„Was ich vermissen werde? Die Leute“, gibt Apotheker Christian Redmann zu. Zum 31. Juli wird er die Stadt-Apotheke Ebermannstadt schließen. „Und um Gerüchten vorzubeugen: Es sind persönliche Gründe, warum ich schließe“, fügt er hinzu.
Redmann erzählt, dass er seit vier Jahren mit einer Apothekerin verheiratet ist, die die Apotheke ihrer Familie übernommen hat und weiterführen will. Und diese Apotheke befindet sich in der Nähe von Aschaffenburg. „Mir fällt es schwer, mein geliebtes Ebermannstadt zu verlassen, aber die Apotheke meiner Frau wird schon in der dritten und vierten Generation fortgeführt. Und es gibt ja auch das Thema Familienplanung“, erklärt Redmann.
Der Apotheker ist in Ebermannstadt geboren und aufgewachsen. Vor Jahren machte er ein Praktikum in der Stadt-Apotheke bei dem damaligen Inhaber Peter Morys. „Dieses Menschliche und dem Patienten Zugewandte hat mich beeindruckt“, erzählt Redmann. Er habe sich gleich in die kleine Apotheke verliebt.
Hinwendung zum Kunden
Heutzutage höre man wohl ständig, dass sich Apotheken oder Firmen um ihre Kunden bemühen: „Aber das ist eigentlich nur ein Werbelabel.“ Bei Peter Morys habe er aber eine wirkliche Hinwendung gespürt, deshalb konnte er sich nur eine Arbeit in dieser kleinen Apotheke in der Kleinstadt Ebermannstadt vorstellen.
„Man kennt die Leute, man schätzt sich, man duzt sich und kann die Menschen über Jahre hinweg begleiten“, schwärmt der Apotheker. Und auch die Zusammenarbeit mit den Ärzten sei sehr gut und auf Augenhöhe gewesen. Besonders die Beratungen der Kunden haben ihm sehr gefallen.
Er hatte auch die Möglichkeit, in Vorträgen die Menschen über Palliativmedizin oder Aromatherapie zu informieren. „Es war auch interessant, Leute aus der Kindheit – wie zum Beispiel Lehrer – anders kennenzulernen“, sagt Redmann. Das Zwischenmenschliche sei ihm sehr wichtig gewesen. Eine sehr gute fachliche Beratung gehöre zu diesem Berufsbild dazu, aber viel wertvoller sei der zwischenmenschliche Kontakt.
Lehrauftrag an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
In Zukunft will er seine Frau unterstützen und weiter Bücher und Veröffentlichungen schreiben. Seinen Lehrauftrag an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen will er beibehalten. Christian Redmann ist sich sicher: „Das bringt mich immer wieder in die Gegend.“ Er habe nur Sorge, dass er schnell vergessen werde könnte.
„Die Stadt-Apotheke steht wirtschaftlich gut da“, meint der Apotheker. Er muss aber auch zugeben, dass Online-Apotheken eine große Konkurrenz seien und Apotheken vor Ort bedrohten. Auch elektronische Verschreibungen unterstützten diese Entwicklung. Gerade der Kauf von rezeptfreien Artikeln sei online immer beliebter. „Das hat in Ebermannstadt aber keine große Rolle gespielt. Ich habe da nichts gemerkt“, berichtet Christian Redmann.
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Er gehe davon aus, dass Online-Apotheken eher in Städten eine Bedrohung für Apotheken seien: „Bei uns hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Allerdings hätte er gern die Apotheke in die Hände eines Kollegen oder einer Kollegin gegeben, die diese ebenfalls zu schätzen wissen.
Einen Nachfolger finden
„Es ist schwierig, einen Nachfolger zu finden. Das ist ein generelles Problem“, erklärt der Apotheker und sagt, dass es in seinem Berufsstand eine Überalterung gebe: „Ich schätze, dass etwa ein Drittel der Apotheker in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen.“ Oft gebe es keinen Nachfolger in der Familie. Er selbst habe in Fachzeitschriften inseriert, Kontakte über Großhändler hergestellt und mit Unternehmensberatern gesprochen.
Ein Kollege hatte überlegt, die Stadt-Apotheke als weitere Filiale zu führen. Doch das hatte nicht geklappt. Selbst Filialleiter zu finden sei schwierig. „Die Interessenten sind vor der Verantwortung zurückgeschreckt“, erzählt Redmann. Er hofft, dass sich doch noch ein Nachfolger findet. Die Apotheke will er erst einmal eingerichtet lassen.
„Im bayernweiten sowie im bundesweiten Trend gibt es bei der Zahl der Apotheken einen Rückgang“, gibt die Pressestelle der Bayerischen Landesapothekenkammer bekannt. Von 2019 bis 2020 ist die Zahl der Apotheken in Deutschland um 322 auf 18.753 gesunken. In Bayern ist die Zahl der Apotheken im Vergleich zum Vorjahr um 54 auf 3019 zurückgegangen. 2015 gab es in Bayern insgesamt noch 3236 Apotheken.
Dieser Trend wird gespiegelt im Regierungsbezirk Oberfranken, wo es nach aktuellem Stand 286 Apotheken gibt. 2015 waren es noch 309 Apotheken. „Stadt und Landkreis Forchheim bilden dazu eine erfreuliche Ausnahme“, heißt es weiter. Dort gibt es insgesamt 30 Apotheken. Davon befinden sich zwölf in der Stadt Forchheim. Diese Zahlen haben sich seit 2015 nicht geändert.
Schließung auch in Forchheim
Jedoch gibt es auch in Forchheim eine Apothekenschließung zum 26. Juni. „Im Landkreis Forchheim ist die Apothekenabdeckung vor Ort im Verhältnis zu anderen Landkreisen in Bayern insgesamt sehr gut – erkennbar insbesondere am Nacht- und Notdienst nachts und an Feiertagen.“
Während der Corona-Pandemie sei deutlich geworden, wie wichtig die Apotheken für eine verlässliche, flächendeckende Arzneimittelversorgung sind. „Apotheken haben sich dabei als sehr krisenfest erwiesen. Dennoch geht seit mehr als zehn Jahren die Zahl der Apotheken zurück“, so die Pressestelle.

















