Seit vergangenem Freitag gibt es einen neuen Tarif in der Süßwarenindustrie. Arbeitgeber und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Auch die rund 440 Arbeiter von Piasten bekommen je nach Entgeldgruppe 300 bis 350 Euro mehr. Für Auszubildende steigt die Vergütung um 175 Euro im Monat. Außerdem erhalten Mitarbeiter eine Inflationspauschale von insgesamt 1000 Euro ausgezahlt. Azubis erhalten 750 Euro. Damit wird es heuer wohl keinen zweiten Streik bei dem Forchheimer Süßwarenhersteller geben. Ob ein solcher Streik für das Verhandlungsergebnis überhaupt nötig war, zweifelt Piasten-Geschäftsführer Manfred Jus jedoch an.
„Mit dem Streik ist es uns gelungen, für unsere Beschäftigten bundesweit einen der besten Tarifabschlüsse zu erlangen“, berichtet Inga Schneider, die seitens der NGG den Streik in Forchheim mitorganisiert hatte. Über 60 Betriebe hätten sich in ganz Deutschland an der Aktion beteiligt. „So eine Streikwelle hatten wir in der Branche noch nie“, erklärt sie. Das Ergebnis könne sich sehen lassen. Ein Facharbeiter verdiene damit laut Tarifvertrag im ersten Berufsjahr jetzt mindestens rund 3288 Euro. Auszubildende im ersten Lehrjahr erhalten 1125 Euro.
Geschäftsführung zeigt Verständnis
„Tatsächlich ist das Ergebnis recht hoch“, bestätigt auch Manfred Jus. Es sei jedoch vergleichbar mit den Tarifabschlüssen in anderen Branchen. „Das ist nicht ungewöhnlich“, berichtet er. Schließlich würden auch Arbeitgeber sehen, dass die Lebenshaltungskosten der Belegschaft stetig anstiegen. Daher habe er generell Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter infolge der wirtschaftlichen Lage mehr Geld verlangen würden.
„Aus diesem Grund stellt sich für mich persönlich auch die Frage, ob ein solcher Streik überhaupt nötig war, um ein solches Ergebnis zu erzielen“, erklärt er. Andererseits gehörten Warnstreiks traditionell auch zu Tarifverhandlungen dazu. „Immerhin laufen solche Streiks heutzutage deutlich gesitteter ab als noch vor 100 Jahren“, scherzt er. Böses Blut wegen der regen Teilnahme an dem Arbeitskampf, der im Werk zwei Schichten lahmgelegt hätte, gäbe es nicht. „Zwei Tage nach dem Streik haben wir zusammen mit unseren Mitarbeitern und ihren Familien, unser großes Familienfest zum 100-jährigen Firmenjubiläum gefeiert“, berichtet er.
Lage für Piasten schwierig
Trotz allen Verständnisses kommen sowohl der Streik als auch der neue Gehaltstarif aus Unternehmenssicht aktuell offenbar jedoch denkbar ungelegen. „Bereits das vergangene Jahr war für Piasten schwierig“, erläutert Jus. Schließlich sei auch die Süßwarenindustrie von der allgemeinen Preiserhöhung betroffen. Neben den Energiepreisen seien auch die Kosten für Zutaten wie Kakao und Zucker deutlich gestiegen. Dazu kämen die wachsenden Löhne.
„All diese Kostenpunkte müssen wir jetzt bei der Kalkulation für unsere Produkte mit einpreisen“, erklärt der Geschäftsführer. Ob Piasten mit diesen Preisen weiterhin auf dem Markt bestehen könne, sei eine Frage, die man erst in Zukunft beantworten können. Fest stehe, dass das Lohnniveau der Branche in Deutschland bereits vor der Tariferhöhung vergleichsweise hoch gewesen sei – gerade wenn man die Konkurrenz aus Osteuropa betrachte.
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