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Wegen Personalmangel
Nächstes Aus: Wie es beim Kinderhaus Sausewind weitergeht
Am 9. August ist Schluss: Das Kinderhaus Sausewind in Forchheim schließt. Warum der Awo keine andere Wahl blieb.
Am 9. August ist Schluss: Das Kinderhaus Sausewind in Forchheim schließt. Warum der Awo keine andere Wahl blieb. // Stephan Großmann
Forchheim – Kita-Beben in Forchheim: Völlig unerwartet schließt das Kinderhaus Sausewind in wenigen Wochen seine Türen. Eltern sind geschockt und suchen nach Lösungen. Nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen.

Wieder geht es schnell. Wieder dreht sich das Abendbrottisch-Thema vieler Familien nicht über die Freuden der Sommerferiengestaltung, sondern die Not, schnell einen neuen Kita-Platz zu finden. Wie jetzt bekannt wurde, schließt das Awo-Kinderhaus Sausewind in drei Wochen seine Pforten. Wahrscheinlich für immer. Zurück bleiben ratlose Eltern und ein gefrusteter Träger.

Sausewind: 9. August ist letzter Tag in Awo-Kita

„Unsere Kita in der Kasernstraße wird am 9. August zum letzten Mal geöffnet haben“, sagt Forchheims Awo-Geschäftsführerin Eva Wichtermann. Bis dahin werde der Betrieb noch aufrechterhalten, womit sie indirekt anderslautenden Medienberichten widerspricht, laut denen nach dieser Woche schon Schluss wäre. Ab dem 12. August wäre die Kita wegen der Sommer-Schließzeit sowieso drei Wochen lang nicht geöffnet. Nur macht sie im September nicht mehr auf.

Schon vor einigen Wochen erschütterte ein plötzliches Kita-Aus die Elternwelt der Königsstadt, als der Rabbel Zabbel unerwartet seine Schließung verkündete. 18 Kinder standen plötzlich ohne Betreuungsplatz da, auch beim Kinderhaus sind nun 18 Kinder betroffen. Laut Wichtermann würde man aktuell 24 Kinder betreuen, aber weil für manche davon jetzt der Übertritt in die Schule ansteht, wären zumindest die außen vor. Das Problem aber bleibt.

Awo Forchheim: „Frühestmöglich kommuniziert“

Dass die Awo den Eltern erst recht kurzfristig die bevorstehende Schließung mitteilt, bedauert Wichtermann auf Anfrage. Sie verstehe, dass sich die Eltern nun vor den Kopf gestoßen fühlen. Manche gar verzweifelt seien. Das sei tragisch, sagt sie. „Aber wir haben die Familien so früh wie möglich informiert“, sagt sie. Demnach seien in der vergangenen Woche die Elternbriefe herausgegangen. Bis zuletzt sei Wichtermann mit der Kita-Aufsicht am Landratsamt Forchheim im Austausch gewesen, gemeinsam kam man zu dem Schluss, den Schlussstrich ziehen zu müssen.

Der Grund für die Sausewind-Flaute ist der gleiche wie beim Kindergarten Rabbel Zabbel im Juni: Personalmangel. Eigentlich hätte es im Kinderhaus Sausewind zwei Gruppen mit jeweils 18 Kindern geben können. Weil der Dienstplan seit jeher große Lücken aufwies, hätte die Kapazität nie voll ausgeschöpft werden können, so Wichtermann. Zuletzt waren eine Leiterin und eine pädagogische Fachkraft angestellt, beide haben oder werden die Einrichtung verlassen. Ausgeschrieben seien die Stellen gewesen, lange. Ohne Erfolg. Drum zieht die Awo nun die Reißleine.

Eva Wichtermann, Awo-Geschäftsführerin ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Eva Wichtermann, Awo-Geschäftsführerin Forchheim // FT

Wie es für Eltern nun weitergeht

Gemeinsam mit der Stadt Forchheim versuche die Awo nun, bei einem neuen Platz behilflich zu sein. „Ich selbst habe schnell mit etlichen Kitas telefoniert“, so Wichtermann. Stadtsprecherin Britta Kurth bestätigt, dass auch in den städtischen Einrichtungen gesucht würde. Nur sei das nicht einfach, die Lage ist ohne angespannt, auch vom Rabbel Zabbel sind noch nicht alle untergekommen. Für etwaige Überbelegungen bestehender Einrichtungen brauche es laut Kurth aber jeweils das Okay des Landratsamtes. Ein bürokratischer Hürdenlauf, der Zeit braucht.

Viel Zeit bleibt für die betroffenen Eltern indes nicht mehr. Zwar gibt es Lichtblicke, aber nur für jene, die mobil sind und notfalls auch ganz flexibel einen Platz außerhalb des Stadtgebietes annehmen könnten. In einigen Landkreisgemeinden gibt es, Stand heute, noch freie Plätze (siehe hier die Liste des Landratsamtes). Doch für die meisten, vor allem der innerstädtischen Awo-Eltern, werde das kaum in Betracht kommen können, sagt Wichtermann. Der Migrationsanteil sei hoch, viele besäßen keine Autos.

„Wir tun, was wir können“, beteuert auch Britta Kurth. Vor allem baulich tut sich in Forchheim derzeit relativ viel, die Stadt geht ihre Hausaufgaben an. Mehr als 600 Plätze sind in der Stadt in den vergangenen 15 Jahren geschaffen worden. Nur ausreichend Personal könne man auch im Rathaus nicht herschaffen, zumal auch in den eigenen Einrichtungen nach wie vor Stellen unbesetzt sind. Laut der Gewerkschaft Verdi sind bayernweit mehr als 10.000 Stellen offen.

Rechtsanspruch: Was Eltern tun können

Seit 2013 haben Kinder ab einem Jahr und sogar seit 1996 schon Kinder ab drei Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf einen ortsnahen Betreuungsplatz. Dabei gelten zehn Kilometer im ländlichen und fünf Kilometer im städtischen Bereich als zumutbare Entfernungen. Wer trotzdem keinen Platz angeboten bekommt, hat die Chance, einen Platz einzuklagen.

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