0
Erhöhter Bedarf im Landkreis
Forchheim: Das müssen Eltern bei Kinderbetreuung wissen
Kitaentwicklung Landkreis Forchheim 2024Forchheim & Fränkische Schweiz
Viele Kinder, zu wenig Personal: Der Landkreis Forchheim kämpft mit einem überdurchschnittlichen Bedarf an Betreuungsplätzen. // Illustration: Maximilian Arnold / AdobeStock
Forchheim – Zuletzt haben zwei plötzliche Kitaschließungen in Forchheim die Eltern in Betreuungsnöte gebracht. Doch wie entwickelt sich der Landkreis in Sachen Kitaplätze und Personal langfristig? Ein Überblick.

Eigentlich gibt es eine kleine Entspannung bei der Kinderbetreuung im Landkreis Forchheim: „Eine Teilschließung einer Kindertagesstätte im Landkreis konnte doch verhindert werden“, sagt Ursula Fischer. Sie ist tätig in der Fachberatung und -aufsicht für Kindertageseinrichtungen im Landkreis Forchheim. Es hätte sich doch noch das notwendige Personal gefunden, damit der Betrieb weitergehen kann - wenn auch mit einem Monat Verzögerung erst ab Oktober. Kurzfristig ist das Feld der Kindertagesbetreuung also sehr beweglich. Doch mit welchen Entwicklungen müssen Eltern im Landkreis Forchheim langfristig rechnen?  

Ein Blick in den Sachstandsbericht Kindertagesbetreuung im Landkreis Forchheim verrät: Der Landkreis hat einen erhöhten Bedarf im Vergleich zum Bayernschnitt bei den Kindern unter drei Jahren. Während 2023 in Bayern der Bedarf bei 42,4 Prozent lag, kommt der Landkreis Forchheim auf 48,3 Prozent, doch warum gibt es gerade hier einen erhöhten Bedarf? „Eine Erklärung könnte die Mittellage zwischen Bamberg und dem Ballungsraum Nürnberg, Erlangen, Fürth sein, wo viele Eltern zur Arbeit gehen“, sagt die Fachberaterin. Gleichzeitig liegt laut Bundesagentur für Arbeit 2023 die Beschäftigtenquote im Landkreis Forchheim bei den Frauen zwischen 25 und 45 Jahren mit 73,4 Prozent etwas über dem Bayernschnitt von 70,6 in der Kategorie von 25 bis 50 Jahren. Eine Altersspanne, in der Kinderbetreuung notwendig sein könnte. Auch bei den Männern ist die Beschäftigungsquote mit 82,9 Prozent leicht überdurchschnittlich. 

Kinderbetreuung: Das kommt auf Landkreis Forchheim zu

Doch wie wird sich der Bedarf an Kinderbetreuung entwickeln?  Je nach Kategorie erreicht der Landkreis seinen erwarteten Spitzenwert schon sehr bald (Kindergartenkinder) oder erst 2027/28, wie im Falle der Grundschulkinder. Ab 2026 greift hier auch der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. 

Der Sachstandbericht zur Kinderbetreuung im Landkreis Forchheim zeigt, wie viel Kinderbetreuung in Kitas auf der Habenseite ist: 1.425 Krippenplätze, 4500 Kindergartenplätze, 600 Hortplätze für Schulkinder listet der Bericht zum Januar 2024. Dazu kommen nochmals 190 Plätze in einer Kindertagespflege. Von 2023 bis 2024 kamen 131 Krippenplätze, 320 Plätze in Kindergärten und 157 in Horten dazu. 

Mit Stand Mai dieses Jahres gibt es für die Kinderbetreuung 18 öffentliche Träger, 28 kirchliche Träger, und 16 Träger sind privat organisiert, etwa über Firmen, Vereine oder Elterninitiativen.

Übergangslösungen in der Kinderbetreuung 

Nicht alle Plätze sind von Dauer. Bei den Kindern unter drei Jahren liegt der Bestand bei 1575 Plätzen, von denen jedoch 300 Plätze befristet sind. Bei den Kindergartenkindern sind sogar 555 der 4500 Plätze betroffen. Das sind zum Beispiel Containerlösungen. 

Doch wie lange sind provisorische Kinderbetreuungsplätze begrenzt? Fachberaterin Fischer erklärt dazu „In der Regel sind die Provisorien auf ein bis zwei Jahre begrenzt. Die Plätze fallen nach Ablauf der Befristung nicht automatisch weg. Wenn die Plätze zur Bedarfsdeckung übergangsweise weiter benötigt werden und die Bedingungen für das Kindeswohl weiterhin gesichert sind, ist auf Antrag des Betriebsträgers grundsätzlich eine befristete Verlängerung möglich. Standardmäßig findet zuvor ein Gespräch mit Träger und zuständiger Kommune zur örtlichen Bedarfsentwicklung statt.“ 

Allerdings bedeuten die provisorischen Kindergarten- und Kitaplätze im Landkreis Einschränkungen „Es ist nicht optimal, wenn zum Beispiel in Bewegungsräumen Kinder untergebracht werden. Das bedeutet einen Verlust an Qualität. Auch die Toiletten können dann knapper werden. Manchmal muss man einen Kompromiss eingehen", sagt Fischer. 

Personalzuwachs: Landkreis liegt über Schnitt 

Neben passenden Räumen, wo die Kinder gut betreut werden können, bleibt das geschulte Personal ein Thema. In den vergangenen Jahren gab es einen Zuwachs seit 2013 von 76 Prozent bei Betreuerinnen und Betreuern. Dieser lag laut Sachstandbericht des Landkreises über dem Bayernschnitt von 71 Prozent. Gleichzeitig haben die Eltern noch mehr Betreuung nachgefragt: Die Buchungszeiten pro Woche sind im Schnitt um sechs Prozent angestiegen. Das macht eine Buchungszeit von 6,64 Stunden pro Woche pro Kind. 


Wie gut ist der aktuelle Anstellungsschlüssel für die Betreuung der Kinder geregelt? „Das ist ein schwieriges Feld:  Das zuständige Ministerium empfiehlt eine Orientierung an dem für das Jahr 2023 landesweit ermittelten durchschnittlichen Anstellungsschlüssel von 1:9,16 vor, und die Träger wollen dies erfüllen, aber es muss auch finanziert werden. Der Freistaat Bayern finanziert nur für den Schlüssel von 1:11", erklärt Fischer und spricht von einem „Manko“. Der Schlüssel gibt an, wie viele Kinder auf eine Betreuungsperson kommen. 

Kann der Landkreis Schritt halten, um weiter mehr Fachkräfte für Kita und Co zu gewinnen? „Ein gewisser Zuwachs an Fachkräften ist ersichtlich. Die Nachfrage von Bewerbern ist da, aber ob dies ausreichen wird , wage ich zu bezweifeln. Viele Fachkräfte aus den geburtenstarken Jahrgängen gehen in den Ruhestand", erklärt die Fachberaterin.

Zur Versorgung im Landkreis Forchheim in Sachen Kinderbetreuung vor dem Grundschulalter sagt Fischer zusammenfassend:„Im Stadtgebiet Forchheim sieht es nicht gut aus. Hier gibt es hohe Wartelisten von unversorgten Familien im Kindergarten- und Krippenbereich. Im Umland ist die Versorgung ziemlich gut. Hier sind mir keine langen Wartelisten bekannt.“ 

Das packt die Stadt Forchheim bei der Betreuung an

Auf Anfrage an die Stadt Forchheim teil Pressesprecherin Britta Kurth mit, dass momentan auf der Warteliste für einen Krippenplatz 51 Kinder und für den Kindergarten 103 Kinder stehen. Man unterstütze soweit zumutbar, diese Kinder auch außerhalb des Stadtgebietes einen Platz zu finden. Die Stadt Forchheim verzeichne den größeren Zuzug von Familien und auch mehr Frauen seien berufstätig. Zudem steige die Geburtenquote an. Unter diesen Bedingungen sei es schwierig, Schritt zu halten. „Besonders im Krippenbereich hat sich die Anzahl der Platzsuchenden in den letzten Jahren deutlich vergrößert“, sagt Kurth.

Zudem dauere es lange, neue Kita-Bauprojekte zu verwirklichen: Stichwort Planungsdauer. Außerdem fehlten geeignete Grundstücke. „Freie Träger sind kaum mehr bereit oder in der Lage, ein neues Kita-Bauprojekt zu stemmen. Die Maßnahmen werden zukünftig überwiegend in kommunaler Hand bleiben müssen", teilt die Pressesprecherin mit. So sind über 100 Plätze in drei Kitas an der Merowinger Straße sowie einer Kita im Stadtteil Reuth und Burk geplant. 

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!