Seit Jahren wird er versprochen, jetzt soll er bald tatsächlich in Betrieb gehen: Der neue S-Bahn-Haltepunkt Forchheim-Nord an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Das Forchheimer Landratsamt kündigt in einer Pressemitteilung an, dass ab dem nächsten Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2024 erstmals Züge dort halten sollen.
Damit ergeben sich auch einige Änderungen im Busverkehr des Landkreises, über die das Landratsamt auf seiner Internetseite informiert. So entfallen ab dem Fahrplanwechsel bestimmte Bushalte und es gibt Änderungen bei den Fahrzeiten der Landkreisbusse.
Mehr Autoverkehr in den Straßen erwartet
Im Stadtteil erwartet man den neuen Bahnhaltepunkt mit Freude: „Ich habe einige Kollegen hier, die werden sich darüber sehr freuen“, erklärt etwa Martina Eier, Schulleiterin des Sonderpädagogischen Förderzentrums, in Forchheim besser bekannt als Pestalozzischule. Bislang müssten die Lehrkräfte, die von außerhalb kommen, am Hauptbahnhof in Busse umsteigen oder den Restweg zur Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad absolvieren.
Allerdings ist Eiers Vorfreude nicht ungeteilt: Für ihre Schüler bringe der neue Bahnhaltepunkt wenig, da diese mit speziellen Bussen unterwegs seien. Und „was uns Sorge macht, ist die Frage, wie sich die Verkehrssituation in den Straßen rund um die Schule verändern wird.“ Konkret sorgt sich die Schulleiterin darum, dass rund um den neuen Bahnhof noch mehr Autoverkehr stattfinden wird und noch mehr Autos einen Parkplatz brauchen werden.
Haben die Grundschulkinder das Nachsehen?
„Natürlich freue ich mich. Wir warten da schon lange drauf“, sagt Jürgen Kreschmann als Leiter der Georg-Hartmann-Realschule: „Besonders für die Schüler aus Baiersdorf war das immer eine halbe Weltreise.“ Mit dem neuen Haltepunkt in der Nähe der Schule verkürze sich der Weg aus Baiersdorf in die Realschule auf rund 15 Minuten.
Aber auch bei Kretschmann sind noch Wünsche offen: „Was ich mir wünschen würde ist, dass der 20-Minuten-Takt bis Bamberg auch noch kommt.“ Dann könnten auch Realschüler aus dem südlichen Forchheim und Kersbach schneller zur Realschule oder von dort nach Hause kommen.
Zweigeteilt sind auch die Erwartungen von Martin Horn, Schulleiter der Adalbert-Stifter Grund- und Mittelschule (AST) an den neuen Bahnhaltepunkt: „Prinzipiell freue ich mich darüber, weil ich auf eine Entlastung vom Busverkehr hoffe, der direkt vor unserer Schule stattfindet.“ Auf der anderen Seite könnte gerade der Weg für die kleineren Kinder, die zur AST-Schule wollen, aus Sicht von Horn gefährlicher werden.
Denn in den umliegenden Straßen, insbesondere in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße und in der Bammersdorfer Straße, gebe es nur normalbreite Gehsteige. Die Fußgänger-Infrastruktur sei also auf größere Menschengruppen nicht vorbereitet, die aus den Zügen in Richtung der anderen Schulen strömen werden. Gerade die kleineren Kinder der AST-Schule könnten dann gegenüber etwa den größeren Real- und Berufsschülern im Straßenverkehr das Nachsehen haben, so Horn.
Bei der Stadt Forchheim hat man diese Problematik offenbar bereits erkannt: Wie die städtische Pressesprecherin Britta Kurth auf Anfrage mitteilt, gebe es schon Pläne zur Umgestaltung der Bammersdorfer Straße. Diese würden die neuen Umstände durch den Bahnhof Forchheim-Nord bereits berücksichtigen.
Weniger Probleme damit, Anschlüsse zu erreichen
Grundsätzlich sieht die Stadt Forchheim im Bahnhaltepunkt Forchheim-Nord laut Bürgermeisterin Annette Prechtel eine „wichtige und sinnvolle, regelmäßige Anbindung des Schulzentrums und vor allem des Stadtteils Forchheim-Nord an den Öffentlichen Nahverkehr und den Großraum Erlangen, Nürnberg und Bamberg“.
„Persönlich freue ich mich sehr“, meint die Schulleiterin des BSZ, Elisabeth Bräuning. Sie selbst sei seit 2020 ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und hat nun die Aussicht, ohne Umsteigen am Hauptbahnhof zur Arbeit zu kommen. Das Gleiche gelte für ihre Schüler, die bald nicht mehr am ZOB in Busse wechseln müssten. Insgesamt erwartet Bräuning, dass es zukünftig weniger Probleme damit gibt, beim Umsteigen Anschlüsse zu erwischen.
Womöglich könne durch den besseren ÖPNV-Anschluss auch der tägliche Schulbeginn am BSZ um eine Viertelstunde vorverlegt werden, so Bräuning. Das würde längere und dadurch gesündere Pausen für die Schüler ermöglichen. Aber auch Bräuning hat noch einen Wunsch: „Man kann leider noch keine Fahrpläne sehen. Wir hoffen stark, dass auch der Agilis, der aus Ebermannstadt kommt, dann in Forchheim-Nord hält.“ Das würde auch den Schülern aus der Fränkischen Schweiz das Umsteigen am Hauptbahnhof ersparen.
Waasner sieht positive Entwicklung für ganzen Stadtteil
Diesen Wunsch haben wir an die Agilis-Eisenbahngesellschaft herangetragen. Deren Sprecher allerdings auf die Zuständigkeit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) verweist: „Wenn die BEG das bestellt, dann fahren wir da.“ Die Auskunft der BEG auf unsere diesbezügliche Anfrage fällt ernüchternd aus: Laut den aktuellen Planungen sollen demnach nur zwei Agilis-Züge pro Tag in Forchheim-Nord halten. Und zwar das Zugpaar, das in Richtung Bamberg/Ebern durchgebunden ist. Dabei handelt es sich um die Züge, die in Ebermannstadt um 7:30 Uhr abfahren und dort um 8:25 Uhr ankommen. Seitens der BEG sei außerdem ein Infoflyer zum neuen Bahnhaltepunkt in Vorbereitung, so die BEG-Sprecherin.
Vorbehaltlos ist die Freude auf Forchheim-Nord bei den beiden großen Unternehmen, die in der Nähe des neuen Haltepunkts arbeiten. „Wir waren da immer dafür“, sagt etwa Michael Waasner von der gleichnamigen elektrotechnischen Fabrik im Forchheimer Norden. „Wir finden das auch sehr gut für die Entwicklung des ganzen Stadtteils“, so Waasner weiter.
„Wir freuen uns darüber, weil das unseren Unternehmensstandort noch attraktiver macht“, sagt Manfred Jus, Geschäftsführer bei Piasten. Es sei immer gut, wenn der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werde und seitens der Firma Piasten sei man außerdem „froh, dass die Baumaßnahmen endlich abgeschlossen sind.“
Die Polizei hat die neue Örtlichkeit bereits im Blick
„Wir stehen dem eigentlich neutral gegenüber“, meint Jochen Prinzkosky als Leiter der Forchheimer Polizeidienststelle, die ebenfalls im Einzugsbereich des neuen Bahnhaltepunkts liegt. Für die Polizeibeamten „sehe ich keinen großen Nutzen dadurch, weil die Dienstzeiten bei uns oft nicht so gut planbar sind“, ergänzt der lokale Polizeichef. Da könne man mit dem eigenen Auto flexibler auf kurzfristige Anforderungen reagieren.
Auch die Kundschaft der Polizei, die zum Beispiel eine Anzeige erstatten oder eine Aussage machen will, kommt laut Prinzkosky kaum mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Dienststelle. Aus polizeilicher Sicht werde man sich die Örtlichkeit aber näher anschauen, ob sich am neuen Bahnhof ein problematisches Klientel treffe oder eben nicht.
In der Ankündigung des neuen Bahnhaltepunkts durch das Landratsamt ist auch davon die Rede, dass der Kellerwald so besser erreichbar wird. Dazu hat der kürzlich zurückgetretene Sprecher der Kellerwirte, Matthias Erlwein, auf Nachfrage jedoch „keine Meinung“.
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