Dass es in Ebermannstadt eine neue Tankstelle geben soll, steht eigentlich schon seit 2017 fest. Damals suchte die Stadtverwaltung einen Käufer für das rund 500 Quadratmeter große Grundstück zwischen Bundesstraße und Friedhofstraße. Damals einstimmig entschloss sich der Stadtrat für das Konzept „Tankstelle“ und setzte damit die Diskussion der kommenden acht Jahre in Gang.
Zuletzt stand der umstrittene Tankstellen-Standort im Januar und Oktober 2023 auf der Agenda der städtischen Gremien. Beide Male auch begleitet von scharfer Kritik vieler Anwohner, unter anderem im direkten Umkreis der zukünftigen Tankstelle. Die Stadt würde eine tolle Fläche direkt an der Einfahrt zur Stadt verschwenden, hört man dazu immer wieder. Nun landete die neue Tanke erneut auf der Tagesordnung des Bauausschusses, der Projektentwickler hatte kleine Änderungen am Plan vorgenommen und benötigte erneut das Zugeständnis des Stadtrats. Trotz eindeutiger Zusage des Gremiums könnte das Projekt nun mehr auf der Kippe stehen als zuvor.
Tankstelle bleibt Diskussionsthema
Denn die Diskussionssache als solche ist eigentlich eine simple. Die geplanten Gebäude der Tankstelle sollten nur um einige Meter verschoben werden. Da der Stadtrat dem ganzen bereits lange vorher seinen Segen gab, ist die Planungsänderung eine reine Formalität. Im Normalfall geht ein solcher Punkt ohne große Diskussion und vielleicht mit ein oder zwei Fragen vonstatten. Doch dass es dann doch zu einer großen Zahl an Wortmeldungen kommt, ist dem langen Streit rund um den Standort geschuldet.
Von Anfang an gegen das Tankstellenprojekt am Ortseingang ist nämlich Neue-Liste-Stadtrat Christian Kiehr. „Es ist ja nicht unbekannt, wie viele der Anwohner über dieses Projekt denken. Doch sie werden übergangen“, erklärt Kiehr in seinem Redebeitrag im Bauausschuss. Als Ortsvorsitzender des Bunds Naturschutz machen ihm auch die umwelttechnischen Aspekte der neuen Tankstelle Sorgen. „So nah am Wasserschutzgebiet, wo es auch mal zu Hochwasser kommen kann, eine Tankstelle zu bauen, halte ich für kritisch“, so der Stadtrat.
Das sagen Anwohner über die Pläne
Aber auch einige direkte Anwohner üben scharfe Kritik an der neuen Tankstelle, vor allem auch an deren Notwendigkeit. „Wir haben in Ebermannstadt bereits eine Tankstelle, vielleicht einige hundert Meter weiter, niemand wird auf der Straße liegen bleiben, weil er genau dort nicht tanken kann“, erklärt Anwohner Christian König im Gespräch mit der FT-Redaktion. Dazu wäre eine neue Tankstelle zu Zeiten der andauernden Mobilitätswende ein schlechtes Zeichen für Ebermannstadt. „Wir wollen ja weg von den fossilen Brennstoffen, ich empfinde den Plan als einen Schritt zurück“, so König.
Für die direkten Anlieger würde ebenfalls die allgemeine Qualität zurückgehen. „Man macht sich damit viel kaputt, auch der Verkehr wird dann mehr und nicht wie mal versprochen weniger“, erzählt Anwohner Tobias Heinlein, der direkt gegenüber des Grundstücks eine Schreinerei betreibt. So besteht etwa die Angst, dass die Kunden der Tankstelle ihre Fahrt nicht über die B470, sondern über die Friedhofsstraße fortführen. „Dort sollte der Verkehr ja eigentlich weniger werden. Die Planung der Tankstelle passt einfach nicht ins Verkehrskonzept“, beklagt auch Stadtrat Kiehr im Bauausschuss.
Kommt jetzt ein Bürgerentscheid?
Am Ende kann auch Christian Kiehrs Ansprache an seine Bauausschusskollegen eine erneute Zustimmung zu den Planungen nicht verhindern. Der Plan findet auch weiterhin eine klare Mehrheit im Stadtrat. Kiehr stimmt als einziger von acht gegen die Pläne. Was seine Ansprache und zusätzliche Befragung der Verwaltung aber brachte, ist eine mögliche Disruption des Projekts auf anderem Wege. So fragte Kiehr erneut, ob die Stadt das Grundstück explizit für den Bau der Tankstelle veräußerte, was Bürgermeisterin Christiane Meyer bejahte.
Sollte eine genügend große Menge der Ebermannstadter Bürger mit dieser Entscheidung nicht zufrieden sein, könnte es nun zu einem Bürgerentscheid kommen. Dafür möchte Kiehr, gemeinsam mit weiteren Kritikern, möglichst bald Unterschriften sammeln. „Die Leute sind unzufrieden mit dieser Tankstelle, wenn sich also genug Leute bereit erklären, ist es nur im Sinne der Bürger, das in einem Bürgerentscheid zu entscheiden“, erzählt Kiehr im Anschluss der Sitzung im Gespräch mit dem FT. Zumindest eine Unterschrift sollte er schon mal sicher haben: „Wenn jemand dafür Unterschriften sammelt, werde ich natürlich mit dabei sein“, erklärt Schreiner Tobias Heinlein.













