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Entlassungen bei Loparex
Forchheims Folienspezialist baut massiv Stellen ab
Paukenschlag bei einem der größten Arbeitgeber Forchheims. Eine große „Umstrukturierung“ steht an, diese wird vielen Mitarbeitern den Job kosten.Forchheim & Fränkische Schweiz
Paukenschlag bei einem der größten Arbeitgeber Forchheims. Eine große „Umstrukturierung“ steht an, diese wird vielen Mitarbeitern den Job kosten. // Andreas Wolfger
Forchheim – Mehr als ein Viertel der Mitarbeiter beim Forchheimer Folienspezialisten Loparex soll das Unternehmen verlassen. Wie tief steckt einer der größten Arbeitgeber im Landkreis in der Krise?

Die Mitarbeiter der Loparex Germany GmbH klingen sauer.

Nicht nur der Nachricht wegen. Wie jetzt bekannt wurde, ist ihnen am Dienstag in einer Mitarbeiterversammlung verkündet worden, dass die Geschäfte schleppend liefen. Man müsse reagieren.

Und dass 184 Menschen wohl alsbald nicht mehr zur Arbeit in der Zweibrückenstraße in Forchheim erscheinen müssen.

Gut 650 Menschen arbeiten bei Loparex in der Zweibrückenstraße in Forchheim. Das wird aber nicht so bleiben.Forchheim & Fränkische Schweiz
Gut 650 Menschen arbeiten bei Loparex in der Zweibrückenstraße in Forchheim. Das wird aber nicht so bleiben. // Andreas Wolfger

Einer der Mitarbeiter hatte sich an den FT gewandt. Auch er ist sauer. Das Schlimmste für ihn sei die „Emotionslosigkeit“, mit der Rüdiger Schmitz, Mitglied der Geschäftsführung, seinen Mitarbeitenden die unfrohe Botschaft überbracht haben soll.

Noch am Mittwoch, 14. Juni, jedenfalls sprach der Konzern auf seiner Facebookseite im Zuge einer Veröffentlichung zu einem Vertriebs-Workshop noch von „aufregenden Zeiten“. Man sei stolz auf seine „engagierten Teams“ und wolle „weiterhin außergewöhnliche Ergebnisse erzielen“.

Der letzte Satz der Meldung lautet: „Lasst uns die Herausforderungen, die vor uns liegen, gemeinsam als Team angehen, um auch 2023 herausragende Meilensteine zu erreichen!“

Dass mehr als ein Viertel der Belegschaft diesen Weg nicht mitgehen soll, ist darin mit keiner Silbe erwähnt. Das Unternehmen gehört mit seinen gut 650 bis 700 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern Forchheims.

Seit Donnerstagnachmittag ist der Post nicht mehr auf der Facebookseite zu finden (liegt der Redaktion aber als Screenshot vor).

Betriebsrat von Loparex äußert sich noch nicht

Einer, der qua Amt über Einblicke verfügt, ist Peter Knust. Der Betriebsratsvorsitzende der Firma Loparex in Forchheim kann und will sich aktuell aber noch nicht zu dem Thema äußern. „Wir sind in der Findungsphase“, sagt er am Donnerstag auf Anfrage.

Nun stünden in den nächsten Tagen weitere Gespräche an. Wie üblich in Fällen von derlei Umstrukturierungen müssen Fragen nach einem sozialverträglichen Ausscheiden und möglichen Alternativen der betroffenen Mitarbeiter geklärt werden.

Geschäftsführung erklärt Hintergründe

Nachdem die FT-Recherchen in der Forchheimer Chefetage aufschlagen, lädt Geschäftsführer Rüdiger Schmitz prompt zum Gespräch.

„Wir spielen mit offenen Karten. Auch gegenüber unseren Mitarbeitern“, erklärt er. Ziel der Maßnahme sei es, ein Fortbestehen des Standorts Forchheim zu sichern. Eine Aufgabe oder ein Verkauf einzelner Geschäftsbereiche sei nicht geplant.

Rüdiger Schmitz führt aktuell die Geschäfte in Forchheim. Zugleich gehört er  zum achtköpfigen Führungsteam der Konzernzentrale in den USA.Forchheim & Fränkische Schweiz
Rüdiger Schmitz führt aktuell die Geschäfte in Forchheim. Zugleich gehört er zum achtköpfigen Führungsteam der Konzernzentrale in den USA. // Stephan Großmann

Bereits seit über einem Jahr erlebe Loparex aber Einbrüche bei den Bestellungen. Diese beträfen nahezu alle Geschäftsbereiche – am schlimmsten aber die Bauindustrie.

Hier seien bei einigen Kunden rund 60 Prozent der Aufträge weggebrochen. Aber auch in der Automobilindustrie gebe es Probleme.

„Wir sind nicht von einer Insolvenz bedroht“, betont Schmitz. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse man sich nun aber global neu aufstellen. Den Anfang mache Forchheim. Etwa für die Standorte in den USA und China würden aktuell noch Analysen laufen.

184 Stellen in Forchheim sind betroffen

„Betroffen sind in Forchheim tatsächlich 184 Stellen“, bestätigt Schmitz. Gekündigt werden sollen laut Plan der Geschäftsführung jedoch lediglich 85 Mitarbeiter.

Die übrigen Stellen würden dadurch reduziert, dass man Verträge nicht verlängere, Azubis nicht übernehme und ältere Kollegen vorzeitig in Rente schicke. Wie der Stellenabbau tatsächlich realisiert werde, hänge jedoch von den derzeit stattfindenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat ab.

„Wir hoffen, diese Verhandlungen möglichst noch bis zu den Sommerferien abzuschließen“, sagt er. Dann sei auch geklärt, ob es eine Transfergesellschaft geben werde.

Geschäftsführung Loparex: Gespräche mit Betroffenen laufen bereits

„Uns ist wichtig, dass die Mitarbeiter schnell Klarheit in Bezug auf ihre Zukunft im Unternehmen erhalten“, sagt Schmitz.

Aus diesem Grund gehe die Führung seit der Mitarbeiterversammlung bereits proaktiv auf jene Mitarbeiter zu, die laut dem Plan künftig von den Entlassungen betroffen seien. Dies gebe auch jenen, die blieben, Sicherheit.

„Uns ist bewusst, dass für manch einen da eine Welt zusammenbricht“, betont der Manager. Hierfür stehe am Standort eine Psychologin als Anlaufstelle bereit.

Die Folienherstellung hat große Tradition in Forchheim. Das Unternehmen firmierte seit 1854 unter einigen Besitzern und Namen.
Die Folienherstellung hat große Tradition in Forchheim. Das Unternehmen firmierte seit 1854 unter einigen Besitzern und Namen. // Marc Schechtel/Archiv

Folienherstellung mit langer Tradition in Forchheim

Die Firma Loparex fertigt und entwickelt in Forchheim Spezialfolien unter anderem für die Automobilbranche, die Bauindustrie sowie für den Hygiene- und Medizinbereich.

2019 verschmolz Loparex mit der Vorgängerfirma Infiana. Folienherstellung in Forchheim hat seit 1854 Tradition, die heutige Firma Loparex änderte in ihrer wechselvollen Geschichte mehrmals Eigentümer und Namen.

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