Die ersten Klänge des Keyboards auf der Bühne läuten den traditionellen Gottesdienst am 1. Mai ein. Über den Marktplatz hängt der Duft von frisch gegrillten Würsten und rund 120 Menschen lauschen teils sitzend, teils stehend der Predigt. Am Ende des Gottesdienstes soll eine Musikeinlage die Stimmung der Versammelten auflockern, bevor Forchheims DGB-Vorsitzender Torsten Okrent die Kundgebung der Gewerkschaften eröffnet.
Auch Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) richtet ein paar einleitende Worte an die Versammelten Gewerkschaftler. Gerade das diesjährige Motto der Kundgebung „Ungebrochen Solidarisch“, hat für viele in Zeiten der Tarifverhandlungen eine wichtige Bedeutung. „Für mich bedeutet das, dass alle zusammenstehen und kämpfen, damit für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen erreicht werden“, erklärt Okrent.
Aktuell können die Gewerkschaften einen leichten Aufwind feststellen. „Die Zahlen der Gewerkschaftseintritte steigen seit Anfang des Jahres leicht wieder. Aber das liegt auch daran, dass gerade Tarifrunden sind und die Leute einfach auch mehr Geld haben wollen“, beschreibt der DGB-Kreisvorsitzende. In seinen Betrieb, der Firma Piasten, sei auch ein Zuwachs an Jüngeren Gewerkschaftsmitgliedern zu sehen, doch von einer Trendwende würde Okrent noch nicht sprechen.
Die Kundgebung wird immer wieder durch kleine musikalische Pausen aufgelockert und an den verschiedenen Ständen der Gewerkschaften und teils Parteien herrscht ein reger Austausch. Dann betritt der Hauptredner Ben Pulz die Bühne. Er ist Generalsekretär der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft, kurz Verdi, München.
Direkt zu Beginn Prangert Pulz den Verlust der Kaufkraft in Deutschland an. Auch die aus seiner Sicht mangelnde Bereitschaft der Arbeitgeber, gute Vorlagen in die Verhandlungen einzubringen und die Missstände in der Pflege kritisiert er scharf. Für Pulz hat die aktuelle Entwicklung der Gewerkschaften verschiedene Gründe: „Ich glaube auf der einen Seite, dass es diese Möglichkeit der Zusammenkunft und Solidarität wie hier am 1. Mai braucht, auf der anderen Seite aber auch, dass die Inflation und was gerade in dieser Krise passiert den Menschen deutlich macht, dass es tatsächlich um existenzielle Fragen geht“.
Zu den bereits erreichten Abschlüssen ist Pulz zwiegespalten: „Mehr geht natürlich immer“, erklärt er, aber wichtig sei, dass gerade schon für die unteren Einkommensklassen einiges erreicht wurde. Klar sei aber auch, dass in den Dienstleistungsbereichen noch mehr Aufwertung stattfinden müsse. „Und da müssen wir mit dieser neuen Kraft, diesen neuen Mitgliedern in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass sich aus der aktuellen Dynamik ein dauerhafter Lauf entwickelt, damit wir da als Gegengewicht noch stärker werden können“, beschreibt der Generalsekretär der Verdi München.
Mit Blick in die Zukunft haben sowohl Okrent als auch Pulz noch Hoffnungen auf weiteren Mitgliederzuwachs und noch bessere Arbeits- und Lohnbedingungen. „Ich glaube, immer mehr Menschen verstehen, dass es nicht um ,es ändert sich von jetzt auf gleich‘, sondern um kleinere Marathons geht, die wir zu laufen haben“, beschreibt Pulz.



















