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Fränkisches Kellerduell
Alles falsch bei den Forchheimer Bierkellern? Von wegen!
Die Forchheimer Keller sind besser, als der Seniorchef des Erlanger „Entla’s Kellers“ behauptet. Davon sind die zwei Experten Fritz Zirnsack und Reinhold Glas aus Forchheim überzeugt.
Die Forchheimer Keller sind besser, als der Seniorchef des Erlanger „Entla’s Kellers“ behauptet. Davon sind die zwei Experten Fritz Zirnsack und Reinhold Glas aus Forchheim überzeugt. // Martin Regner
Erlangen/Forchheim – Der Seniorchef des „Entla’s Keller“ in Erlangen lässt bei seinen Kellerführungen kein gutes Haar an den Forchheimer Bierkellern. Doch dem widersprechen jetzt zwei Experten aus Forchheim.

Wie kürzlich berichtet, führt Friedrich Engelhardt vom „Entla’s Keller“ immer sonntags um 11 Uhr Gäste und Touristen durch die Erlanger Kellerlabyrinthe unter dem Burgberg. Dabei verbreitet er durchaus provokante Thesen in Richtung Forchheim, zum Beispiel, dass die Forchheimer leider „gar keine Ahnung von Physik“ hätten und ihre Bierkeller im Bürgerwald deswegen schlecht gebaut hätten.

Konkret erklärt Engelhardt bei seinen Führungen, dass die Forchheimer Keller abwärts führend in den Berg gegraben worden seien. Im Ergebnis könnten das in die Keller eindringende Grundwasser und in früheren Jahrhunderten, als das Bier in den Kellern noch mit Eisblöcken gekühlt wurde, das Schmelzwasser nicht ablaufen und würden sich am tiefsten Punkt hinten im Keller sammeln. Auch eine natürliche Durchlüftung unter Ausnutzung der physikalischen Gesetze wie in Erlangen könne deswegen in Forchheim nicht stattfinden.

Zirnsack: „Des is‘ a dumm‘s Gschmarri“

Deswegen staue sich in den Forchheimer Kellern die Feuchtigkeit und „in den Forchheimer Kellern stinkt’s heute noch“. So das wenig schmeichelhafte Fazit des Erlanger Kellerwirts. Doch wenn man mit Menschen spricht, die sich mit den Forchheimer Kellern auskennen, zeigt sich ein ganz anderes Bild. „Des is‘ a dumm‘s Gschmarri“, sagt etwa Fritz Zirnsack zu den Schmähungen aus Erlangen. Zirnsack gehört zum Brauwastl-Team, das seit vielen Jahren einen der unteren Keller im Forchheimer Bürgerwald betreibt.

Im Brauwastl-Keller sei es offensichtlich, dass dieser keineswegs abwärts in den Berg führe, sondern leicht aufwärts – genau wie die Keller im Erlanger Burgberg. Denn während man im vorderen Teil seines Kellerstollens noch gut aufrecht stehen könne, sei das im hinteren Teil nicht mehr möglich, erklärt Zirnsack. Der Grund dafür sei aber nicht, dass die Decke immer niedriger werde, sondern dass der Boden von vorne nach hinten leicht ansteige. Was sich bei einer Besichtigung des Brauwastl-Kellers bestätigt: Der Kellerboden weist vom Eingang kommend eine leichte Steigung auf.

Außerhalb des Annafests ist auf dem Brauwastl-Keller nicht viel los. An seiner Bauweise lässt Fritz Zirnsack vom Brauwastl-Team aber keine Zweifel aufkommen.
Außerhalb des Annafests ist auf dem Brauwastl-Keller nicht viel los. An seiner Bauweise lässt Fritz Zirnsack vom Brauwastl-Team aber keine Zweifel aufkommen. // Stephan Großmann

Und so laufe das Wasser auch in Forchheim selbstverständlich von hinten nach vorne aus dem Keller, genau so wie es sein soll, so Zirnsack weiter. Und selbstverständlich gebe es auch in Forchheim Luftschächte, die hinten in die Keller führen und für einen Luftaustausch sorgen. Der Augenschein vor Ort bestätigt das: Der Brauwastl-Keller ist in seinem Inneren keineswegs feuchter oder muffiger als die Bierkeller in Erlangen. Im Bauernkeller, der direkt neben dem Brauwastl-Keller liegt, „sind sogar Gräben angelegt worden, damit die Feuchtigkeit herauslaufen kann. Die Leute, die die Keller damals angelegt haben, waren ja nicht blöd“, sagt Zirnsack.  

2014 wurden drei Forchheimer Keller 3D-vermessen

Auch Reinhold Glas pflichtet dem bei. Besser als Glas kennt wohl niemand die Forchheimer Keller, die der Experte in seinem 2019 erschienenen Buch „Biertradition in Forchheim – Zur Geschichte der Schankstätten, Brauereien und Felsenkeller“ ausführlich vorgestellt hat. Die Ausführungen von Friedrich Engelhardt aus Erlangen bezeichnet Reinhold Glas als „Dampfgeplauder“.

Reinhold Glas hat in den letzten 15 Jahren fast alle Forchheimer Keller persönlich begangen und darüber auch ein Buch geschrieben.
Reinhold Glas hat in den letzten 15 Jahren fast alle Forchheimer Keller persönlich begangen und darüber auch ein Buch geschrieben. // Martin Regner

Nach eigenen Angaben hat Glas in den vergangenen 15 Jahren „fast jeden Felsenkeller in Forchheim begangen und vermessen.“ Gestunken habe es in keinem davon. Die Kellergänge in Forchheim seien so angelegt, dass sie entweder waagerecht oder leicht aufsteigend verlaufen. Abwärts führe kein einziger Forchheimer Keller in den Berg, erklärt der Experte. Das zeige auch eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2014, bei der drei ausgewählte Keller einem 3D-Scan unterzogen wurden.


Den Abschlussbericht der Keller-Untersuchung aus dem Jahr 2014 findet man hier im Internet: DBU-Projekt Snethlage 


Ein Blick in den damaligen Abschlussbericht zeigt: Zwar liegt etwa beim Weiß-Tauben-Keller der heutige Eingang an der Kellerstraße tatsächlich geringfügig höher als das restliche Kellerniveau. Allerdings seien die gemauerten Vorbauten mit den Eingangstoren der Keller, die man heute als erstes sieht, erst Produkte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als man die Ausschankflächen vor und über den Kellern mit Steinmauern besser befestigt habe, so Glas weiter. Der dahinter liegende eigentliche Bierkeller, so wie er ursprünglich angelegt und in den früheren Jahrhunderten von den Forchheimer Brauereien zur Lagerung des Gerstensafts verwendet worden ist, verläuft von alters her komplett waagerecht. Auch auf alten Fotos sei das gut zu erkennen.

Genug Platz für zwei Pferdefuhrwerke 

Und auch das von Friedrich Engelhardt angebrachte Argument, dass die Anlage der Keller in Erlangen insgesamt verkehrsgünstiger sei, kann Reinhold Glas entkräften: Der Erlanger Kellerwirt behauptet in seinen Führungen, dass die Kellerstraßen in Forchheim zu schmal seien, so dass die Bierkutscher in Richtung obere Keller früher immer dann hätten warten müssen, wenn unten oder in der Mitte gerade ein Kollege beim Be- und Entladen war. Weil die Zufahrt dann durch dessen Pferdefuhrwerk versperrt gewesen sei.

Dieses historische Foto aus dem Buch von Reinhold Glas zeigt: Neben dem Pferdefuhrwerk vor dem Weiß-Tauben-Keller bleibt genug Platz, damit ein zweites Fuhrwerk vorbei kommt.
Dieses historische Foto aus dem Buch von Reinhold Glas zeigt: Neben dem Pferdefuhrwerk vor dem Weiß-Tauben-Keller bleibt genug Platz, damit ein zweites Fuhrwerk vorbei kommt. // Archiv Verlagsdruckerei Schmidt

Auch dieses Argument ist aus Sicht von Glas schlicht „Unsinn.“ Es gebe historische Fotos aus dem Forchheimer Kellerwald, auf denen etwa ein Pferdefuhrwerk vor dem Weiß-Tauben-Keller zu sehen sei. „Daneben ist die halbe Straße frei. Da war auf jeden Fall genug Platz, damit ein anderes Fuhrwerk daran vorbeikommen konnte.“

Auch auf Facebook bekommt Erlangen Gegenwind

Auf Facebook haben die Behauptungen von Friedrich Engelhardt für ziemlichen Wirbel gesorgt. Doch auch hier bekommt der Seniorchef des „Entla’s Kellers“ Gegenwind: „Das Bier in Forchheim schmeckt aber besser“, schreibt da einer der Kommentatoren auf Facebook. Und ein anderer meint: „Physik kann man nicht trinken, aber Forchheimer Bier“. Und dann gibt es da auch noch folgendes Fazit zum Kellervergleich zwischen Forchheim und Erlangen: „Der Kellerwald ist einfach unschlagbar!“

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