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Viele marode Brücken im Kreis
Regnitzbrücke in Neuses wird neugebaut – und die anderen?
Die Regnitzbrücke in Neuses soll neu gebaut werden. Weil das noch dauert, soll bis dahin eine Fahrbahn wegfallen. Doch das ist nicht die einzige Brücke im Kreis mit Sanierungsbedarf.
Die Regnitzbrücke in Neuses soll neu gebaut werden. Weil das noch dauert, soll bis dahin eine Fahrbahn wegfallen. Doch das ist nicht die einzige Brücke im Kreis mit Sanierungsbedarf. // Anna-Lena Reif
Landkreis Forchheim – Hunderte Brücken stehen im Landkreis Forchheim, nicht wenige davon sind marode. Bei der Regnitzbrücke in Neuses tut sich bald was. Wie schaut es aber sonst aus?

Sie geraten ins Schwitzen, zittern, das Herz stolpert – bis zu fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden der Universität Würzburg zufolge an Höhenangst (Akrophobie). Doch die Höhe ist nicht der einzige Grund, warum es vielen Menschen derzeit bange wird, wenn sie über eine der unzähligen Brücken laufen oder fahren. Spätestens seit dem Einsturz der Carolabrücke im September in Dresden. Marode, baufällig oder mindestens sanierungsbedürftig – Deutschland hat ein Brückenproblem. Der Landkreis Forchheim auch?

Staatsstraße 2264: Neubau der Regnitzbrücke in Neuses geplant

Still und beinahe reglos zieht der Main-Donau-Kanal an Neuses bei Eggolsheim vorbei. Nichtsahnend, dass die 1960 gebaute Brücke, welche die Staatsstraße zwischen dem Kreisverkehr und der Fährstraße darüber führt, deutlich in die Jahre gekommen ist. Wie das Staatliche Bauamt Bamberg mitteilt, hatte eine statische Überprüfung der 112 Meter langen Brücke „Defizite bei der Tragfähigkeit“ ergeben.

Die Brücke über den Main-Donau-Kanal stammt aus dem Jahr 1960.
Die Brücke über den Main-Donau-Kanal stammt aus dem Jahr 1960. // Anna-Lena Reif

Im Landkreis Forchheim befinden sich im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Bauamts Bamberg 96 Brücken. Deren Zustandsnote betrage laut der Behörde im Durchschnitt 2,2 (die Skala geht von 1 bis 4). „Von vorrangiger Bedeutung für die Brückenerhaltung sind Bauwerke mit einer Zustandsnote größer oder gleich 3,0“, heißt es. So wie die Brücke in Neuses.

Staatliches Bauamt: Start der Baumaßnahme dauert noch

„Eine Instandsetzung oder Verstärkung der Plattenbalkenbrücke ist aufgrund der Bauweise des Bauwerks nicht zielführend. Das Staatliche Bauamt Bamberg plant daher bereits einen Neubau des Brückenbauwerkes“, schreibt eine Sprecherin. Die Kosten hierfür trage der Freistaat Bayern. Bis es losgeht, könne noch dauern. Vorher müssten noch umfassende Planungsleistungen unter Einbeziehung von Naturschutz, Baustatik, Belangen der Schifffahrt, Grunderwerbsfragen und so weiter zu klären beziehungsweise zu erbringen sein.

Aber: „Um die Belastung auf der Brücke zu verringern, wird der Verkehr künftig halbseitig mithilfe einer Ampelanlage über die Brücke geleitet. So kann eine Vollsperrung vermieden und die Brücke bis zur Fertigstellung des neuen Brückenbauwerks wirksam entlastet werden. Der Radweg wird künftig über den abgesperrten Fahrstreifen geführt und mit Leitborden und Barken vom Fahrzeugverkehr räumlich getrennt.“

Insgesamt ist die bayerische Straßenbauverwaltung für die Planung und den Bau von neuen Brücken im Zuge von Bundes-, Staats- und den mitverwalteten Kreisstraßen sowie für die Erhaltung des Bestandes von rund 11.600 Brückenbauwerken in Bayern zuständig. Jährlich lasse sich der Freistaat für regelmäßige Kontrollen sowie die Erhaltung der Brücken mehr als 150 Millionen Euro kosten.

Bund, Bahn, Kommunen: Zehntausende Brücken in Deutschland

Doch es gibt noch mehr sogenannte Baulastträger. Für die 3650 Autobahnbrücken ist seit der Gründung der Autobahn GmbH des Bundes die Bundesverwaltung zuständig. Die Bahn beispielsweise, die in Deutschland 25.700 Brücken betreibt. Dazu zählen allein zwischen Erlangen und Eggolsheim mehr als 40 Bauwerke wie beispielsweise Überführungen, in der Fränkischen Schweiz und in Richtung Gräfenberg kommen noch einmal einige hinzu.

Darüber hinaus unterhält das Landratsamt Forchheim 57 Straßenbrücken im Kreis. Hinzu kommen noch Radweg- und sonstige Brücken (11) sowie Stützwände (26). Momentan gebe es keine größeren Baumaßnahmen und es seien auch keine geplant, erklärt Dieter Els vom Tiefbauamt des Landkreises. „Unsere Brücken sind größtenteils in Ordnung. Angst müssen wir auf jeden Fall keine haben.“

So fänden auch an den Kreisbrücken kontinuierlich Prüfungen statt und es würden kleinere Probleme direkt behoben, so Els. So stünden allein für den Bauunterhalt etwa 200.000 Euro im Jahresbudget bereit. Damit würden übers Jahr beispielsweise Geländer ausgebessert und kleinere Mängel repariert. Derzeit arbeite er an einem Bericht über den Zustand aller Brücken, so Els, der im Frühjahr dem Kreistag vorgelegt werden solle.

Brücken in der Stadt Forchheim: Sorgenkinder werden neu gebaut

Einen solchen Bericht gibt es auch für die Stadt Forchheim. 110 Brücken verbinden unterschiedlichste Ecken der Stadt miteinander. Bei 55 davon ist das städtische Tiefbauamt für den Erhalt zuständig. Alle sechs Jahre werden sämtliche Brücken auf Verkehrssicherheit, Standsicherheit und Dauerhaftigkeit untersucht, zudem werden Metall- und Betonbrücken alle drei Jahre einer Einfachprüfung unterzogen, Holzbrücken sogar jährlich.

Die neuesten Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2023 und bescheinigen Forchheims Brücken einen überwiegend „befriedigenden“ bis „ausreichenden“ Zustand. „Sehr gut“ ist nur eine, neun Bauwerke schneiden noch schlechter ab als der Durchschnitt. Die gute Nachricht: Die Schlusslichter sind entweder sowieso nicht mehr für den motorisierten Verkehr freigegeben oder ein Neubau ist längst in Planung, beziehungsweise wird schon umgesetzt.

Die Arbeiten an den Brücken in der Steinbühlstraße in Forchheim schreiten voran - Ende Mai will die Stadt fertig sein.
Die Arbeiten an den Brücken in der Steinbühlstraße in Forchheim schreiten voran - Ende Mai will die Stadt fertig sein. // Tiefbauamt Forchheim

Schlusslichter: Steinbühlstraße und An der Holzbrücke

Wie die beiden Brücken in der Steinbühlstraße. Weil sich der Zustand der Brücke weiter verschlechtert hatte, musste die Stadt die Brücken im Mai 2023 plötzlich sperren. Der Ersatzneubau schreitet derweil voran, die Stadt rechnet Ende Mai damit, die Brücken wieder freigeben zu können.

Ein weiteres Beispiel ist die Alte Holzbrücke über die Wiesent in Reuth. Gerade so dürfen noch Radler und Fußgänger über die 35 Jahre alte Brücke, nun soll sie neu gebaut werden. Zusammen mit der kleinen Feldwegbrücke ein paar Meter weiter soll das Vorhaben etwa 1,3 Millionen Euro kosten. Sollte es in den bald anstehenden Haushaltsberatungen grünes Licht geben, könnte es 2026 losgehen.

 

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