Nach langen Verhandlungen über einen Sozialplan haben sich Geschäftsführung und Betriebsrat des Forchheimer Herstellers von Spezialfolien Loparex in der Einigungsstelle auf einen Sozialplan verständigt.
„In mehreren Sitzungen einer einberufenen Einigungsstelle ist es gelungen, einen für alle Beteiligten zufriedenstellenden Sozialplan zu erarbeiten“, teilte das Unternehmen am Donnerstag in einer schriftlichen Presseerklärung mit. Man habe ein tragbares Ergebnis für beide Seiten erzielt, ließ Geschäftsführer Rüdiger Schmitz mitteilen.
Auch Dieter Koppenhöfer, Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), der die Verhandlungen auf Arbeitnehmerseite unterstütze, zeigte sich froh über den Abschluss. „Aufgrund der Finanzzahlen, die man uns von Seiten der Geschäftsführung vorgelegt hat, ist das erzielte Ergebnis gut“, sagte Koppenhöfer auf FT-Nachfrage. Besonders erfreulich und ein Erfolg für den Betriebsrat: Statt der ursprünglich vorgesehenen 84 Stellen, die wegfallen sollten, sind es nun am Ende noch 67.
Verbesserte Abfindung
Die Abfindungsregelung für die Beschäftigten, denen gekündigt wird, sei jetzt auch besser als anfänglich vorgesehen, teilte Koppenhöfer mit. Details nannte der Gewerkschaftssekretär nicht. „Der Abfindungsfaktor bewegt sich im durchaus üblichen Rahmen für Betriebe, in denen die wirtschaftliche Situation angespannt ist“, sagte er nur.
Eine Transfergesellschaft für die von den betriebsbedingten Kündigungen Betroffenen werde es nicht geben. Der Betriebsrat hat sich laut Koppenhöfer in den Verhandlungen bevorzugt auf die Abfindungszahlungen konzentriert. Dem Vernehmen nach geht man aufseiten des Unternehmens davon aus, dass die Freigesetzten am derzeitigen Markt sowieso andere Jobs finden können.
„Der vorliegende Sozialplan wahrt die Interessen der betroffenen Beschäftigten, ohne die Leistungsfähigkeit von Loparex zu überfordern und stellt damit einen Grundstein für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens dar“, sagte Koppenhöfer.
Zahl der Beschäftigten sinkt deutlich
Aber auch, wenn „nur“ noch 67 Kündigungen bei Loparex ausgesprochen werden sollen: Die Zahl der Beschäftigten, die zu Jahresbeginn noch rund 650 betrug, sinkt jetzt deutlich. Denn zu den Kündigungen kommen beim Stellenabbau noch 100 Mitarbeiter mit Zeitverträgen hinzu, deren Verträge nicht verlängert werden. Insofern wird Loparex Mitte 2024, wenn die betrieblichen Veränderungen umgesetzt sein sollen, in Forchheim dann nur noch rund 480 Menschen beschäftigen.
Forchheim einziger deutscher Standort
Loparex ist ein international agierendes Unternehmen mit insgesamt elf Standorten. Der Hersteller von Trennpapieren und -folien beliefert Kunden in Schlüsselmärkten wie Klebebänder, Bauwesen, Verbundwerkstoffe, Automobil, Elektronik, erneuerbare Energien, Gesundheitswesen, Grafik, Hygiene, Etiketten sowie Logistik & Versand.
Die Firma wurde 1906 als Papierhersteller in Finnland unter dem Namen Lohjan Paperi gegründet. Nach dem Zusammenschluss mit dem britischen Getränkedosenhersteller Rexam plc im Jahr 2001 nannte sich das Unternehmen in Loparex um – eine Kombination der beiden Namen.
2019 wurde die Firma durch den Investor Pamplona Capital Management gekauft und fusionierte mit dem Unternehmen Infiana, welches 2015 aus der ehemaligen Foliensparte der finnischen Firma Huhtamaki hervorgegangen ist.
Zu Infiana gehörte damals auch das Werk am Standort Forchheim. Dieses wurde 2020 offiziell zur „Loparex Germany GmbH“ und somit ein eigener Teil der Loparex-Organisation.
Der Sitz des Mutterkonzerns liegt heute nicht mehr in Finnland, sondern in Cary in North Carolina.
Forchheim ist der einzige Standort in Deutschland.
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