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Fronten scheinen verhärtet
Laute Gelbwesten: Warum Piasten-Beschäftigte wieder streiken
Die Beschäftigten von Piasten streiken erneut: Mit Bannern und Trillerpfeifen zogen sie am Dienstag durch Forchheim. Noch bis Mittwochmorgen soll der Ausstand andauern.
Die Beschäftigten von Piasten streiken erneut: Mit Bannern und Trillerpfeifen zogen sie am Dienstag durch Forchheim. Noch bis Mittwochmorgen soll der Ausstand andauern. // Stephan Großmann
Forchheim – Die zweite Warnstreikwelle trifft Piasten in Forchheim ins Herz, diesmal länger denn je. Die Beschäftigten fordern mit Nachdruck mehr Geld. Wir haben vor Ort mit ihnen gesprochen.

Die Route könnte gar nicht besser passen. Bei bestem Oktoberwetter ziehen am Dienstagvormittag zahlreiche Beschäftigte über die Piastenbrücke. Die Aufschrift auf ihren gelben Westen verrät es, sie streiken. „Gemeinsam stark für bessere Tarife“, steht auf einem süßwarenrosanen Banner, das den kleinen Demonstrationszug anführt. Auf Höhe ihres Arbeitgebers, der Piasten GmbH, wird das Pfeifkonzert aus den roten Trillerpfeifen kurzzeitig ohrenbetäubend.

Ihre Forderungen sind deutlich.
Ihre Forderungen sind deutlich. // Stephan Großmann

26 Stunden Ausstand: Leute sind unzufrieden

Die Menschen hinter den Trillerpfeifen sind unzufrieden. Sie fühlen sich von ihrem Arbeitgeber nicht gehört, ihre Forderungen nicht ernst genommen. „Wir Mitarbeitenden kurbeln die Wirtschaft an, gleichzeitig wird alles immer teurer. Wir wollen auch etwas davon abbekommen“, sagt Marcel Schumm. Normalerweise arbeitet er in der Dragee-Abteilung, engagiert sich für den Betriebsrat. Heute läuft er ganz vorne mit, auch beim ersten Streik Mitte August war er – wie so viele hier – schon dabei.

Das Besondere: Heute dauert der Streik 26 Stunden, erst am Mittwochmorgen zur Frühschicht soll wieder Normalbetrieb möglich sein. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Alexander Schiefer spricht von einem Erfolg: „In der Produktion ist zu spüren, dass viele Kolleginnen und Kollegen nicht arbeiten. Das ist gut“, sagt er. Beim Marsch durch die Stadt gibt es hingegen kaum Beeinträchtigungen, die Polizei regelt den Verkehr sicher und zügig.

Alexander Schiefer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei der Piasten GmbH
Alexander Schiefer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei der Piasten GmbH // Stephan Großmann

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG): 9,9 Prozent mehr Lohn

Organisiert hat den Streiktag Inga Schneider. Sie ist Oberfrankens Gewerkschaftssekretärin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Wir streiken erneut, weil wir in den Tarifverhandlungen vorankommen wollen. Leider ist die Arbeitgeberseite keinen Schritt auf uns zugekommen“, sagt sie. Die NGG fordert 9,9 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 360 Euro für die Beschäftigten. Auszubildende sollen 190 Euro mehr bekommen. Und, das ist das Wichtigste für die NGG, alles bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Dass es klappen kann, wissen die Beschäftigten. Bereits im vergangenen Jahr hat die NGG einen Tarifabschluss für die 60.000 Beschäftigten in der Süßwarenindustrie erzielt und beispielsweise den unteren Lohngruppen 350 Euro mehr im Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie erstritten.

Inga Schneider, Gewerkschaftssekretärin NGG Oberfranken
Inga Schneider, Gewerkschaftssekretärin NGG Oberfranken // Stephan Großmann

Arbeitgeber und Gewerkschaft noch weit voneinander entfernt

„Wir sind in den Verhandlungen noch nicht einmal bis zu den Lohnforderungen gekommen. Es hat schon keine Einigung bei der Laufzeit gegeben“, erzählt Eva Galenzyka. Sie ist als Piasten-Betriebsrätin und Gewerkschaft Teil der Tarifkommission, sitzt also mit dem Arbeitgeberverband am Verhandlungstisch. Die Arbeitgeber hätten sich demnach auf eine Laufzeit von 24 Monaten festgelegt, außerdem hätten sie laut NGG lediglich ein Lohnplus von 4,9 Prozent in zwei Schritten angeboten.

„Leider ist die Firma Piasten, genauer die Geschäftsführung, nicht bei den Verhandlungen dabei“, sagt Galenzyika. „Und das, obwohl wir sie bei der letzten Betriebsversammlung noch einmal eingeladen hatten.“ Geschäftsführer Manfred Jus will sich am Dienstag trotz mehrfacher Nachfrage unserer Redaktion nicht zum Thema Tarifverhandlungen äußern.

Wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie reagiert

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) nannte den zweiten Verhandlungstermin am 17. September „konstruktiv“. Mario Mundorf, tarifpolitischer Geschäftsführer des BDSI, räumte damals aber ein: „Eine Einigung war trotz Annäherung beider Verhandlungspositionen, insbesondere bei der Laufzeit und der damit verbundenen Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen, leider noch nicht möglich.“

Tatsächlich ist der Umsatz beispielsweise von Schokolade und Zuckerwaren deutschlandweit kontinuierlich gestiegen in den vergangenen Jahren. So setzten deutsche Süßwarenhersteller 2023 allein mit Schokolade 9,2 Milliarden Euro und mit Zuckerwaren 3,05 Milliarden Euro um. Auch die Zahlen der Katjes International GmbH, die Piasten vor acht Jahren übernommen hatte, sprechen eine positive Sprache. Katjes setzte im vergangenen Jahr fast 300 Millionen Euro um, heuer könnten es noch einmal fast 30 Prozent mehr sein.

Katjes International, zu der die Piasten GmbH gehört, plant heuer ein neues Umsatzwachstum.
Katjes International, zu der die Piasten GmbH gehört, plant heuer ein neues Umsatzwachstum. // Stephan Großmann

Man stehe fest hinter seiner Belegschaft, teilt der BDSI mit. Gleichzeitig betonte er die zentralen Herausforderungen für die Unternehmen, beispielsweise die „Steigerungen von Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten, und zwar zusätzlich zu den in Deutschland ohnehin hohen standortbedingten Belastungen wie Steuern, Arbeitskosten und Bürokratie“.

Bayern: Es könnte nicht der letzte Streik gewesen sein

Bei den Beschäftigten in Forchheim verfangen solche „Ausflüchte“, wie es manche nennen, nicht. Man sei gut durch die Krise gekommen, dem Unternehmen gehe es doch gut, sagt einer, der schon Jahrzehnte bei Piasten beschäftigt ist. „Aber das auf dem Rücken von uns zu machen, ist nicht fair“, meint er. „Darum sind wir heute hier, um vor allem für die unteren Lohngruppen mehr Geld zu erstreiken“, sagt eine junge Frau aus der Verwaltung. Dass sich die Arbeitgeber nicht auf sie zu bewegen würden, könnten sie nicht verstehen.

„Wir in Bayern läuten jetzt unsere zweite Warnstreikwelle ein, um unserer Forderung Nachdruck zu verleihen. Wir erwarten ein deutlich verbessertes Angebot“, sagt Inga Schneider. Weiter verhandelt wird am 15. Oktober. Bis dahin sind bayernweit noch weitere Aktionen geplant. In Forchheim wird es erst einmal ruhig bleiben, sobald die Produktion am Mittwoch wieder angelaufen ist. „Aber“, das macht Inga Schneider deutlich: „Das kann sich schnell ändern.“

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