Eigentlich ist es doch eine schöne Sache: Beim Einkauf im Supermarkt in Höchstadt kann man im Rewe nicht nur Gemüse und Milch mitnehmen, sondern auch sein Paket abgeben und als Postbankkunde Bankgeschäfte erledigen. Milch, Gemüse und Pakete bleiben, doch mit den Bankgeschäften ist bald Schluss. Den Service gibt es in Höchstadt nur noch bis Ende des Jahres.
In der Partner-Filiale in Ebermannstadt zieht die Bank schon im Frühjahr den Stecker. Auch die Partner in Weisendorf und Baiersdorf sind schon informiert, ein genaues Datum steht dort aber noch nicht fest. Den Service für Bankkunden wird es auch in Neunkirchen am Brand und in Eckental bald nicht mehr geben.
Wie die Postbank auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt, wird sie das Geschäft in den Partner-Filialen bis 2026 komplett und deutschlandweit einstellen. Verschärfend kommt hinzu: Jede zweite der selbst betriebenen Postbank-Filialen soll darüber hinaus geschlossen werden. Aktuell gibt es die noch in Forchheim und Erlangen. Ob sie geschlossen werden, steht bisher noch nicht fest.
Gerade ältere Leute sind Opfer der Postbank-Kürzungen
Die Betreiber bestätigen gegenüber unserer Redaktion die Pläne der Postbank, weiter wollen sie sich aber öffentlich nicht äußern, schließlich stehen sie ja als Franchise-Nehmer auf Provisionsbasis noch in einer Geschäftsbeziehung mit der Bank.
Aber die Einschränkungen für die Kunden sehen sie durchaus. Manche nähmen schon jetzt weite Wege auf sich, um etwa eine Überweisung zu machen. Künftig werde der Weg dann schnell doppelt so lang. „An die alten wird einfach nicht mehr gedacht“, sagt ein Einzelhändler. Auch wenn die Entscheidung wirtschaftlich nachvollziehbar sei.
So argumentiert auch die Postbank: Immer mehr Kunden würden ihren Zahlungsverkehr per Online-Banking abwickeln und auch beim Bäcker mit EC-Karte oder Handy bezahlen. „Wir überprüfen regelmäßig das Netz dieser Partner-Filialen mit Bankdienstleistungen in Bezug auf Kundenverkehr, Produktnutzung und Kosten“, sagt Postbank-Sprecher Oliver Rittmeier: „Dabei beobachten wir schon länger, dass Kundinnen und Kunden ihre Bankgeschäfte zunehmend online durchführen und der Anteil bargeldloser Zahlungen steigt – was sich durch die Corona-Pandemie nochmals verstärkt hat.“ Der Kundenverkehr in den Filialen gehe daher immer weiter zurück.
Hinter der Postbank steht eigentlich die Deutsche Bank aus Frankfurt
Zur Post gehört die Postbank schon länger nicht mehr. Ab 2009 hat die Deutsche Bank das Geld schrittweise übernommen. Die Frankfurter Großbank steht schon länger in dem Ruf, auf das Privatkundengeschäft nicht allzu viel wert zu legen. Ein Eindruck, den die radikalen Kürzungspläne jetzt zu bestätigen scheinen. Mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt die Bank derzeit auch darüber, welche Filialen am Ende geschlossen werden und was aus den Mitarbeitern wird.
Gleichzeitig verhandelt die Postbank mit der Gewerkschaft ver.di auch über einen neuen Tarifvertrag. In der vergangenen Woche hat die Gewerkschaft auch schon zu ersten Warnstreiks aufgerufen. Verdi fordert für etwa 12 000 Beschäftigte im Deutsche-Bank-Konzern mit einem Postbank-Tarifvertrag 15,5 Prozent mehr Geld. Am 26. Februar soll in Frankfurt weiter verhandelt werden.
Kurz vor Weihnachten haben sich beide Seiten schon auf einen Punkt geeinigt: Der Kündigungsschutz, der Ende Januar ausgelaufen wäre, wird bis September 2024 verlängert. So lange soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Mit der Schließung von bis zu 250 der 550 Postbank-Filialen soll nämlich auch Personal abgebaut werden.
Was Postbank-Kunden jetzt tun können und wer beim Einrichten des neuen Kontos hilft
Viele Menschen schrecken immer noch vor Online-Banking zurück, teils weil die technischen Hürden zu hoch sind, teils aus Sicherheitsbedenken. Postbank-Kunden auf dem Land, die auf einen Service am Schalter nicht verzichten wollen, müssen daher jetzt wohl in einen anderen sauren Apfel beißen und die Bank wechseln. Sowohl die öffentlich-rechtlichen Sparkassen als auch die genossenschaftlichen Volksbanken verfügen sowohl im Landkreis Erlangen-Höchstadt als auch im Landkreis Forchheim noch über ein dichtes Netz an Geschäftsstellen.
Verbraucherschützer weisen auch immer wieder darauf hin, dass Bankkunden sich oft schwertun, die Bank zu wechseln. Denn Lastschriften, die zurückgehen, können schnell zu Ärger und Mehrkosten führen. Wer also ein neues Konto bei einer anderen Bank eröffnet, sollte sein Postbank-Konto also noch ein paar Monate behalten, um solche Probleme zu vermeiden.
Zudem müssen die Banken beim Kontowechsel helfen. Das regelt das Zahlungskontengesetz. Dabei fordert die neue Bank bei der alten Bank die entsprechenden Daten zu Lastschriften und Daueraufträgen ein, aber auch zu den Kontoeingängen, also etwa dem Arbeitgeber oder der Rentenkasse. Die neue Bank informiert dann alle über den Kontowechsel und richtet alles entsprechend ein. Dafür darf sie auch eine Gebühr verlangen, muss aber vorab über die konkreten Kosten informieren.
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