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Teurer Schulstart
Dieser Laden fördert Chancengleichheit für Schüler
Von Schreibern bis Pinsel: Im „Grünstift“ bekommen Schüler alle nötigen Materialien.Forchheim & Fränkische Schweiz
Von Schreibern bis Pinsel: Im „Grünstift“ bekommen Schüler alle nötigen Materialien. // Amelie Karl
Signet des Fränkischen Tags von Amelie Karl
Forchheim – Die Kosten für Ranzen, Hefte, Füller & Co. können Familien mit geringerem Einkommen vor Herausforderungen stellen. Der „Grünstift“ in Forchheim bietet Unterstützung.

Bald ist es wieder so weit: Die Kugelschreiber klicken, die Bleistifte werden gespitzt und die Filzstifte ordentlich in das Mäppchen einsortiert. Am 12. September startet die Schule in Bayern. Kindergrüppchen spazieren morgens durch die Straßen und Teenager jagen mit dem Fahrrad in die Schule. Gerade Erstklässler müssen nun von A bis Z ausgestattet werden.

Wichtig für jedes Schulkind sind Hefte, Blöcke, Stifte, Füller, Radiergummi und und und. Utensilien, die schnell ins Geld gehen. Ein Füller beispielsweise kostet schon zwischen zehn und 20 Euro. Viele Familien können sich, auch aufgrund der Inflation, dieses teure aber wichtige Zubehör zum Lernen nicht leisten. Doch was tun, wenn die Entscheidung zwischen einer Schultasche und den bezahlten Heizkosten fällt?

Der Schulmaterialladen „Grünstift“ hilft

Seit 2008 bietet der Caritasverband im Landkreis Forchheim eine Lösung: Der erste Schulmaterialladen „Grünstift“ Bayerns hilft Familien mit knappen finanziellen Mitteln, die Kosten leichter zu bewältigen. 2014 hat Bamberg nachgezogen und ebenso einen Laden eröffnet. Im „Grünstift“ werden neuwertige Schulmaterialien zu 25 Prozent des ursprünglichen Preises verkauft.

So liegt ein Pelikan-Füller, der zuvor zehn bis 15 Euro kostete, nun preislich zwischen zwei bis vier Euro. Buntstifte erhält man für 3,30 Euro und für ein Geodreieck muss man nur noch 20 Cent im Laden lassen. Normalerweise öffnet das Geschäft in der Haidfeldstraße 10 seine Pforten für die jungen Kunden jeden ersten Mittwoch im Monat, doch im September gelten aufgrund des bevorstehenden Schulstarts Sonderöffnungszeiten.

GrünstiftForchheim & Fränkische Schweiz
Nicht nur den Inhalt, auch eine günstigere Schultasche gibt es im „Grünstift. // Amelie Karl

Die sieben ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmern sich schon seit Juni fleißig um gefüllte Regale und besorgen für die einkaufswütigen Familien alles, was das Schülerherz begehrt. Caritas Vorstand Peter Ehmann erklärt, dass die Arbeit im „Grünstift“ nur durch Wertschätzung, Kommunikation und vor allem Solidarität möglich ist.

So sei das Projekt vor allem auf Spenden und Ehrenämter angewiesen. Denn immer mehr Familien nehmen dieses Hilfsangebot an: Während 2008 noch 85 Kinder ihre Schulmaterialien im „Grünstift“ besorgten, sind 2022 bereits 250 Kinder Kunden.

Die Kunden des „Grünstift“

Um im „Grünstift“ einkaufen zu können, benötigt jede Familie eine sogenannte Einkaufskarte. Bei jedem Einkauf muss diese und ein Ausweis mitgenommen werden, verdeutlicht Ehmann. Nach einer Bedürftigkeitsprüfung, während der Einkommen, Vermögen und Mietnachweis begutachtet werden, erhalten Familien mit geringen Einkommen den Anspruch auf Hilfeleistung.

Ab einem Einkommen von Höhe des Bürgergeldes plus 30 Prozent gelte man als bedürftig und dürfe seine Ansprüche geltend machen. Konkret wären das bei einer Familie mit zwei Schulkindern circa 3200 Euro Netto.

Ein Projekt gegen Kinderarmut

Das Projekt entstand, um Kinderarmut entgegenzuwirken, verrät Ehmann. Er erzählt, dass zum Zeitpunkt der Entstehung 2008 nur 1,63 Euro pro Kind im Monat für Schulmaterialien zur Verfügung gestellt wurden. Viel zu wenig, sagt seine Erfahrung.

Im Grünstift sind die Hefte deutliche günstiger als im Schreibwarenladen.
Regale voll mit Schulmaterialien: In diesem Laden in Forchheim wird der Einkauf zum Schulstart immerhin etwas günstiger. // Amelie Karl

So wurde das Projekt zur Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ins Leben gerufen und der erste „Grünstift“ entstand. „Um jedem Kind gleiche Chancen zu ermöglichen, muss jedes Kind die gleiche Grundausstattung erhalten“, so Ehmann.

Später änderte sich das: Seit 2011 unterstützt das Bildungs- und Teilhabepaket Kinder und Jugendliche aus Familien mit wenig Geld mit 174 Euro im Jahr für Schulmaterialien. Somit haben die Eltern nun mit 14,50 Euro monatlich wesentlich mehr zur Verfügung als noch 2008. Dennoch gibt der Vorstand der Caritas Forchheim zu bedenken, dass von diesem Geld neben kleineren Anschaffungen wie Radiergummis oder Spitzer weitaus höhere Kosten anfallen.

Rund 60 Euro werden fällig

Er spricht von mittlerweile 60 Euro Materialgeld in den Schulen, die Anschaffung von sogenannten Workbooks oder digitalem Virenschutz durch die vermehrte Arbeit mit Medien und die Digitalisierung des Unterrichts. Auch dürfe man nicht vergessen, dass für den Sportunterricht ein Trainingsanzug und Turnschuhe nötig sind, zählt Ehmann auf. Das seien alles Dinge, die wichtig für eine funktionierende Chancengleichheit in den Schulen sind.

Ehmann betont, wie groß die Bedeutung von Kindern für unsere Gesellschaft ist. „Kinder sind unsere Zukunft!“, meint er. Da jedes Kind unter verschiedenen Bedingungen aufwachse, mache sich die Caritas zur Aufgabe, die Bedingungen so anzupassen, dass Chancengleichheit möglich sei. Umso wichtiger seien die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die einen Start in ein gerechteres Leben möglich machen.

Sonderöffnungszeiten im September

Zum Schulstart hat der Laden in Forchheim zu folgenden Zeiten geöffnet:

Mittwoch, 06.09.2023: 10 – 12 Uhr und 15 – 17 Uhr
Freitag, 08.09.2023: 15 – 17 Uhr
Montag,  11.09.2023: 15 – 18 Uhr
Dienstag, 12.09.2023: 15 – 18 Uhr
Mittwoch, 13.09.2023: 15 – 18 Uhr
Freitag, 15.09.2023: 15 – 17 Uhr
Dienstag, 19.09.2023: 15 – 17 Uhr
Donnerstag, 21.09.2023: 15 – 17 Uhr

Schulmaterialien spenden: So funktioniert’s

Weitere Informationen gibt es auf caritas-bamberg-forchheim.de oder unter der Tel. 09191 707224. Da der Schulmaterialladen sich zu einem Großteil durch Spenden finanziert, ist das Team des „Grünstift“ über Unterstützung immer dankbar. Wer einen gebrauchten Schulranzen für Erstklässler abzugeben hat, kann sich mit der Caritas telefonisch in Verbindung setzten.

Wer durch finanzielle Mittel helfen möchte, kann mit dem Kennwort „Grünstift“ an folgende Bankverbindung spenden:
Sparkasse Forchheim, IBAN DE 96 7635 1040 0000 0026 00

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