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Spielplatzpate in Aktion
Wie dieser Vater Forchheims Spielplätze retten will
Spielplatzpate Thomas Lehnert will den Spielplatz Weingartsteig in Forchheim wiederbeleben.
Spielplatzpate Thomas Lehnert will den Spielplatz Weingartsteig in Forchheim wiederbeleben. // Stephan Großmann
Forchheim – Thomas Lehnert ist Forchheimer. Vater. Und Spielplatzpate. Warum sich der 37-Jährige für die jüngsten Königsstädter einsetzt, wo es besonders hakt und warum er die Verantwortlich trotzdem ausdrücklich lobt.

Am liebsten würde er sofort anfangen. Auch wenn Thomas Lehnert den Spaten nur als symbolträchtige Requisite für das Fotoshooting mitgebracht hat, juckt es den 37-Jährigen direkt in den Fingern. Forchheim, Anfang April, am Weingartsteig. Thomas Lehnert lässt seinen Blick leicht ungläubig zwischen der verwaisten Rutsche, den ruinösen Resten der Reifenschaukel und dem Schild mit der Benutzerordnung für den „Spielplatz Weingartsteig“ schweifen. Denn auch wenn die Infotafel etwas anderes behauptet – mit einem Spielplatz hat dieser öde Acker wahrlich nichts (mehr) gemein.

Bis auf das Schild erinnert am Weingartsteig nicht viel an den einstigen Abenteuerspielplatz.
Bis auf das Schild erinnert am Weingartsteig nicht viel an den einstigen Abenteuerspielplatz. // Stephan Großmann

Spielplatzpate Thomas Lehnert aus Forchheim: „Selbst hier gespielt"

Das soll sich ändern, wenn es nach Thomas Lehnert geht. Der 37-Jährige hat selbst Kinder, weshalb er sich seit einem Jahr als Spielplatzpate in Forchheim um die Belange der großen und kleinen Spielplatzbesucher kümmert. Gemeinsam mit vielen weiteren Eltern und Interessenten kämpft er aktuell darum, dass dem einstigen Abenteuerspielplatz im Forchheimer Westen wieder Leben eingehaucht wird.

„Buckenhofen hat in der Nähe eine Kita und eine Schule, auch die Burker Schule ist nicht weit“, sagt Lehnert. Er habe als Kind bereits selbst dort gespielt, im Laufe der Jahre habe man den Spielplatz jedoch sich selbst überlassen. Der Sandkasten fällt beinahe auseinander, von der Schaukel stehen nur noch vier marode Pfosten, die kleine Rutsche wirkt verloren auf dem großen, abschüssigen Wiesengelände. Einzig eine kleine Rasthütte scheint noch intakt; den leeren Bierflaschen und Brausepulverpackungen nach zu urteilen ab und an von der Stadtjugend als Treffpunkt umfunktioniert.

Unterschriftenliste in Kita und Schule Buckenhofen

„Dieser Platz hier hat großes Potenzial, liegt mitten in der Natur, bietet Platz“, sagt Lehnert. Er könnte sich gar vorstellen, einen Lehrpfad zu integrieren, Naturerfahrung und Spielmöglichkeiten zu bündeln. Aber grundsätzlich gehe es erst einmal darum, dass hier überhaupt wieder Kinder toben können.

Spielplatzpate Thomas Lehnert will den Spielplatz Weingartsteig in Forchheim wiederbeleben.
Spielplatzpate Thomas Lehnert will den Spielplatz Weingartsteig in Forchheim wiederbeleben. // Stephan Großmann

Und Lehnert ist nicht alleine mit seinem Vorhaben. Eine Unterschriftenliste haben alleine in Kita und Schulen mehr als 200 Menschen unterschrieben, hinzu kommt eine vom Elternbeirat der Grundschule gestartete Online-Petition, die bis Redaktionsschluss fast 240 weitere Unterstützer unterschrieben haben. „Scheinbar haben wir mit dem Spielplatz am Weingartsteig einen Nerv getroffen“, sagt Lehnert.

Und er ist optimistisch. Als einer von Forchheims zahlreichen ehrenamtlichen Spielplatzpaten hat Lehnert einen guten Draht in die Stadtverwaltung. „Wir haben schon einmal einen Spielplatz aufgewertet, den in der Friedensstraße in Buckenhofen. Dort gab es nichts für die Kleinsten“, erzählt er. Auch damals habe er Unterschriften gesammelt, etwa 20, und sei auf das zuständige Gartenamt zugegangen. „Dann ging alles ganz schnell, das hat super geklappt“, sagt Lehnert.

35 öffentliche Spielplätze in der Stadt Forchheim

Laut Stadtsprecherin Britta Kurth gibt es in der Stadt Forchheim aktuell 35 öffentliche Spielplätze, acht bedingt zugängliche Spielplätze an den Schulen und neun nicht öffentliche Kindergarten-Spielplätze. Dazu kämen noch zwölf Bolzplätze, sechs sogenannte Fitnessplätze, zwei alleinstehende Spielgeräte und zwei Skaterbahnen. Eine Auswahl wird beispielsweise im Digitalen Zwilling der Stadt Forchheim visualisiert, eine Gesamtübersicht sei noch in Arbeit, so Kurth.

Weil die Bevölkerungszahlen der Stadt stetig zunehmen und unter anderem viele Familien mit Kindern zuziehen, haben die städtischen Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. „Die Spielplätze der Stadt Forchheim werden permanent neu bestückt, umkonzipiert und den jeweiligen Bedarfen angepasst“, schreibt Stadtsprecherin Kurth auf Anfrage unserer Redaktion weiter. Dabei gehe es auch um die Erreichbarkeit der Plätze, um das Alter der Kinder, barrierefreie Angebote, neue Entwicklungen von Spielgeräten und Dinge wie ausreichende Beschattung.

Stadt Forchheim in engem Austausch mit Spielplatzpaten

Dabei stehe die Stadt in engem Austausch mit den Spielplatzpaten wie Thomas Lehnert. Regelmäßig treffen sich die Ehrenamtlichen, um aktuelle Missstände aufzuzeigen und neue Ideen zu besprechen. Diese Ideen würde die Stadt anschließend prüfen und gegebenenfalls in Folgeplanungen der Stadtverwaltung mit einbeziehen. Zuletzt gab es im Januar ein Spielplatzpatentreffen, bei dem unter anderem um den Ausbau des Lebenshilfespielplatzes am John-F.-Kennedy-Ring sowie der Ausbau am Ernst-Reuter-Platz und der Kellerwaldspielplatz II besprochen wurden.

Und eben der aktuell verwahrloste Spielplatz am Weingartsteig. „Wir werden natürlich alles versuchen, um diesen Platz zu retten“, so Lehnert.

Thomas Lehnert ist  guter Dinge, was den Spielplatz Weingartsteig angeht.
Thomas Lehnert ist guter Dinge, was den Spielplatz Weingartsteig angeht. // Stephan Großmann

Erste Gespräche mit der Stadtverwaltung habe es bereits gegeben, laut Lehnert mit „positiven Signalen“. Dies bestätigt auch Stadtsprecherin Britta Kurth: „Bezüglich des Spielplatzes gibt es konkrete Planungen, den Platz deutlich aufzuwerten. Diese sind aber noch in Arbeit und werden zunächst im Stadtrat vorgestellt“, schreibt sie.  

Das hören Thomas Lehnert und seine vielen Mitstreitenden gerne. Sie werden in den kommenden Monaten die Stadtpolitik genau verfolgen und hoffen, dass der nächste Spaten am Spielplatz Weingartsteig nicht nur symbolisch in die Erde gestochen wird.

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