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Um Jahre zurückgeworfen
Rückschlag: Deshalb fällt der Burker Kita-Bau ins Wasser
Die Träume eines neuen Kinderhauses in Burk fallen ins Wasser. Zumindest auf absehbare Zeit. Das steckt dahinter.
Die Träume eines neuen Kinderhauses in Burk fallen ins Wasser. Zumindest auf absehbare Zeit. Das steckt dahinter. // Stephan Großmann
Forchheim-Burk – Schock im Stadtrat Forchheim: Die neue Kita in Burk darf nicht gebaut werden. Woran das liegt und warum das letzte Mittel Enteignungen sein könnten.

Michael Friedrich arbeitet gerne hier. Der Kinder wegen, aber auch der hilfsbereiten Eltern. Unter anderem ihnen hat es der Leiter des Katholischen Kindergartens Heilig Dreikönig im Forchheimer Stadtteil Burk zu verdanken, dass sich alle wohlfühlen in dem in die Jahre gekommenen Gebäude. So könne es schon vorkommen, dass die engagierten Eltern auch baulich mit anpacken, so hatte neulich erst beispielsweise der Besitzer der Malerei Werner aus Burk die Gruppenräume ehrenamtlich gestrichen.

„Wir fühlen uns hier wohl und machen das Beste aus dem alten Gebäude“, so Friedrich. Nur eins können er, sein Team und die Eltern nicht anpacken. „Die Kita ist zu klein für einen so großen Stadtteil wie Burk“, sagt Friedrich. 48 Kinder betreue er in seiner Kita, „es gibt Anmeldungen für nochmal so viele“, sagt er. Auch fehle es dringend an einer Krippenbetreuung für die unter Dreijährigen. Mit großer Hoffnung schauen die Anwohner schon seit Jahren auf die Planungen der Stadt Forchheim, ein neues Kinderhaus zu errichten. Daraus wird erst einmal nichts.

Leiter der Kita Burk, Michael Friedrich
Leiter der Kita Burk, Michael Friedrich // Andreas Wolfger

Uwe Kirschstein überrascht Stadtrat mit der Neuigkeit

Ein Schock. Für den einen mehr, für den anderen weniger überraschend. Wenig überraschend, weil das Landratsamt Forchheim bereits im Vorfeld auf die hohen Hürden hingewiesen hatte. Ebenfalls die Regierung von Oberfranken hatte sich im November 2024 bereits ablehnend zum Bauleitverfahren geäußert. 

Doch es bleibt ein Schock, was Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) seinen verdutzten Stadtratsmitgliedern am Dienstag im Planungsausschuss zuruft. „Wir dürfen nicht bauen“, sagt er. Und zitiert aus einem Bescheid der des Landratsamtes Forchheim, der seiner Verwaltung das Baurecht in der jetzigen Form der Planung abspricht.

Das Kinderhaus sollte am Seetalweg entstehen, auf einer Ackerfläche direkt hinter dem Wertstoffhof. Das Problem: Das Gebiet befindet sich in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet der Regnitz. Formal dürfe dort unter anderem nur dann gebaut werden, wenn es vor Ort keine Alternativen außerhalb des Überschwemmungsgebietes gibt. Das ist der Knackpunkt: Wie Kirschstein aus dem Bescheid vorliest, will die Genehmigungsbehörde anders als die Stadt sehr wohl alternative Standorte erkennen.

Landratsamt sieht – anders als die Stadt Forchheim – Alternativen

„Das Landratsamt Forchheim konnte keiner Ausnahme zustimmen, da die hohen gesetzlichen Hürden für eine solche nicht zu überwinden waren", teilt ein Sprecher des Landratsamtes auf Anfrage mit. „Die Stadt Forchheim hat andere Möglichkeiten der Siedlungsentwicklung außerhalb des Überschwemmungsgebiets, beziehungsweise kann solche schaffen. Die Verkaufsbereitschaft etwaiger Eigentümer ist nicht das entscheidende Kriterium zur Annahme einer Alternativlosigkeit im Sinne der Vorschrift."

OB Kirschstein („Wo die genau liegen sollen, weiß ich nicht.“) und allen voran der Burker CSU-Rat Holger Lenhard reiben sich verwundert die Augen. Klar gebe es mögliche Flächen in Burk. Aber als bestens geeignet sah man das Seetalweg-Grundstück an, hinzu kommt: Die Eigentümer waren bislang nicht bereit, ihre Grundstücke an die Stadt zu veräußern. Dies allein könne aber laut des von Kirschstein zitierten Bescheids nicht „das entscheidende Kriterium“ sein.

Während Lenhard den Status als Überschwemmungsgebiet per se infrage stellt („Das war vielleicht früher einmal so, vor dem Kanalbau.“) und sich nun ärgert, dass solche bürokratischen Finessen „auf dem Rücken der Kinder“ ausgetragen würden, prangert auch Manfred Hümmer von den Freien Wählern an, dass man „Knüppel zwischen die Beine geworfen“ bekomme, wenn man als Kommune tatsächlich die verlangten Kitas bauen wolle. Diese Kritik richte sich nicht an das Landratsamt, sagt Kirschstein. „Die müssen ihre Bescheide anhand der geltenden Regeln erstellen.“

Auf 1500 Quadratmeter sollten hier eigentlich einmal 111 Kinder Platz finden.
Auf 1500 Quadratmeter sollten hier eigentlich einmal 111 Kinder Platz finden. // Stephan Großmann

Kinderhaus Burk mit 111 Plätzen geplant

Eigentlich wollte die Stadt dort ein Kinderhaus für insgesamt 111 Kinder errichten, aufgeteilt auf 75 Plätze für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren und je 36 Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren. Bereits im Sommer 2023 macht sich die Verwaltung auf die Suche nach einem Träger, ursprünglich wollte man im Herbst dieses Jahres bereits eröffnen. Hierfür gingen auch Bewerbungen ein, unter anderem von dem katholischen Träger der jetzigen Kita in Burk.

Der Bedarf für eine neue Kita ist weiterhin da, doch OB Kirschsteins Verwaltung sieht sich unter diesen Bedingungen gezwungen, die Planungen an dieser Stelle abzubrechen. Ob und wo ein neuer Standort gefunden werden könnte, ist völlig offen. Klar ist, dass die ohnehin schwierigen Verhandlungen, alternative Grundstücke zu erwerben, nicht einfacher werden. Schon allein, weil die Eigentümer nun – falls sie überhaupt plötzlich bereite wären – horrende Preise verlangen könnten, die sich Forchheim in der aktuellen Lage niemals leisten könnte.

Zwar könnte die Stadt im letzten Schritt passende Grundstücke enteignen, weil ein Gemeinwohl für eine neue Kita besteht. Aber diese Enteignungen zögen langwierige Prozesse mit sich.

Wirkt sich Kita-Aus auch auf Festplatz in Burk aus?

Weiterhin unklar ist, inwieweit sich das Aus des Kita-Projektes auf den ebenfalls neu gedachten Festplatz auswirken wird. Beide würden unmittelbar nebeneinander liegen, für beide hätte die Zufahrt verbreitert werden müssen. Sowieso wurden beide Bauprojekte (Festplatz und Kita) als eine Art Einheit gesehen. Gegen die Festplatzpläne formierte sich nicht nur Protest vonseiten der Anwohnerschaft, auch die Verwaltung selbst hat das Projekt im Sinne der Haushaltssperre von der Prioritätenliste genommen.

Weiterhin draufstehen wird jedoch die Kita in Burk. Noch blicken Erzieherchef und Träger der jetzigen Kita in Burk bis auf die Warteliste optimistisch drein. Es darf nur nichts Großes kaputtgehen.

 

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