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Kitaplatz-Mangel
Jedes dritte Kind ohne Betreuungsplatz: Besserung in Sicht?
KindertagesstätteForchheim & Fränkische Schweiz
Zu viele Füße für zu wenige Plätze: Forchheims Wartelisten für einen Betreuungsplatz bleiben lang. // Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Forchheim – Die Wartelisten für Krippen, Kindergärten und Horte platzt in Forchheim aus allen Nähten. Man tue sein Bestes, beteuert die Stadt. Das reicht nicht, moniert die Politik, ausbaden müssen es die Familien.

Susanne Töpelt hatte Glück. Sie hat für ihr Kind einen Kitaplatz ergattern können. Doch das ist nicht selbstverständlich in Forchheim, viele Familien wissen noch nicht, wie sie ab Herbst ihren Alltag planen sollen. 180 Kindernamen stehen derzeit auf den Wartelisten für einen Platz in einer Krippe, im Kindergarten und im Hort. Das ist kein neues Problem in Forchheim – aber ist wenigstens eine Lösung in Sicht?

„Allgemein finde ich die Betreuungssituation in Forchheim sehr schwierig. Grundsätzlich bekommt man schon einen Platz, wenn man sich rechtzeitig kümmert und sein Kind überall anmeldet“, schreibt die junge Mutter Töpelt. Nur: „Das Problem ist, dass es ja schon in jedem Kindergarten unterschiedliche Konzepte gibt, aber ich als Elternteil dazu gezwungen bin, den Platz zu nehmen, der mir angeboten wird, da ich sonst gar keinen Platz habe.“ Also Betreuung um jeden Preis, unabhängig von pädagogischen Interessen, persönlicher Sympathie und gut in den Alltag zu integrierender Lage.

Nehmen oder lassen. Und das ist noch nicht der schlimmste Fall.

180 Familien in Forchheim auf der Warteliste für einen Betreuungsplatz

„Es jetzt schon absehbar, dass fast ein Drittel der Anmeldungen zumindest zum September 2024 noch keinen Betreuungsplatz erhalten können“, sagt Jugendamtsleiterin Claudia Uhlig. In Zahlen ausgedrückt sind das jene 180 Familien. Davon betroffen sind allein bei den Drei- bis Sechsjährigen fast 100 Familien.

„In allen anderen Sprengelgebieten ist für das Betreuungsjahr 2024/2025 ein Anstieg an fehlenden Plätzen erkennbar. Vor allem in den Stadtgebieten Nordost und Ost. Ebenso weißen die Stadtgebiete Innenstadt und Nord wieder zunehmend größere Betreuungslücken auf“, führt Uhlig aus. „Trotz der verringerten Anmeldezahlen für das Betreuungsjahr 2024/2025 im Vergleich zum Vorjahr fehlt es im Krippenbereich an Betreuungsplätzen in nahezu allen Stadtteilen.“ Einzig in Kersbach habe man allen Ortsansässigen einen Platz geben können.

Zwar versucht die Amtsleiterin die großen Betreuungslücken etwas zu relativieren, etwa weil durch kurzfristige Wegzüge oder dem Schuleintritt von sogenannten Korridor-Kindern Familien von der Warteliste gestrichen werden könnten. Und doch bleibt ihr nüchternes Fazit, dass die Unterversorgung für das kommende Betreuungsjahr „wohl nicht kurzfristig“ verhindert werden könne.

Stadt Forchheim: 600 Plätze in 15 Jahren

Es ist mitnichten so, dass die Stadt Forchheim untätig zuschaue. In den vergangenen 15 Jahren seien in der Stadt gut 600 neue Plätze geschaffen worden. Doch wie man sieht, reicht das nicht, auch weil die Einwohnerzahl im selben Zeitraum um mehr als 4000 Menschen gestiegen ist. Am chronisch-akuten Mangel ändert auch der aktuelle Kita-Bau in der Merowingerstraße mit 75 Kindergarten-, 36 Krippen- und 25 Hortplätzen nicht viel, zumindest nicht mittelfristig, denn die Stadt rechnet frühestens im Betreuungsjahr 2025/26 mit dem Start. Wenn der Bauzeitplan eingehalten wird.

Wird es langfristig besser? Der Interims-Modulbau „Im Grund“ wird Ende 2026 geschlossen, weil das Mietverhältnis nur so lange gedacht war, bis die oben beschrieben Kita fertig ist. Das relativiert deren Platz-Mehrung wieder. Ebenfalls wenig Hoffnung auf nachhaltige Verbesserung der Situation machen die Unsicherheiten in den Planungen der Kita in Reuth, in Burk und im Philosophenviertel.

Krippen-, Kindergarten- und Hortgruppen entstehen in der Merowingerstraße. Im Sommer soll der Bau beginnen, heuer sind Kosten 3,1 Millionen  Euro geplant. (von 13 Gesamtmillionen).
Krippen-, Kindergarten- und Hortgruppen entstehen in der Merowingerstraße. Fertig werden soll der Bau aber erst frühestens im nächsten Jahr. // Verena Stephan

CSU und Freie Wähler kritisieren Stadt Forchheim

Forchheims Stadtpolitik zeigt sich wenig erfreut über die aktuelle Lagebeschreibung. Vor allem CSU- und Freie Wähler-Fraktion stellen der Stadt im Hauptausschuss am Donnerstagnachmittag kein allzu gutes Zeugnis aus, trotz der Bemühungen sei zu viel verschlafen worden in den vergangenen Jahren. Etwa, sich rechtzeitig Flächen für Kita-Bauten zu sichern. Oder bei größeren Wohnbauprojekten die Kita-Versorgung ganz außer Acht zu lassen. Nun renne man seit Jahren den Defiziten hinterher.

Uhlig rät sowohl ihrer Stadtverwaltung als auch den Rätinnen und Räten, über „weitere Interimslösungen nachzudenken, um den Bedarf bis zur Fertigstellung der Neubauten in diesen Bereichen zu decken als auch einen Platzpuffer vorzuhalten“. Konkrete Ideen blieb sie auf Nachfrage von Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) jedoch vorerst schuldig.

Zu wenig Personal - helfen kürzere Öffnungszeiten?

Denn das nächste – und beinahe noch schlimmere Problem – liegt in der Personalplanung. Es mangelt flächendeckend an Erzieherinnen, laut Verdi sind es in Bayern weiter mehr als 10.000 offene Stellen. Betroffen sind auch in Stadt und Landkreis Forchheim. So laufe die städtische Stellenanzeige für Kita-Kräfte in Dauerschleife, sagt Uhlig. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ideen zur Rekrutierung gibt es einige, die Stadt Forchheim setzt auf Plakatierung und das gezielte Ansprechen der Fachakademien.

Wie aus dem aktuellen „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht, brauche es weitere Sofortmaßnahmen. So könnte das pädagogische Personal von Verwaltungs- und Hauswirtschaftsaufgaben entlastet werden, auch Quereinsteigerinnen könnten die Lage entspannen. Und, radikal gedacht, bringt die Bertelsmann-Stiftung eine Reduzierung der Öffnungszeiten bis 2025 ins Spiel.

Das Ziel ist klar: 42 Prozent bayerischer Eltern wünschen sich eine Betreuung für ihre Unter-Drei-Jährigen, lediglich 31 Prozent sind in Betreuung (Kindergarten: 98 Prozent Wunsch, 92 Prozent Quote). Im Vergleich schneidet der Landkreis Forchheim laut dem „Fachkräfte-Radar für KiTa" der Bertelsmann-Stiftung, was den Anteil der Kinder ohne Platz betrifft, insgesamt betrachtet zwar besser ab als manch andere Region in Bayern. Schlusslicht im Kindergartenbereich ab 3 Jahren ist etwa die Stadt Bamberg (15,2 Prozent ohne Platz), in Memmingen bekommen sechs von zehn Krippenkindern unter 3 Jahren keinen Platz.

Diese Erkenntnis bringt den vielen Forchheimer Stadtfamilien auf den Wartelisten aber nicht viel. Wollen sie nicht einer freien Einrichtung hinterherziehen, werden sie wohl oder übel warten müssen.

Rechtsanspruch: Was Eltern tun können

Seit 2013 haben Kinder ab einem Jahr und sogar seit 1996 schon Kinder ab drei Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf einen ortsnahen Betreuungsplatz. Dabei gelten zehn Kilometer im ländlichen und fünf Kilometer im städtischen Bereich als zumutbare Entfernungen. Wer trotzdem keinen Platz angeboten bekommt, hat die Chance, einen Platz einzuklagen.

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