Nur Schritt für Schritt geht die Kellerwaldsanierung in Forchheim voran. Dass eine groß angelegte Sanierung aufgrund des aktuellen Haushaltslochs der Stadt in diesem Jahr nicht möglich ist, war absehbar. Unter diesen Umständen hat der Stadtrat beschlossen, den finanziell machbarsten Weg zu beschreiten und wenigstens eine Musterstudie des Rappen Kellers in Auftrag zu geben.
Das trifft sich gut. Denn der Rappen Keller ist nach Bauamtsleiter René Franz ein vorbildliches Beispiel für alles, was im Kellerwald saniert werden müsste. Nach den Archivunterlagen wird der urige Keller bereits seit 1691 benutzt. Damit das für kommende Generationen von Forchheimern weiterhin der Fall sein kann, will Franz das historische Kellergebäude und den Standort auf seine Substanz überprüfen lassen.
Die geplante Untersuchung umfasst das denkmalgeschützte Gebäude im Schweizer Stil mitsamt der angrenzenden Sandsteinmauern, Schankflächen sowie dem historischen Toilettengebäude. Auch die umliegende Vegetation und das Wegesystem werden Teil der Analyse sein.
Günstiger Zeitpunkt: Förderung durch Regierung Oberfranken
Durch die Ergebnisse von Architekten, Statikern und Freiflächengestaltern könne man dann die konkreten Kosten und Maßnahmen der Sanierung beziffern, sagte Franz am Dienstag während des Planungs- und Umweltausschusses. Laut Beschlussvorlage schätzt das Bauamt die Kosten der Rappen-Keller-Sanierung bisher auf etwa zwei Millionen Euro.
Vorerst will man sich auf 150.000 Euro für die Blaupause Rappen Keller beschränken. Der Zeitpunkt sei denkbar günstig dafür. Denn die Regierung von Oberfranken habe für die Musterstudie laut Franz eine Förderung in Aussicht gestellt und würde sechzig Prozent der Kosten übernehmen.
Sanierung geht schleppend voran: Reaktion der Pächterin
Für die Pächterin Kathrin Grüner ändert das vorerst wenig bis gar nichts an ihrem sanierungsbedürftigen Keller. Die Renovierung der Außenanlagen, der Hochbauten als auch des Gebäudes müssen warten. Für die Küche wird es in absehbarer Zeit keine notwendigen technischen Neuerungen geben. Eine mögliche Modernisierung der Entwässerung, Sparten und der Beleuchtung bleibt in absehbarer Zukunft aus. Das alles war im Sanierungsplan für ihren Keller vorgesehen.
Grüner nimmt die finanzielle Situation und den Sanierungsstau im Kellerwald mit Verständnis und Gelassenheit. 2022 hat sie den Rappen Keller übernommen. „Die Stadt weiß, dass ich alles mitmache. Auch wenn das eine zeitweise eine Schließung für eine Sanierung bedeuten würde“, sagt Grüner.
Sie würde den Keller gerne einmal ganzjährig betreiben können. Das sieht auch die Stadt in ihrem Sanierungskonzept vor. Nun also erstmal die Musterstudie Rappen Keller. „Ich freue mich darüber“, sagt die Lübbis-Chefin.
In Bezug auf die gesamte Sanierung des Kellerwaldes sieht Grüner eher bei den Kellerstollen dringenden Bedarf. „Die Stollen sind einmalig und uns sehr wichtig. Der auf dem Rappen Keller hat eine historische Bedeutung. Sie sind stark einsturzgefährdet. Ich sehe hier schon Sanierungsbedarf, wenn man das erhalten will.“
Bürgermeister Schönfelder: Sicherheit im Kellerwald erlaubt wenig Aufschub
Im Kellerwald muss viel saniert werden. Nicht nur viele Keller sind in einem schlechten Zustand. Auch Treppen, provisorische Absperrungen und Stützpfeiler für die Stolleneingänge bezeugen die Notwendigkeit. Und das, wo allein im vergangenen Jahr nach Angaben der Stadt Forchheim zwischen 450.000 und 500.000 Besucher den Kellerwald allein während des Annafests besucht haben.
„Kellerwaldbürgermeister“ Udo Schönfelder (CSU) wies während der Planungssitzung eindringlich auf die Situation hin. „Eigentlich wollten wir drei bis fünf Keller sanieren“, sagt er. Der Sanierungsbedarf sei überdurchschnittlich. „Es geht um Fragen der Sicherheit und Barrierefreiheit. Langsamer können wir jetzt nicht mehr fahren“, mahnte er.
FGL-Stadtrat Buchholz stimmt dagegen
Kritik an dem Beschluss über die Musterstudie kam von Seiten der Grünen. Ulrich Buchholz (FGL) stimmte als einziges Stadtratsmitglied gegen das Vorhaben. In den letzten Monaten habe sich in vielen Bereichen gezeigt, wo Geld fehle. „Zum Beispiel bei der Sanierung des Königsbades, der Schulen oder des Nahverkehrs“, erklärt Buchholz sein Nein auf Nachfrage.
Zwar sei er nicht gegen den Kellerwald oder das Annafest. Allerdings stellt er infrage, ob es sinnvoll sei, „mehrere Millionen perspektivisch für einen Schaukeller auszugeben“. „Das halte ich nicht für eine Pflichtaufgabe der Stadt“, sagt Buchholz. „Forchheim lebt nicht nur von seinem Annafest, sondern auch von der Zufriedenheit seiner Menschen.“
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