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Neues „Startchancen-Programm“
„Wie Lottogewinn“: Wie die Forchheimer Ast-Schule profitiert
Zur Startchancen-Förderung für die AST kam es, da im hiesigen Grundschulsprengel besonders viele Kinder aus sozial schwachen Familien leben.
Zur Startchancen-Förderung für die AST kam es, da im hiesigen Grundschulsprengel besonders viele Kinder aus sozial schwachen Familien leben. // Andreas Wolfger
Forchheim – Die Adalbert-Stifter-Schule erhält im Rahmen des bundesweiten „Startchancen-Programms“ zwei Millionen Euro Förderung. Mit dem Geld sollen nicht nur zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden.

Grund zum Feiern gibt es derzeit an der Adalbert-Stifter-Schule (AST) im Forchheimer Norden. Als einzige Schule im Landkreis gehört sie nämlich zu dem ausgewählten Kreis der ersten 100 Schulen in Bayern, die im Rahmen des bundesweiten Förderprojekts „Startchancen“ ausgewählt wurden. Ziel des Programms ist es, Schulen mit besonders sozial schwachen Familien zu unterstützen. Zu diesem Zweck soll die Adalbert-Stifter-Schule in den kommenden zehn Jahren insgesamt rund zwei Millionen Euro erhalten.

Adalbert-Stifter-Schule Forchheim bei Startchancen-Programm

„Für uns ist das wie ein Lottogewinn“, erklärt Martin Horn, Schulleiter der Grund- und Mittelschule. Auch wenn niemand für diesen Gewinn ein Ticket erworben hätte. Eine Bewerbung habe es ebenfalls nicht gegeben. „Wir wurden ausgewählt, da im Sprengel unserer Grundschule besonders viele Kinder mit sozial schwachem Hintergrund leben“, berichtet er. Diese sollen mit der Förderung gezielt unterstützt werden.

Stolz präsentiert Konrektorin Karin Van Gompel die Startchancen-Plakette der AST
Stolz präsentiert Konrektorin Karin Van Gompel die Startchancen-Plakette der AST // Andreas Wolfger

„Die Förderung besteht im Prinzip aus drei Säulen“, erläutert der Schuldirektor. Bei der ersten gehe es um bauliche Maßnahmen und Ausstattung. „Unsere Schule ist baulich bereits sehr gut ausgestattet“, berichtet er. Immerhin sei sie gerade erst seitens der Stadt saniert worden. Trotzdem sei es gut möglich, dass im Rahmen der Transformation, in der sich die Schule ohnehin gerade befinde, binnen der kommenden zehn Jahre neue Ausstattung nötig werde. Über deren Finanzierung müsse man sich dank der Förderung dann keine Gedanken machen.

Geld für Sprachförderung oder Schulpsychologie

Bei der zweiten Säule geht es um Geld für zusätzliche Stellen. „Auch was Lehrstellen angeht, sind wir gut versorgt“, erklärt Horn. Im Bereich schulische Sozialarbeit gäbe es jedoch möglicherweise Bedarf. Denkbar wären aber auch die Schaffung von Stellen im Bereich Sprachförderung oder Schulpsychologie, um den Bedürfnissen der Schüler besser gerecht zu werden. Mit der dritten Säule sollen schließlich beispielsweise Fortbildungskosten für Lehrer bezahlt werden.

„Wir werden jetzt nicht den typischen Fehler vieler Lottomillionäre machen, die sich sofort einen Lamborghini kaufen“, scherzt Horn. Stattdessen wollen er und sein Kollegium die Mittel gezielt einsetzen, um den bereits eingeschlagenen Weg der Schule vom klassischen moderierten Unterricht zu einer bedürfnisorientierten Lehre gezielt voranzubringen.

Harte Arbeit zahlt sich dank Förderung aus

„In diesem Prozess befinden wir uns bereits länger“, berichtet Konrektorin Karin Van Gompel. Durch die Fördergelder würde jetzt jedoch die Möglichkeit bestehen, einen großen Schritt nach vorne zu machen. Möglich sei dies auch, da die Schule Anfang des Jahres seitens des Kultusministeriums den sogenannten Modus-Status erhalten habe. „Der erlaubt uns nach Absprache Abweichungen von der allgemeinen Schulordnung“, erklärt Van Gompel. Beispielsweise könne die Schule in diesem Rahmen entscheiden, die Gewichtung, die einzelnen Fächern im Stundenplan beigemessen werde, zu verändern oder Lernformen einzuführen, die den klassischen Klassenverband aufbrechen würden.

„Dass wir diesen Status fast gleichzeitig mit der Förderung erhalten haben, ist für uns ein großer Segen“, betont Horn. Ein Geschenk im Rahmen der Förderung sei der Modus-Status aber nicht gewesen. Stattdessen habe die Schule ihn sich hart erarbeitet und nun im Zuge guter Evaluation ein bisschen mehr Freiheit erhalten. „Das ist im Prinzip das größte Lob, das man als Kollegium seitens des Kultusministeriums bekommen kann“, erklärt Horn.

Keine Sorgen wegen Forchheimer Haushaltsloch

Druck infolge der unverhofft entstandenen neuen Möglichkeiten empfindet der Schuldirektor übrigens nicht.  „Uns wurde klar vermittelt, dass wir Zeit haben, um zu entscheiden, wofür wir die Fördermittel einsetzen wollen“, erklärt er. Zudem habe das Ministerium entschieden, im Zuge des Verfahrens auf eine vereinfachte Abrechnung zu setzen – im Sinne der Entbürokratisierung. Das sei sehr erfreulich.

Einen möglichen Haken gibt es jedoch mit der Förderung. Eine vollständige Ausschöpfung des Förderrahmens ist nämlich nur dann möglich, wenn sich der Schulträger – im Fall von Grund und Mittelschulen meist die Kommune – an den Kosten bestimmter Maßnahmen beteiligt. Dies könnte gerade für finanziell schwache Städte eine Herausforderung sein. An der Adalbert-Stifter-Schule hat man diesbezüglich jedoch keine Sorgen. Auch nicht in Anbetracht des Forchheimer Finanzlochs.

Schulen haben Zeit, um Fördermittel abzurufen

„Dies betrifft lediglich die Förderung im Rahmen der ersten Säule“, erklärt der Schuldirektor. Auch müsse die Kommune lediglich 30 Prozent der Kosten zahlen. Das sei für die Schulträger immer noch ein Geschenk. Darüber hinaus sei im Zuge der Auftaktveranstaltung am Donnerstag in Nürnberg erklärt worden, dass man sich Zeit lassen könne. Für erste Planungen und Ausgaben habe man etwa sechs Jahre. Zeit genug für die Stadt, um das Haushaltsloch in den Griff zu bekommen.

Der Anteil der Stadt werde noch im Stadtrat thematisiert, heißt es seitens der Stadt. Folglich könne man seitens der Verwaltung hierzu noch keine detaillierte Stellungnahme abgeben. Erwartungsgemäß handle es sich aber über einen überschaubaren Beitrag, da es wohl nicht um kostspielige Baumaßnahmen gehen wird.

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