Heimlich und stumm schnappen die Fotofallen zu. Nichtsahnend hinterlässt das Tier eindrückliche Spuren auf den Wildtierkameras. In ganz Bayern ist der Räuber wieder auf dem Vormarsch, bildet Rudel, durchstreift seine etwa 205 Quadratkilometer großen Territorien. Auch im Landkreis Forchheim. Dem Vierbeiner ist es egal, wo er ist, doch den Bewohnern läuft bei dieser Nachricht jedes Mal ein seit Jahrhunderten kultivierter Schauer über den Rücken. Der Wolf ist (längst) wieder da.
Wölfe seit 2006 wieder in Deutschland unterwegs
Seit 2006 können in Bayern Wölfe nachgewiesen werden. Immer mal wieder hatte es in den vergangenen Jahren auch einzelne Sichtungen im östlichen Landkreis Forchheim gegeben. Wie die Daten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) bestätigen, wurde mindestens ein Wolf allein in diesem Jahr bereits dreimal gesehen. Die Behörde betreut das Monitoring in Bayern, eine lange Liste zählt allerlei Sichtungen im gesamten Freistaat auf.
Oftmals seien dies laut LfU einzelne durchwandernde Tiere, die ihre Elternrudel entweder aus dem südwestlichen Alpenbogen oder aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation, also aus Polen oder Nord-Ost-Deutschland, verlassen haben. Doch es gibt auch standorttreue Populationen, im Jahr 2024 lebten in Oberfranken an der Grenze zur Oberpfalz zwei Wolfsrudel in den Territorien „Kitschenrain“ und „Veldensteiner Forst“. Im selben Jahr wurden 32 gesicherte Wolfsnachweise, allesamt in den Landkreisen Bayreuth, Hof und Wunsiedel erfasst.
Wie die Regierung von Oberfranken nun ergänzend mitteilt, hatte es weiterhin zahlreiche „Wolfshinweise geringerer Datenqualität“ gegeben, teils auch in anderen Landkreisen Oberfrankens. „Aufgrund der Datengrundlage kann derzeit nur bei den beiden Rudeln im Landkreis Bayreuth von sogenannten standorttreuen Wölfen gesprochen werden“, heißt es. Ein Wolf, Wolfspaar oder Wolfsrudel gelte entsprechend den deutschen Monitoringstandards als standorttreu, wenn sie über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachgewiesen werden oder wenn ein männlicher und weiblicher Wolf gemeinsam ihr Territorium markieren oder Nachwuchs belegt ist.
Drei Sichtungen mit mindestens einem Wolf im Landkreis Forchheim
Wahrscheinlich nicht standorttreu, aber zumindest nachgewiesen sind ein bis drei Tier nun also auch wieder im Landkreis Forchheim. Den Daten gemäß jeweils durch Foto nachgewiesen, einmal am 2. Januar, einmal am 11. Januar. An diesem Tag ist überdies ein Fellbüschel gefunden worden. „Damit konnten wir zweifelsfrei bestimmen, dass es sich um einen Wolf handelt“, sagt ein Sprecher des LfU auf Anfrage. „Für eine Individualisierung reicht es aber leider nicht. Auch wissen wir nicht, ob es sich um dasselbe Tier wie auf dem Foto handelt.“
Bund Naturschutz und Jagdverband: „Angst müssen Menschen nicht haben“
„Wölfe sind scheue Tiere, Angst müssen die Menschen eigentlich nicht haben“, sagt der Forchheimer Vorsitzende des Bund Naturschutz Ulrich Buchholz. Aber unsere Region sei relativ dicht besiedelt, es könne also zu vereinzelten Begegnungen kommen. Zumal jetzt, da zwischen Januar und März die Paarungszeit der Tiere begonnen hat. Dann seien die Tiere besonders aktiv, weil Jungtiere ihr Familienrudel verlassen, um sich ein eigenes Territorium zu suchen. Auf der Suche nach einem neuen Territorium können Wölfe Distanzen von bis zu 80 Kilometer am Tag zurücklegen.
„Das wird auch bei unseren gesichteten Wölfen der Fall sein“, sagt Erich Fiedler. Er ist Kreisjagdberater und zugleich als sogenannter Netzwerker für große Beutegreifer vom LfU als Wolfsexperte geschult. Klar könne es hier und da zu Sichtungen und Begegnungen kommen. Vor allem unerfahrene Jungtiere können neugierig sein und sich erst spät zurückzuziehen.
„Aber bis jetzt ist alles im Rahmen, Problemwölfe haben wir hier keine“, so Fiedler. Heißt: Weder hatte es in jüngster Zeit nachgewiesene Risse von Wild- oder Herdentieren gegeben noch eine problematische Begegnung mit einem Menschen. „Für uns besteht kein Grund zur Sorge, man kann beruhigt spazieren gehen“, sagt er. Seit die Wölfe nach Deutschland zurückgekehrt sind, wurde kein Angriff von einem Wolf auf einen Menschen verzeichnet.
Was man bei der Begegnung mit einem Wolf beachten sollte
Und doch gibt es einige Dinge zu beachten, sollte man unwahrscheinlicher Weise doch einmal einem Wolf begegnen. Die Regierung von Oberfranken schreibt: „Wölfe reagieren beim Anblick von Menschen vorsichtig, ergreifen aber nicht immer sofort die Flucht. Für den Fall einer Begegnung mit einem Wolf ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sich langsam zurückzuziehen. Bei lautem Sprechen, Klatschen und Gestikulieren weicht der Wolf erfahrungsgemäß zurück. Hunde sollten insbesondere während der Ranzzeit von Januar bis Ende März an der Leine geführt und bei Sichtung eines Wolfs eng beim Menschen gehalten werden.“
Mitteleuropäische Wölfe ernähren sich zum überwiegenden Teil von Rehen, Hirschen und Wildschweinen. Laut Regierung von Oberfranken liege der Anteil an Nutztieren in der Nahrung im Schnitt unter zwei Prozent. „Im Jahr 2024 kam es in Oberfranken zu zwei Übergriffen auf Nutztiere, beide im Landkreis Wunsiedel. Dabei kamen zehn Schafe ums Leben; in beiden Fällen war kein ausreichender Herdenschutz vorhanden“, schreibt die Bayreuther Behörde.
Informationen für Weidetierhalter und Wolfssichtungen
Weidetierhaltende können eine bis zu hundertprozentige Förderung des Herdenschutzes erhalten. Voraussetzung ist, dass ihre Weideflächen im Umkreis standorttreuer Wölfe oder eines durch das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigten Nutztierrisses liegen. Fragen zum Herdenschutz beantwortet das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bayreuth-Münchberg unter der Telefonnummer 0921/5910.
Nur aufgrund von Wolfsnachweisen, die dem LfU vorliegen, können Gebiete der Herdenschutzförderung festgelegt werden. Wer Hinweise zu Wölfen hat, kann sich an die Fachstelle „Große Beutegreifer“ am LfU unter der Telefonnummer 09281/ 18004640 wenden, erreichbar montags bis sonntags von 10 Uhr bis 16 Uhr, oder per E-Mail an fachstelle-gb@lfu.bayern.de.
















