offen: Die Felsenkeller, in denen das Bier lagert, werden im Sommer nicht wärmer als acht Grad.

„Unter der Woche holen wir zwei bis drei Mal am Tag ein neues Fass, während des Annafests jede halbe Stunde“, sagt der Wirt des Hebendanz Kellers Hermann Brand. In den jahrhundertealten Gängen unter zehn Metern Sandstein ist es so kalt, dass Brands Atemluft kondensiert.

„Die Keller sind für uns essenziell. Niemand trinkt Bier, das wärmer ist als acht Grad.“ Außer vielleicht die Engländer ...

Kellerwirt Hermann Brand geht im Sommer gerne Bier holen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Kellerwirt Hermann Brand geht im Sommer gerne Bier holen. // Andrea Beck

Frostige Kost aus dem Tiefkühlregal

Nicht nur hitzeempfindlich, sondern kälteverliebt müssen die Mitarbeiter des Kühllagers von bofrost in Hemhofen sein. Um die Kühlkette von Eis und Tiefkühlkost aufrechtzuerhalten, liegt die Temperatur im Lager konstant bei - 24 Grad.

Zu ihrem Schutz arbeiten die Mitarbeiter in Thermokleidung und verlassen das Lager alle zwei Stunden für eine kurze Aufwärmpause.

Laut dem Leiter der Niederlassung in Hemhofen, Andreas Zimmermann, ist die Arbeit für seine Mitarbeiter an heißen Sommertagen eine willkommene Abkühlung. Doch die enorme Kälte dürfe nicht unterschätzt werden. „Das Aufwärmen in den Pausenzeiten draußen geht bei hohen Außentemperaturen dann natürlich umso schneller.“

Im Bofrostlager in Helmhofen lagern die Mitarbeiter Tiefkühlkost bei -24 Grad ein. Ein wahrer Kältejob.Forchheim & Fränkische Schweiz
Im Bofrostlager in Helmhofen lagern die Mitarbeiter Tiefkühlkost bei -24 Grad ein. Ein wahrer Kältejob. // bofrost Dienstleistungs GmbH & Co. KG

 

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