Friedrich Engelhardt darf als Koryphäe gelten, was die Erlanger Bierkeller am Burgberg anbelangt. Schließlich begann er bereits vor Jahrzehnten als damals 23-Jähriger damit, in Handarbeit mit Schaufel und Schubkarre die unzähligen verzweigten Kellerstollen zu sanieren, die sich auf in Summe rund 20 Kilometern durch den Burgberg ziehen und in denen in früheren Jahrhunderten das Bier der einstmals 16 Erlanger Brauereien zwischen dicken Eisblöcken lagerte. Heute ist er der Seniorchef des bekannten Entla’s Keller, in dem von seinem Sohn Vincenz Schiller auch ein eigenes Bier gebraut wird.
Von der langen Geschichte der Erlanger Bierkeller, die um das Jahr 1686 beginnt, berichtet Engelhardt immer wieder sonntags um 11 Uhr, wenn er Besucher und Touristen wortreich durch das Kellerlabyrinth des Entla’s Kellers und des benachbarten Henninger Kellers führt und so in eine andere Welt eintauchen lässt. Die Teilnehmer erleben dabei eine rund einstündige Tour, die durch schmale Tunnel und über steile Treppen hinab führt in die auf 8 Grad wohltemperierte Dunkelheit. Wobei „hinab“ nicht das richtige Wort ist, obwohl es bei der Führung tief hinein geht in die Erlanger Bierkeller, die ja weit unter der Erde liegen.
Denn, so erklärt es der Seniorchef des Entla’s Kellers beim Kellerrundgang: „Die Erlanger Brauer haben alles richtig gemacht. Deswegen führen die Erlanger Keller aufsteigend in den Berg hinein“. Dadurch könne im Sommer die kühle Luft in Bodennähe, die schwerer ist als Warmluft, durch die Lüftungsschächte, die von oben senkrecht durch den Fels in die Stollen führen, in die Keller hinunter sinken. So entstehe ein Luftstrom, der wärmere Luft vorne aus den Kellertoren herausdrücke – samt der Luftfeuchtigkeit aus den Stollen, die gleich mit hinaus geweht werde.
Bauweise nutzt die Gesetze der Physik aus
Im Winter, wenn es draußen kälter ist als drin, funktioniere diese automatische Belüftung der Kellerstollen in umgekehrter Richtung, so Engelhardt weiter. Dann steige die im Vergleich zur Außentemperatur wärmere Luft aus den Kellern durch die Lüftungsschächte nach oben, während von unten durch die Kellertore kalte Frischluft nachziehe. Still stehe die Luft in den Kellern nur dann, wenn es außen zufällig gerade genau so kalt sei wie innen, nämlich 8 Grad.
Das Ergebnis dieser wohl überlegten und die Gesetze der Physik geschickt nutzenden Bauweise sei, dass die Erlanger Keller immer gut durchlüftet und deswegen im Vergleich zu ihren Pendants in Forchheim schön „trocken, sauber und rein“ seien. Dafür gibt es laut Engelhardt auch noch zwei weitere Gründe, für die die leicht aufwärts in den Berg führende Bauweise ebenfalls von entscheidender Bedeutung sei: Denn einerseits könnten so das stetig aus den Wasseradern im Burgberg in die Stollen drückende Grundwasser und auch das Schmelzwasser des in früheren Jahrhunderten zur Bierkühlung verwendeten Eises einfach der Schwerkraft folgend vorne aus den Stollen hinaus fließen.
Muss man sich in den Forchheimer Kellern die Nase zu halten?
Und andererseits bahne sich auch Bier, das etwa aus beschädigten Fässern in die Stollen laufe, quasi von alleine seinen Weg nach draußen. Demgegenüber hätten die Forchheimer leider „gar keine Ahnung von Physik“ und hätten ihre Bierkeller im Kellerwald stattdessen abwärts führend in die Tiefe gegraben. Mit der Folge, dass sich verschüttetes Bier, das Grund- und das Schmelzwasser des zur Bierkühlung verwendeten Eises am tiefsten Punkt hinten im Keller gesammelt hätten und dort vermodert wären.
Und auch die Luft bleibe in den Forchheimer Kellern stehen, weil die kühle Luft vom tiefsten Punkt hinten im Keller keinen Ausweg mehr fände. Was Engelhardt bei seinen Führungen launig als „Luftsiphon“ bezeichnet. Im Ergebnis staue sich in den Bierkellern des Forchheimer Kellerwalds zusätzlich die Luftfeuchtigkeit und „in den Forchheimer Kellern stinkt’s heute noch“. Während Engelhardt dies seinen Führungsgästen erklärt, hält er sich demonstrativ die Nase zu.
Zufahrt in Erlangen breit und geradlinig
Auch die Anlage der Keller insgesamt hält Engelhardt in Erlangen für wesentlich gelungener als in Forchheim. Denn in Erlangen lägen die Bierkeller aufgereiht nebeneinander, davor verlaufe eine breite und geradlinige Zufahrt. Das habe den Bierkutschern mit ihren Pferdefuhrwerken in früheren Jahrhunderten reibungslose Be- und Entladevorgänge vor den Kellertoren ermöglicht. Während im Forchheimer Kellerwald die schmale und kurvenreiche Zufahrt zu den weiter oben liegenden Kellern immer dann versperrt gewesen sei, wenn ein Brauerei-Fuhrwerk unten oder in der Mitte gerade mit Be- oder Entladen beschäftigt war.
Die Forchheimer Bierkutscher hätten in so einem Fall im Gegensatz zu ihren Erlanger Kollegen also immer warten müssen, bis der Weg wieder frei war. Engelhardt beschließt seinen Vergleich der Bierkeller in Erlangen und in Forchheim mit einem für Forchheim wenig schmeichelhaften Fazit: „Für uns Erlanger gibt es nur noch ein Schlimmeres als Forchheimer: Alzheimer.“ Und wegen der herausragenden Qualitäten seiner Lagerkeller habe das Bier aus der Stadt Erlangen dereinst überhaupt erst seinen Weltruf erlangt, bevor die Erfindung der Kältemaschine Ende des 19. Jahrhunderts diesen Vorteil des Brauerei-Standorts Erlangen zunichte gemacht habe.
Und was sagen die so hart gescholtenen Forchheimer dazu? Das lesen Sie hier:
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