Meistens merkt man sie gar nicht. Bis zu 15 Tage lang hängen sie an einer geschützten Stelle etwa in der Achselhöhle oder im Genitalbereich und trinken das Blut ihres Wirts. Ixodida, Zecken. Mit den jetzt ansteigenden Temperaturen werden die nur einige Millimeter großen Spinnentiere wieder aktiver – und für Mensch und Tier mitunter zur echten Gefahr.
An sich ist schon der Gedanke gruselig, dass sich ein Parasit mit dem eigenen Blut auf das 200-fache seines ursprünglichen Gewichts volllaufen lässt. Weder der Stich noch das Blutsaugen verursachen Schmerzen. Das Problem: Kein anderer Parasit kann derart viele Krankheiten übertragen wie die Zecke. Berühmte Beispiele sind etwa die Borreliose und die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Fast ganz Bayern ist Risikogebiet für FSME
Gegen letztere kann eine Impfung helfen. Die Impfserie besteht aus drei Spritzen, welche die Ständige Impfkommission (Stiko) allem Menschen empfiehlt, die in Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen könnten. Da der gesamte Freistaat Bayern mit nur wenigen Ausnahmen als ein solches Risikogebiet eingestuft ist, wird die FSME-Impfung in Bayern allen empfohlen.
Und doch gebe es großen Nachholbedarf, mahnt Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). Wie sie sagt, besitze lediglich ein Fünftel der Erwachsenen hierzulande einen FSME-Impfschutz. Dabei verläuft gerade bei älteren Menschen eine FSME-Erkrankung besonders schwer. Nachholbedarf sieht Gerlach auch bei den Kindern, es seien nur 37 Prozent der Schulanfänger geimpft.
Milder Winter: Zeckensaison hat 2024 sehr früh begonnen
In diesem Jahr hat die Saison der Blutsauger bereits früh begonnen, schon Ende Februar wurden erste Warnungen ausgesprochen. Auch sollen sie insgesamt wegen des milden Winters besonders aktiv sein. Das merkt auch Rita Kraus. Sie ist als Försterin im Revier Streitberg für die Waldgebiete rund um Ebermannstadt und das Wiesenttal zuständig. „In diesem Jahr habe ich schon drei Zecken auf mir gefunden“, sagt sie. Das bleibe bei ihrem Beruf nicht aus, etwa 30 Zecken müsse sie pro Jahr entfernen. Das liege aber auch an der Region rund um die Fränkische Schweiz, in der eine große Zeckenpopulation zu erkennen sei.
In Deutschland gibt es etwa 20 Arten von Zecken. Am häufigsten Menschen befällt der Gemeine Holzbock. Doch seit ein paar Jahren macht sich in Deutschland eine weitere Zeckenart breit: Hyalomma. Sie ist um einiges größer als die heimischen Arten und kann ihren zukünftigen Wirt sogar verfolgen.
Tipps, um den Befall von Zecken zu vermeiden
Ganz verhindern könne man es wohl nie, dass sich die Tiere einen als Wirt aussuchen. Aber man könne zumindest die Wahrscheinlichkeit verringern, sagt Kraus. „Bei einem Spaziergang im Wald empfehle ich lange Hosen. Am besten ist es, wenn man noch die Socken über die Hosenenden streift. Auch wenn es nicht ganz so cool aussehen mag.“ Entgegen sich noch immer hartnäckiger haltenden Meinungen lassen sich Zecken mitnichten von Bäumen auf ihre Opfer fallen.
Zecken halten sich bevorzugt in der Nähe des Bodens auf, in einer Höhe von 30 bis 60 Zentimetern, also zum Beispiel auf Gräsern, in Büschen und auf Wiesen. „Meistens fängt man sich die Parasiten im Gras ein oder streift sie von Sträuchern ab“, so Kraus. Aber auch in Städten können Zecken vorkommen, beispielsweise in Stadtparks oder Gärten. Gerne dort, wo der Weg zu Ende ist und das Gestrüpp anfängt.
Grundsätzlich funktioniert ein Zeckenstich so: Die Zecke besitzt einen hochentwickelten Stechapparat. Mit scherenartigen Mundwerkzeugen reißt sie die Haut des Wirts auf und gräbt mit ihrem „Stachel“ eine Grube in das Gewebe, das sich an der Stichstelle mit Blut füllt. Nachfließendes Blut saugt die Zecke immer wieder ab. Ist sie satt, fällt sie wieder ab und kann theoretisch bis zu zehn Jahre ohne weitere Nahrung auskommen.
Wie man eine fest gesaugte Zecke wieder loswird
„Wer eine Zecke findet, die sich bereits festgesaugt hat, sollte sie so schnell wie möglich entfernen“, rät die Förstern. Je länger die Zecke saugt, desto wahrscheinlicher wird eine mögliche Übertragung von Krankheitserregern. So kann eine Infektion mit Borreliose-Bakterien zwar zwölf bis 24 Stunden dauern, FSME-Viren können aber so übertragen werden, weil sich das Virus in den Speicheldrüsen einer infizierten Zecke befindet.
Hilfsmittel gibt es viele. Beispielsweise eine spezielle Pinzette. Mit dieser sollte man die Zecke möglichst hautnah an den Mundwerkzeugen packen und kontrolliert herausziehen. Alternativ gibt es Zeckenkarten mit einer v-förmigen Auslassung, in der die Zecke fixiert und mit einer Art Hebel entfernt wird. Wichtig: Sollte eine mögliche Rötung an der Einstichstelle nicht zurückgehen oder sich gar ausbreiten, sollte man einen Arzt aufsuchen. Das gilt, auch wenn die Stelle um den Einstich anschwillt, heiß wird, schmerzt oder grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen auftreten.
Rita Kraus hatte bisher Glück. Trotz der vielen Attacken ist sie bislang verschont geblieben von einer übertragenen Krankheit. Laut Zahlen des Landratsamtes Forchheim hat es im vergangenen Jahr auch kaum FSME-Fälle gegeben. Dafür aber mehrere Dutzend Fälle der Lyme-Borreliose (oft zu erkennen an der Wanderröte, einer ringförmigen Hautrötung rund um die Einstichstelle). In schlimmeren Fällen kann es infolgedessen zu Gelenkentzündungen, Gesichtslähmung oder gar bleibenden Schäden an Organen und Gelenken kommen.
Eins ist Försterin Rita Kraus wichtig zu betonen. Bei aller gebotenen Vorsicht müssten Waldbesucher keine übertriebene Angst haben: „Ein Waldspaziergang ist trotzdem das Schönste.“
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