Planschen, springen, tauchen – Reiner Zitzmanns Enkelin hat viel Spaß im Forchheimer Königsbad. Wie üblich im Sommer besucht sie gerade mit ihrem Geschwisterchen ihre Großeltern in Effeltrich.
Wie üblich in den Ferien, legen sich die rüstigen Rentner mächtig ins Zeug, um ihrem Herzensbesuch allerlei Action rund um die Fränkische Schweiz zu bieten. Für den 77-Jährigen und seine Frau Doris keine Frage, schließlich sei man eine Familie. Oder etwa nicht?
„Ich habe mich schon gewundert, als ich an der Freibadkasse erfuhr, dass wir keine Familienkarte erwerben durften“, sagt Zitzmann. „Dabei wurden wir sogar gefragt, ob es unsere Kinder seien“, fügt er lachend hinzu und streicht sich dabei über seinen schneeweißen Bart.
Er blieb ehrlich, die Regel klar: keine Familienkarte für Familie Zitzmann.
Eintritt im Freibad: Familienkarte nicht für jede familiäre Konstellation
Nachgeschaut auf der Preisliste: 17,50 Euro kostet eine Familien-Tageskarte im Königsbad, gültig für Eltern mit eigenen Kindern. Wie Stadtsprecherin Britta Kurth auf FT-Nachfrage einräumt, sei diese Familienkarte tatsächlich nicht für Großeltern gedacht.
„Wir nehmen gerne große Rücksicht auf alle modernen Familienformen. Aber der Preis ist schon echt günstig, vor allem Vergleich in der Region. Da können wir die nicht für jede familiäre Konstellation gelten lassen“, schreibt sie. Zumal es für die Kassierer dann kaum noch nachvollziehbar sei.
Wildpark Hundshaupten eine der wenigen Ausnahmen
Tatsächlich steht das Königsbad mit dieser Regelung nicht allein da. Ähnliches gilt beispielsweise im Ebsermare und in den meisten Freibädern in Oberfranken sowie in anderen Freizeitattraktionen.
Eine der Ausnahmen bildet der Wildpark Hundshaupten. Dort habe man sich bewusst dafür entscheiden, zwei Erwachsene und die Kinder als Familie anzuerkennen. Tante, Oma, Cousine – Familie ist, wer dabei ist.
Diese Argumentation kann Reiner Zitzmann schon eher nachvollziehen. Zumal, wie er im Bad beobachtet hatte, sowieso nicht kontrolliert würde, ob es denn wirklich die eigenen Kinder seien.
Die Zitzmanns haben sechs Enkel, ihre eigenen drei Kinder wohnen verteilt über die gesamte Bundesrepublik. Im Wechsel kommen alle sechs Enkel meist in der Ferienzeit zu ihnen nach Effeltrich. „Unsere Kinder sind berufstätig, natürlich helfen wir dann gerne aus. Es hält ja auch uns fit.“
Das Modell Großeltern-Kita wie bei den Zitzmanns ist kein Einzelfall, vielmehr sogar die Regel. Laut einer im vorigen Sommer vorgestellten gemeinsamen Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung würden Deutschland mehr als die Hälfte der Kinder unter sechs Jahren regelmäßig von ihren Großeltern betreut.
BIP Deutschland: Großeltern sparen Milliarden Euro ein
Im Westen Deutschlands sind die Großeltern am Nachmittag neben den Eltern bei jungen Kindern sogar die Hauptbetreuungsform. Durchschnittlich auf neun Wochenstunden kommen die Omas und Opas immerhin, wie Zahlen aus dem Jahr 2020 zeigen.
Diese Zahlen auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet ergeben ein Volumen von etwa 1,75 bis 1,95 Milliarden Stunden. Würden Großeltern hierfür den Mindestlohn erhalten, entspräche dies einem Wert von 21 bis 23,4 Milliarden Euro oder etwas mehr als ein halbes Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts 2022.
Auch wirkt sich dieser Generationenmix positiv alle Beteiligten aus – auf die Kinder, deren Eltern und die Großeltern selbst.
Wie bei den Zitzmanns aus Effeltrich. „Solange wir können, werden wir unsere Enkel die Sommer über bei uns aufnehmen. Und wenn wir immer öfter auch einmal eine Familienkarte lösen können – umso besser.“
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