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Ödland statt Handwerksmeister
Breite Süd Forchheim: Ersehntes Gewerbegebiet im Wartemodus
Im äußersten Forchheimer Norden hätten eigentlich schon längst Dutzende Handwerksbetriebe loslegen sollen - doch das Gewerbegebiet „Breite Süd“ bleibt Zukunftsmusik. Nun kommt zumindest wieder Bewegung rein.
Im äußersten Forchheimer Norden hätten eigentlich schon längst Dutzende Handwerksbetriebe loslegen sollen - doch das Gewerbegebiet „Breite Süd“ bleibt Zukunftsmusik. Nun kommt zumindest wieder Bewegung rein. // Stephan Großmann
Forchheim – Forchheims Unternehmer warten seit Jahren auf das Gewerbegebiet „Breite Süd“. Bislang bestimmten Verzögerungen das Mammutprojekt. Nun gibt es gute Nachrichten – und schlechte obendrein.

Wie gerne würde Christian Jaklin ein Schildermeer sehen. Schilder, die im nördlichsten Forchheimer Zipfel den Weg zu richtig vielen Handwerksbetrieben weisen. Stattdessen schweift der Blick des Kreishandwerksmeisters abgesehen von Polizei und Haus der Wohnungsnotfälle, Autobahn und Blockheizkraftwerk über ein Ödland. Seit mittlerweile zehn Jahren soll dort eigentlich das Gewerbegebiet „Breite“ entstehen. Gearbeitet und geackert wurde tatsächlich viel seither – ein Gewerbegebiet aber ist noch lange nicht in Sicht.

Kreishandwerksmeister Jaklin zu Verzögerungen: „Bin angesäuert“

„Ich bin schon angesäuert, weil so lange nichts vorangeht“, sagt Jaklin. Denn der Bedarf ist nach wie vor da, Dutzende Betriebe könnten sich vorstellen, die perfekte Lage zwischen Autobahn, S-Bahn und Berufsschule für eine Ansiedlung zu nutzen. Bislang aber prägt dort lediglich ein Luftschloss das Landschaftsbild. „Hätte die Stadt damals Rom errichten müssen, …“ Jaklin schluckt hörbar am Telefon. „Dann würde heute noch nicht viel stehen. Es mag nachvollziehbare Gründe für die Verzögerungen geben", sagt er. „Aber die Stadt hat einfach zu zaghaft agiert.“

Immerhin – das ist die gute Nachricht – es kommt wieder Bewegung in die Sache. „Bebauungs- und Grünordnungsplan Nr. 2/6-4 (Neuaufstellung) Gebiet Forchheim-Nord, Bereich nördlich Polizei, zwischen Eggolsheimer Weg und Kaiser-Heinrich-Straße, Gewerbegebiet Breite Süd.“ So ist der Punkt auf der Tagesordnung beschrieben, mit dem sich Forchheims Stadtpolitik nun wieder einmal dem Marathon-Projekt annimmt. Immerhin hat der Planungsausschuss nun grünes Licht für den Entwurf des Bebauungsplans gegeben. Wieder einmal. Zumindest fast, doch dazu später.

Auf knapp vier Hektar ist das geplante Gewerbegebiet zusammengeschrumpft - von ursprünglich 14 Hektar.
Auf knapp vier Hektar ist das geplante Gewerbegebiet zusammengeschrumpft - von ursprünglich 14 Hektar. // Stephan Großmann

Gewerbegebiet „Breite Süd“: Was sich seit 2019 getan hat

Im Kern hat sich das Bauvorhaben noch nicht wegweisend über den Stand aus dem Jahr 2019 hinaus entwickelt. Neu ist etwa, dass der Bauhof keinen Platz mehr braucht. Schon damals war aber klar, dass das Vorhaben „Breite“ von einst stolzen 14 Hektar auf 4,3 Hektar schrumpfen würde. Das lag beispielsweise daran, dass in den Voruntersuchungen Bodendenkmäler gefunden worden waren, die sich später tatsächlich als wertvolle archäologische Ausgrabung entpuppen sollten. In der aktuellen Fassung des Entwurfs, zur „Breite Süd“ degradiert, sind sogar nur noch 3,8 Hektar übrig. Etwa weil es im südlichen Bereich Überschneidungen mit einem bereits vorhandenen Bebauungsplan gebe.

Zwar sind nun wichtige Zwischenschritte absolviert, so wurden mittlerweile beispielsweise die 30 Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange sowie die Ideen einiger Bürger (die meisten aus dem Jahr 2019) aus der sogenannten frühzeitigen Beteiligung eingearbeitet. Laut Stadtplanungsamt habe man die Stellungnahmen und den ausführlichen Umweltbericht weitgehend eingearbeitet und könne nun den fertigen Entwurf für die sogenannte förmliche Beteiligung noch einmal öffentlich auslegen.

Wirtschaftsförderung Forchheim fordert strategische Entwicklung der lokalen Wirtschaft

„Gut, dass es bei diesem Gewerbegebiet weitergeht“, sagt auch Viktor Naumann. In seiner Funktion als Wirtschaftsförderer der Stadt Forchheim könne er gar nicht genug Gewerbeflächen in seiner Stadt wissen. „Für die lokale Wirtschaft ist es immer gut, wenn Flächen auf den Markt kommen“, sagt er. Und damit meint er explizit nicht nur die Ansiedlung globaler Industrieriesen, sondern vor allem auch kleine und mittelständische Betriebe. Gleichzeitig möchte er keiner falschen Euphorie anheimfallen: „Wir reden schon zu lange über dieses Projekt. So schaffen wir die notwendige strategische Entwicklung der lokalen Wirtschaft nicht“, so Naumann.

Viktor Naumann, Wirtschafsförderer Forchheim
Viktor Naumann, Wirtschafsförderer Forchheim // Stephan Großmann

Schon 2019 war klar, was dort auf keinen Fall kommen sollte: Bordelle, Freiflächen-Photovoltaik, Logistikbetriebe, Tankstellen und Rastplätze zum Beispiel. Stattdessen war von einem Handwerkerhof die Rede. Die Vision: Viele kleinere und mittlere Betriebe nutzen die perfekte Lage für einen breiten Branchenmix. Mehr Angebot für bauwillige Kunden, mehr Platz für expandierende Unternehmen, mehr Sicherheiten bei den Gewerbesteuern – Naumann spricht von einer Win-win-Situation für alle. Ein echter Mehrwert nicht nur für Forchheim an sich, sondern vor allem für den Stadtnorden, findet er. Schließlich schaffe ein exzessiv genutztes Gewerbegebiet auch zahlreiche Arbeitsplätze.

Wie Christian Jaklin schaut aber auch Naumann derzeit lediglich zweckoptimistisch auf die Pläne. Bei aller Vorfreude, dass sich endlich etwas tun könnte, den großen Wurf können sie in der weit abgespeckten 4-Hektar-Version nicht erkennen.

Kreishandwerksmeister Christian JaklinForchheim & Fränkische Schweiz
Kreishandwerksmeister Christian Jaklin // Matthias Litzlfelder

14-Hektar-Gebiet könnte kommen – mit Verzögerungen

Zum Abschluss gibt es noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die geplante Straße zum Gewerbegebiet ist bereits so dimensioniert, dass sie für ein bis zu 14 Hektar großes Gewerbegebiet ausreichen würde. Vom Tisch ist die große Variante also noch nicht, nur in die Schublade gerutscht.

Die schlechte Nachricht: Das Projekt verzögert sich weiter. Der bereits Anfang Dezember erstellte Entwurf nennt noch Regelungen aus der im September erlassenen Freiflächengestaltungssatzung der Stadt Forchheim. Diese ist nun jedoch obsolet geworden, weil das Bayerische Bauministerium diesen Satzungen per Gesetz die Rechtsgrundlage erlassen hat. Streng genommen müsste der Bebauungsplan also vor der öffentlichen Auslegung diesbezüglich angepasst werden.

Den Stadträten im Planungsausschuss reicht das indes nicht; sie wollen, dass diese Änderung bereits in den Entwurf aufgenommen wird. Das heißt: Bevor er öffentlich ausgelegt werden kann, muss das Papier erneut den Stadträten vorgelegt werden.

Verzögerungspotenzial: mindestens ein Monat. Aber was sind ein paar Wochen schon in einem Zehnjahres-Zyklus. Und Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

 

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