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Frühlingserwachen im Winter
Bienen und Pollen fliegen schon: Ein Problem für die Natur
Blümchen und Bienchen
Auf dem Weg zur Bestäubung: Eine Biene fliegt über blühende Krokusse im Münchner Luitpoldpark. // Katrin Requadt/dpa
LKR Forchheim – Bei Temperaturen von bis zu 17 Grad könnte man meinen, es sei bereits April. Spaziergänger genießen das frühlingshafte Wetter. Doch die allzu milde Witterung im Hochwinter hat auch ihre Kehrseite.

Es klingt beinahe wie ein irrwitziges Wettbieten von Temperaturrekorden: Südfrankreich wartet aktuell mit 27 Grad auf, Marokko bietet kuschelige 37 Grad. Gut, die 17 Grad hierzulande können da nicht ganz mithalten, sich aber dennoch für hiesige Breiten sehen lassen. Mehr noch: Der Februar 2024 geht in die Wettergeschichte ein.

Klimawandel sorgt zu jeder Jahreszeit für Extreme

Und das, obwohl wir gerade mal die erste Hälfte erlebt haben. Mit fast 7 Grad über dem langjährigen Mittel, gemessen zwischen 1991 und 2020, dürfte es der wohl wärmste Februar seit 104 Jahren werden. Es scheint fast so, dass uns der Klimawandel, egal zu welcher Jahreszeit, Rekorde und Allzeitextreme am Fließband zumutet, quasi als neue Normalität.

Blick auf das Alte rathaus in Bamberg

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Die momentanen Frühlingsgefühle sind aber nicht nur Tagesgespräch, sondern hat auch Auswirkungen auf die Natur. Zeitgenossen, die dieser Tage unter juckenden Augen oder Niesanfällen leiden, dürften es schon geahnt haben: Die Pollenampel steht schon auf Rot – mitten im Februar. Denn aktuell sind sogenannte Frühblüher wie Hasel und Erle bereits aktiv, es herrscht also eine durchgehend starke Belastung deren Pollen. Durchatmen ist für Allergiker daher nur angesagt, wenn es einen Tag lang durchregnet. Sofern sich nicht Pollenreste in der Kleidung oder in Innenräumen befinden.

Ebermannstadter Imker beobachtet seine Bienen genau

Besagte Pflanzengattungen sind genetisch auf die aufkommende Wärme nach der dunkel-kalten Winterzeit programmiert und werden aktiv. Naturbedingt wollen sie möglichst als erste ihre Chance zur Verbreitung ihrer Pollen nutzen, weshalb man sie auch Pionierarten nennt. Diese sind nicht auf die Verbreitung ihrer Pollen durch Bienen oder andere Insekten angewiesen, die im normalerweise noch kalten Februar noch gar nicht unterwegs sind.

Womit wir bei den Bienen wären. Nicht umsonst haben die Menschen von Alters her erkannt, dass sie es mit extrem gut organisierten Völkern zu tun haben, denen es gelingt, das Optimum aus den Angeboten der Umgebung und der Witterungsabläufe für die Erhaltung der eigenen Art herauszuholen. Christian Kiehr, seit Jahren passionierter Imker in Ebermannstadt, beobachtet diese alljährlichen Prozesse akribisch bei seinen Bienenvölkern. Er gehört zu jenen, die seinen Bienenvölkern jeden Winter einen Teil des entnommenen Vorrats an Honig als Überwinterungsreserve zurückgibt.

Bienen finden jetzt schon Pollenlieferanten

Das Bienenbrot, wie er es nennt, bräuchten die Winter-Bienen, um die Aufzucht der neuen Eier der Bienenkönigin für den Aufbau eines starken Nachwuchses zu gewährleisten. „Kritisch für das Bienenvolk sind schwankende Witterungsverhältnisse mit längeren milden und dann wieder kalten Phasen. Das stresst die Bienen, weil sie so keinen kontinuierlichen Aufbau des neuen Volkes bewerkstelligen können“, so Kiehr.

Früher wären solche drastischen Schwankungen in dieser Häufung und in diesem Ausmaß nicht vorgekommen und seien wohl dem Klimawandel geschuldet, so der Bienenfachmann. „Wird es im Laufe des Winters vorübergehend wärmer, ist es normal, dass die Winter-Bienen ausfliegen, weil sie immer mal wieder ihre Kotblase entleeren müssen. Aber jetzt sind bereits Pollenlieferanten wie Hasel, Erle oder Krokus aktiv.“ Und damit auch die Bienen.

Bienen droht eine Überlastung

Wenn es für mehrere Tage mild ist, finde bereits der Frühjahrsputz statt, so der Imker. Wenn dann aber der Futternachschub aus der Natur fehle, könne das Bienenvolk wegen des hohen Energieverlustes an eine kritische Belastungsgrenze kommen und im ungünstigen Falle sterben. Dann müsse der Imker zufüttern.

Pollenflug ist im natürlichen Lebenszyklus für viele Pflanzen notwendig, um die Verbreitung und damit den Fortbestand der eigenen Art sicherzustellen. Für uns Menschen ist die Kehrseite der Medaille, auf bestimmte Pollenarten Allergien zu entwickeln. Heuschnupfen, wie man im Volksmund auch sagt, gab es schon immer. Allerdings hat der Anteil in der Bevölkerung an Allergikern auf Pollen in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen.

Die Pollenflugsaison beginnt immer früher

Laut einem Positionspapier der Kommission Umweltmedizin am Robert-Koch-Institut regiert mittlerweile bis zu einem Drittel der Bundesbürger mit erkältungs- und grippeähnlichen Symptomen auf die unterschiedlichen Pollenarten – verteilt über die gesamte Vegetationszeit bis in den Herbst hinein. Faktoren wie schädliche Umweltpartikel, die quasi blinde Passagiere auf den Pollen sind, verstärken die sogenannte allergene Wirkung.

Der Klimawandel trägt seinen Teil dazu bei: Je früher die Pflanzen durch mehr Tageslicht und höhere Temperaturen getriggert werden, desto zeitiger beginnt die Pollenflugsaison. Und auch die sogenannten Mastjahre von Waldbäumen – also massiver Pollenflug und im Herbst viele Eicheln oder Bucheggern zum Beispiel – zeugen von erhöhtem Stress für die Bäume durch lange Trocken- oder Hitzeperioden.

Was auch immer uns die anstehende Frühjahrs- und Sommersaison bereithalten wird, für die Natur sind die Zeiten mit ihren vielfältigen und schwankenden Umweltbelastungen auch nicht gerade einfacher geworden.

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